. Ungetestete Ebola-Mittel

ZMapp Einsatz unter Experten umstritten

Im Kampf gegen die Ebola-Epidemie hat die WHO dem Einsatz experimenteller Arzneimittel zugestimmt. Bei Virologen stößt die Entscheidung auf geteiltes Echo. Kritiker befürchten, ungetestete Mittel wie ZMapp könnte mehr schaden als nutzen.
ZMapp Einsatz unter Experten umstritten

Mediziner haben gegen Ebola wenig in der Hand. Jetzt soll das unerprobte Mittel ZMapp zum Einsatz kommen

Die WHO hat am Dienstag dem Einsatz von bislang noch nicht für den Menschen zugelassenen Arzneimitteln zugestimmt, nachdem sie sich mit Medizinethikern beraten hatte. Unter den besonderen Umständen dieses Ausbruchs sowie unter Einhaltung bestimmter Bedingungen sei es ethisch vertretbar, unerprobte Mittel mit bislang unbekannten Nebenwirkungen als potentielle Therapie oder zur Vorbeugung anzubieten, teilte die Organisation am Dienstag mit. Konkret geht es dabei um das Medikament ZMapp. Das Mittel stammt aus den USA und wurde im Rahmen der Ebola-Epidemie erstmals drei Menschen verabreicht – ohne vorhergehende klinische Studien. Den beiden mit ZMapp behandelten US-amerikanischen Patienten soll es Medienberichten zufolge besser gehen, der spanische Priester war gestern gestorben.

Tödliche Nebenwirkungen denkbar

Nicht allein, weil das Mittel gar nicht für die Behandlung der vielen Ebola-Infizierten ausreichen würde, sehen einige Virologen den Einsatz skeptisch. Über Nebenwirkungen wisse man bisher nur sehr wenig, im Extremfall könnten sie tödlich sein, sagte der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit vom Hamburger Bernhard-Nicht-Institut im tagesschau.de-Interview. Der Antikörpercocktail könnte einen lebensbedrohlichen allergischen Schock auslösen und somit mehr schaden als nutzen. „Wenn solche unerprobten Medikamente an einer breiteren Bevölkerungsschicht ausprobiert würden und es zu solchen Nebenwirkungen käme, hätte das fatale Folgen.“ Das ohnehin geringe Vertrauen der afrikanischen Bevölkerung in die westliche Medizin würde weiter erschüttert. Stattdessen rät der Virologe dazu, mehr medizinisches Personal in die Krisenregionen zu schicken und mehr Isolierstationen einzurichten, damit sich die Ebola Seuche sich nicht weiter ausbreitet.

 

Schneller Nachschub nicht in Sicht

Der Virologe Hans-Dieter Klenk, Professor am Marburger Institut für Virologie an der Philipps-Universität teilt zwar die Bedenken zu möglichen Nebenwirkungen. Dem Magazin Focus sagte er unterdessen, er halte die Entscheidung der WHO in Anbetracht der hohen Sterberate und der gut begründbaren Annahme, dass das Mittel helfen könne, für gerechtfertigt. Mit dem Einsatz monoklonaler Antikörper habe man bei anderen Erkrankungen bereits gute Erfahrungen gemacht.

Nach Angaben des Senders CNN sollen in dieser Woche einige Dosen ZMapp nach Liberia gebracht werden. Doch nach welchen Kriterien das Mittel vergeben werden soll, ist unklar. Möglicherweise wird es zunächst infizierten medizinischen Helfern verabreicht. Auch zu dieser ethisch brisanten Frage will sich die WHO in den kommenden Tagen beraten. Erschwert wird die Verteilungsfrage dadurch, dass insgesamt höchstens Dosen für 50 Menschen verfügbar sein sollen. Und schneller Nachschub ist auch nicht in Sicht. Da ZMApp gentechnisch aus Tabakpflanzen gewonnen wird, gilt die Herstellung als schwierig und zeitaufwändig.

Foto: © elsahoffmann - Fotolia.com

Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Infektionskrankheiten , Ebola , Weltgesundheitsorganisation
 

Weitere Nachrichten zum Thema Ebola-Epidemie

 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Mehr zum Thema
 
. Weitere Nachrichten
Nachdem KBV-Chef Andreas Gassen Maßnahmen gegen das Ärzte-Hopping in Deutschland gefordert hat, meldet sich nun auch der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) zu Wort. Er plädiert dafür, allzu häufige Arztbesuche von Eltern mit ihren Kindern zu begrenzen.
Wird sie nicht rechtzeitig erkannt, endet eine Sepsis in der Regel tödlich. Die Schwierigkeit liegt jedoch darin, dass die Anzeichen einer Sepsis häufig den Symptomen von harmlosen Infektionskrankheiten ähneln. Dennoch gibt es Hinweise für eine Sepsis, die mit den richtigen diagnostischen Maßnahmen zu erkennen sind.
. Top-Termine
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender

Friedrich von Bodelschwingh-Klinik Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Landhausstraße 33 – 35, 10717 Berlin Mehrzweckraum, EG

Friedrich von Bodelschwingh-Klinik Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Landhausstraße 33 – 35, 10717 Berlin

Friedrich von Bodelschwingh-Klinik Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Landhausstraße 33 – 35, 10717 Berlin
 
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Kliniken
. Interviews
Senioren fühlen sich heute jünger als früher – und sind es Studien zufolge auch. Doch woran liegt das und was bedeutet Alter heute überhaupt? Über diese und andere Fragen hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem renommierten Alternspsychologen Prof. Dr. Hans-Werner Wahl gesprochen.
Das massenhafte Auftreten des Eichenprozessionsspinners hat in diesem Jahr bei besonders vielen Menschen zu allergischen Reaktionen der Haut führt. Die giftigen Brennhaare der Raupen können aber auch sprichwörtlich ins Auge gehen. Am Universitätsklinikum Münster mussten diese Woche sechs Menschen am Auge operiert werden. Dr. Lamis Baydoun, Oberärztin der UKM-Augenklinik, berichtet, was vorgefallen ist.