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Zu viel Kalzium kann zu Atherosklerose führen

Freitag, 25. März 2022 – Autor:
Patienten, die an Osteoporose leiden, sollten täglich eine Extraportion Kalzium nehmen. Doch Kalzium-Tabletten in zu hoher Dosis können zu Nierensteinen und Atherosklerose führen. Experten raten zur Kalzium-Zufuhr über die Nahrung.
Wer Kalzium über die Nahrung aufnimmt, kann es nicht überdosieren

– Foto: Adobe Stock/rainbow33

Patienten, die an Osteoporose, also Kalziummangel, leiden, sollten täglich eine Extraportion Kalzium für den Knochenaufbau zu sich nehmen. Das gilt auch für Menschen, die von einer Vorstufe des Knochenschwunds (Osteopenie) betroffen sind. Doch Kalzium-Tabletten in zu hoher Dosis (mehr als 500 mg/Tag) können zu Nierensteinen und Atherosklerose führen.

Da viele Patienten mehrere Nahrungsergänzungsmittel einnehmen, ist auch eine versehentliche Überdosierung möglich. Keine schädlichen Obergrenzen gibt es bei kalziumreichen Lebensmitteln. Deshalb sollte der Mineralstoff bevorzugt über die Nahrung eingenommen werden, rät Dr. Stephan Scharla, Sprecher der Sektion Knochen- und Mineralstoffwechsel der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE).

Ausgewogene Ernährung bietet genug Kalzium

Etwa 98 Prozent des Kalziums ist in Knochen und Zähnen enthalten und hält sie stabil. Das mengenmäßig wichtigste Mineral im menschlichen Körper ist darüber hinaus ein wichtiger Faktor bei der Blutgerinnung. Auch ist es an zahlreichen Funktionen wie der Weiterleitung von Reizen im Nervensystem beteiligt.
 
"Gesunde Menschen mit einer abwechslungsreichen und ausgewogenen Ernährung, die auch Milchprodukte enthält, benötigen keine medikamentöse Kalziumergänzung", sagt Dr. Scharla. "Eine Ausnahme bilden jene, die wenig oder keine Milchprodukte verzehren (können) und Patienten mit einer Malabsorption – etwa nach einer Magen-Bypass-OP bei Adipositas. Sie haben ein hohes Risiko für einen ernährungsbedingten Kalziummangel", so das DGE-Mitglied.

 

Gute Bioverfügbarkeit von Kalzium aus Mineralwasser

"Milchprodukte sind eine gute Kalziumquelle, ebenso grünes Gemüse wie Broccoli oder Grünkohl. Menschen mit einer Laktose-Intoleranz oder einer Abneigung gegen Milchprodukte können deshalb auf andere Kalziumquellen ausweichen. Mittlerweile gibt es im Lebensmittelhandel auch viele laktosefreie Milchprodukte", sagt Scharla.

Studien zeigen, dass die Bioverfügbarkeit von Kalzium aus Mineralwasser ähnlich gut ist wie die von Milch. Enthält Mineralwasser mindestens 150 mg Kalzium/Liter, darf es den Hinweis "kalziumhaltig" tragen. Dieser wird auf dem Flaschenetikett angegeben.

Die Kalziumaufnahme beeinträchtigen Wurstwaren mit hohem Phosphatgehalt, Kaffee und schwarzer Tee (bei Konsum großer Mengen), alkoholische Getränke, Softdrinks (wie Cola, Fanta), Schmelzkäse sowie Lebensmittel mit einem hohen Gehalt an Oxalsäure wie etwa Spinat, Rhabarber und Spargel.

Für die Kalziumaufnahme braucht der Körper Vitamin D

Um Kalzium aus dem Darm aufnehmen und in die Knochen einbauen zu können, benötigt der Körper darüber hinaus Vitamin D. Im Winter ist wegen des geringeren UV-Licht-Anteils eine Vitamin D-Ergänzung mit täglich 1000 I.E. anzuraten. Dies verbessert nicht nur die Kalziumaufnahme, sondern stärkt auch das Immunsystem. Scharla warnt jedoch vor zu hohen Einzeldosen an Vitamin D: "Sie sind schädlich – besser ist eine kontinuierlich niedrige Zufuhr."

Zu viel Kalzium kann zu Atherosklerose führen

Optimal wird eine Kalziumzufuhr von 1000 mg am Tag angesehen. Davon können bis zu 500 mg/Tag unbedenklich über Kalzium-Ergänzungspräparate eingenommen werden. "Am wirkungsvollsten ist eine Einnahme zu den Mahlzeiten", rät Scharla in einer Pressemitteilung. Kalzium-Präparate über 500 mg am Tag können kardiovaskuläre Risiken erhöhen und zu Atherosklerose führen. Das gilt für freiverkäufliche Präparate wie für Medikamente.

Zu beachten sei ein eventuell erhöhter Kalzium-Bedarf bei Patienten, die Osteoporose-Medikamente einnehmen, etwa intravenöse Bisphosphonate, Teriparatid oder Romosozumab. Hier empfehlen Ärzte eine zusätzliche medikamentöse Kalzium-Zufuhr, sagt Scharla.

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