. Ausbruch in Amerika

Zikavirus: Keine Impfung, keine Behandlung

Infektionen mit dem Zikavirus haben in Südamerika wahrscheinlich zu zahlreichen missgebildeten Kindern geführt. Der einzige Schutz ist die Vermeidung von Mückenstichen, sagt das Robert Koch-Institut. Eine Impfung oder spezifische Therapie gibt es nicht.
Die Aedes-Mücke überträgt das Zikavirus auf Menschen. Schwangere sollten die betroffenen Länder derzeit meiden, raten Tropenmediziner

Die Aedes-Mücke überträgt das Zikavirus auf Menschen. Schwangere sollten die betroffenen Länder derzeit meiden, raten Tropenmediziner

Erst Südamerika, jetzt die USA: Das Zikavirus scheint sich auf dem amerikanischen Kontinent auszubreiten. Die Viren werden durch Aedes-Stechmücken auf den Menschen übertragen. Allein in Brasilien wurden knapp 4.000 Fälle von Mikrozephalie registriert, das heißt Neugeborene kommen mit einem zu kleinen Kopf oder anderen Hirnschädigungen auf die Welt. Ein Zusammenhang mit einer Zikavirus-Infektion Schwangerer gilt als wahrscheinlich, wurde jedoch bislang nur in einem Bruchteil der Fälle bestätigt. 49 Kinder sollen in Brasilien bereits gestorben sein.

Die USA warnen nun Schwangere vor Reisen in die betroffen Länder ab, nachdem zwölf US-Amerikaner mit Zikavirus-Infektionen in ihre Heimat zurückgekehrt waren. Drei der zwölf Fälle wurden in Florida registriert. Unklar ist, ob Schwangere darunter sind. In Süd- und Mittelamerika sind mittlerweile 20 Länder von dem Virus-Ausbruch betroffen. Seit Oktober treten aber auch vermehrt Fälle in der Karibik, in Ländern im Südpazifik und auf den Kapverdischen Inseln auf.

Schwangere sollten nicht in die betroffenen Länder reisen

„Die Wahrscheinlichkeit, dass sich Reisende während eines Aufenthalts in den entsprechenden Ländern infizieren, ist gegeben“, teilte das Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin am Montag mit. In den vergangenen Monaten sei auch in Europa von vereinzelten importierten Fällen berichtet worden. Eine weitergehende Übertragung innerhalb Deutschlands und der EU hält die Behörde allerdings insbesondere während der Wintermonate für „sehr unwahrscheinlich.“

Derzeit gibt es weder eine spezifische Therapie noch eine Impfung gegen Zikavirus-Infektionen. Die einzige Maßnahme, die Menschen ergreifen können, ist, sich gegen Mückenstiche zu schützen, sagt das RKI. Die Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin rät Schwangeren unterdessen von einer Reise in die betroffenen Länder ab. Beruhigend  für EU-Bürger dürfte der Hinweis sein, dass eine Mensch-zu-Mensch Übertragung unmöglich ist und die Aedes-Mücken in Europa nicht vorkommt. Infektionen werden also allenfalls aus anderen Ländern mitgebracht.

 

Symptome einer Zikavirus-Infektion

Eine Zikavirus-Infektion macht sich durch leichtes Fieber, Hautausschlag, Kopf-, Gelenk- und Muskelschmerzen sowie durch eine nichteitrige Bindehautentzündung bemerkbar. Die Symptome treten meist drei bis sieben Tage nach dem Stich einer infizierten Mücke auf und halten bis zu einer Woche an. Dengue- oder Chikungunyavirus-Infektionen machen ähnliche Symptome. Laut Robert Koch-Institut verläuft ein großer Anteil der Zikavirus-Infektionen wahrscheinlich unbemerkt. Vereinzelt könne es jedoch zu Komplikationen kommen. Dazu zählt das Guillain-Barré-Syndrom (GBS) – eine Erkrankung der Nervenbahnen, die unter anderem Lähmungen und Gefühlsstörungen nach sich zieht.

Tragisch wird es, wenn sich Schwangere mit dem Zikavirus infizieren. Neugeborene können dann eine Mikrozephalie erleiden. Die Erkrankung äußert sich durch einen zu kleinen Kopf, meist in Verbindung mit einer geistigen Behinderung. Zudem kann es zu anderen Schädel-/Hirn-Fehlbildungen bei den Kindern kommen.

Ausbruch begann schon im Mai

Der erste Ausbruch von Zikavirus-Infektionen wurde 2007 auf dem Yap-Inseln (Mikronesien) registriert. 2013 breitete sich das Virus in Französisch-Polynesien aus, ein Zehntel der Bevölkerung war betroffen. Der augenblickliche Ausbruch soll schon im Mai 2015 in Brasilien begonnen haben.

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Hauptkategorien: Berlin , Medizin
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