. Gicht und Ernährung

Zu viel Fruchtzucker erhöht Gicht-Risiko

Gicht und Hyperurikämie haben in der westlichen Welt zugenommen. Umweltfaktoren könnten eine Rolle spielen. Eine Meta-Analyse sieht einen Zusammenhang zwischen Gicht-Risiko und dem Konsum von Fruchtzucker (Fruktose).
Gicht

Gicht ist mit schmerzenden Gelenken verbunden

Bislang legte die Medizin das Augenmerk auf Übergewicht, Alkoholkonsum und den häufigen Verzehr von Fleisch und Meeresfrüchten. Nun rückt die Fruktose (Fruchtzucker) in den Fokus. Fruktose ist ein Monosaccharid, das in Pflanzen vorkommt.

Sie ist ein wichtiger Bestandteil von High Fructose Corn Sirup, einem aus Maisstärke gewonnenen Zuckerkonzentrat, das vor allem in Limonaden und Soft Drinks zu finden ist. In Tierstudien führte die Einnahme von mit Fruktose gesüßten Getränken zu einer höheren Konzentration von Harnsäure im Blut. Andere Studien konnten das nicht bestätigen.

Viel Fruchtzucker erhöht Gicht-Risiko

Kanadische Forscher werteten nun in einer Meta-Analyse die Daten vorliegender Untersuchungen aus. Die Analyse wurde in BMJ Open veröffentlicht. In zwei Studien mit 125.299 Teilnehmern traten im Verlauf von durchschnittlich 17 Jahren 1.533 Fälle von Gicht auf. Männer waren häufiger betroffen. Die Probanden, die am meisten Fruktose zu sich nahmen, hatten ein um 62 Prozent höheres Gicht-Risiko als diejenigen, die am wenigsten Fruktose konsumierten.

Allerdings nahmen an den Studien nur weiße US-Amerikaner teil, was deren Aussagekraft einschränkt. Denn es gibt genetische Risikofaktoren für Gicht, die abhängig von der Ethnie sind. Auch eindeutige Verzehrempfehlungen konnten die Wissenschaftler nicht geben, da Fruktose auch in Obst und Fruchtsäften enthalten ist. Ob es eine Rolle spielt, aus welcher Nahrungsquelle die Fruktose stammt, müssten weitere Untersuchungen klären.

 

Erhöhte Harnsäure-Werte führen langfristig zu Gicht

Auch zu dem Zusammenhang zwischen Fruktose und Hyperurikämie ließ sich in der Meta-Analyse mangels Daten keine Aussage treffen. Gicht geht immer eine Hyperurikämie voraus, also ein erhöhter Harnsäure-Spiegel im Blut. Harnsäure entsteht im menschlichen Körper als Abbau-Produkt von Purinen. Diese fallen während des normalen Zellstoffwechsels an, werden aber auch mit der Nahrung aufgenommen.

Der menschliche Körper kann Harnsäure nicht weiterverwenden und scheidet sie zu 80 Prozent über die Nieren und zu 20 Prozent über den Darm aus. Scheiden die Nieren jedoch weniger Harnsäure aus oder entstehen größere Mengen an Harnsäure als ausgeschieden werden, steigt der Harnsäurespiegel an. Grund dafür können eine erbliche Stoffwechselstörung, andere Erkrankungen oder Medikamente sein, heißt es bei den Internisten im Netz.

Erhöhter Harnsäure-Spigel bleibt oft Jahre unbemerkt

Die Hyperurikämie bleibt oft mehrere Jahre unbemerkt. Bis es eines Tages zum ersten Gicht-Anfall kommt. Dabei lösen Harnsäure-Kristalle im Gelenkspalt betroffener Gelenke entzündliche und immunologische Reaktionen aus.

Der Gicht-Anfall tritt meist nachts auf, ausgelöst zum Beispiel durch ein reichhaltiges Essen, starken Alkoholkonsum, ungewohnte Anstrengung oder eine Infektionskrankheit. Der Patient wacht mit sehr starken Schmerzen in einem einzelnen Gelenk auf. In 80 Prozent der Fälle ist ein Gelenk der Beine betroffen, davon in 60 Prozent der Fälle das Großzehengrundgelenk.

Foto: Astrid Gast/fotolia.com

Autor: bab
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