. Versorgungsforschung

Zu viele Krebspatienten sterben im Krankenhaus

In Deutschland sterben fast 40 Prozent aller Krebspatienten im Krankenhaus. Das sind beinahe doppelt so viele wie in den USA. Gründe für diesen Unterschied haben nun Hamburger Forscher ermittelt.
40 Prozent der Patienten erliegen ihrem Krebsleiden im Krankenhaus. Dabei will fast jeder zu Hause sterben

40 Prozent der Patienten erliegen ihrem Krebsleiden im Krankenhaus. Dabei will fast jeder zu Hause sterben

Zu Hause sterben wollen die meisten. Doch wenn es dem Lebensende zugeht, werden hierzulande rund 70 Prozent aller Krebspatienten ins Krankenhaus eingewiesen. 38 Prozent sterben dann dort. Das haben Forscher vom Hamburg Center for Health Economics ermittelt und die Daten mit sechs weiteren Industrienationen verglichen. Demnach werden in Belgien, England, Kanada und Norwegen sogar 80 Prozent der Krebspatienten in den letzten sechs Monaten vor ihrem Tod ins Krankenhaus eingewiesen. In Belgien und Kanada verstirbt dort auch mehr als jeder zweite Krebspatient.

In den USA sind Kliniken fürs Sterben zu teuer

Anders in den USA: Das Land verzeichnet mit nur 22 Prozent die geringste Sterberate in Krankenhäusern. Die Studienautoren führen den Unterschied auf ökonomische Ursachen zurück. „Ein Grund dafür sind die Krankenhausvergütungssätze in Amerika, die wesentlich höher sind als in allen anderen Ländern“, erklärt Prof. Dr. Rudolf Blankart vom Hamburg Center for Health Economics. Der Kostendruck in den USA habe in den letzten Jahrzehnten vermehrt zum Ausbau von Pflegeeinrichtungen und Hospizen geführt. „Somit konnte die Sterberate in Krankenhäusern kontinuierlich gesenkt werden, was durchaus im Sinne der Patienten ist“, so Blankart. „Immer wieder konnte in Studien gezeigt werden, dass Patienten eher in ihrem gewohnten häuslichen Umfeld und nicht im Krankenhaus versterben möchten“, so der Forscher weiter.

Ein weiterer Unterschied zwischen den USA und Deutschland ist die Behandlungsintensität in den letzten sechs Lebensmonaten. So werden in den USA 40 Prozent der aufgenommenen Patienten auf einer Intensivstation behandelt. In Deutschland sind es dagegen nur acht Prozent, wie die Forscher herausfanden. Patienten in den Vereinigten Staaten erhalten auch öfter eine Chemotherapie am Lebensende, nämlich 39 Prozent gegenüber 28 Prozent in Deutschland. Studienleiter Blankart sieht das kritisch. Der Einsatz einer Chemotherapie während der letzten Lebensmonate müsse sorgsam abgewogen werden, da auch die neuen chemotherapeutischen Wirkstoffe oft mit erheblichen Nebenwirkungen einhergingen, sagte er.

Deutschland liegt im Mittelfeld

All das mag dazu beitragen, dass die Behandlungskosten von Krebspatienten in den USA weit über denen in Deutschland liegen. Die Vereinigten Staaten gehören zu den Ländern mit den höchsten Krankenhauskosten in den letzten sechs Lebensmonaten, obwohl dort die Aufenthaltsdauer bei rund der Hälfte im Vergleich zu den anderen Ländern liegt und die wenigsten Patienten im Krankenhaus versterben.

Schaut man sich alle sieben Länder an, liegt Deutschland im Mittelfeld, sowohl was die Kosten als auch die Zahl der Krankenhausaufenthalte betrifft.

Insgesamt haben die Hamburger Forscher mehr als 400.000 anonymisierte Patientenakten aus den USA, Belgien, England, Kanada, den Niederlanden, Norwegen und Deutschland ausgewertet. Die Daten aus Deutschland stammten von der Barmer GEK.

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Hauptkategorie: Medizin

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