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04.08.2020

Zielgerichtetes Krebsmedikament verbessert Überleben bei Akuter Leukämie

Eine akute myeloische Leukämie (AML) mit FLT3-ITD Mutation verläuft besonders aggressiv. Trotz Chemotherapie und Stammzelltransplantation erleidet jeder zweite Patient einen Rückfall. Hoffnung macht nun das Krebsmedikament Sorafenib. Es erhöht die Überlebenschancen erheblich.
Studie: Sorafenib kann Patienten mit einer besonders aggressiven akuten myeloischen Leukämie das Leben retten

Studie: Sorafenib kann Patienten mit einer besonders aggressiven akuten myeloischen Leukämie das Leben retten

Die akute myeloische Leukämie (AML) ist die häufigste akut verlaufende Leukämieform in Deutschland. Besonders aggressiv verläuft die Blutkrebserkrankung, wenn eine Mutation im FLT3-Gen vorliegt. Die sogenannten FLT3-ITD Mutation findet sich bei jedem vierten AML-Patienten. Trotz Chemotherapie und Stammzelltransplantation erleidet jeder zweite dieser Patienten einen Rückfall, der meist nicht mehr therapierbar ist.

Jetzt zeigt eine Studie der Universität Marburg: Durch den Einsatz des Krebsmedikaments Sorafenib lassen sich viele Rückfälle vermeiden. Bei den behandelten Patienten sank das Rückfall- und Sterberisiko um 75 Prozent.

Rückfall- und Sterberisiko sinkt um 75 Prozent.

Sorafenib ist eine Substanz, die eigentlich für die Therapie von Nieren- und Leberzellkarzinomen zugelassen ist. Die guten Ergebnisse der der Placebo-kontrollierten SORMAIN-Studie könnten das Mittel jedoch zu einer Standardtherapie bei dieser speziellen AML-Form machen, meint Studienleiter Prof. Dr. Andreas Burchert.

„Wir konnten in der Placebo-kontrollierten SORMAIN-Studie zeigen, dass AML-Patienten mit FLT3-ITD Mutation bei Einnahme von Sorafenib ein um etwa 75 Prozent geringeres Risiko hatten, nach der Stammzellentransplantation einen Rückfall zu erleiden und an der AML zu sterben“, sagt Burchert.

 

Erhöhte Überlebenschancen

An der Studie nahmen 83 erwachsene Patienten aus Deutschland und Österreich  teil, 33 davon wurden am Marburger Carreras Leukämie Centrum (CLC) am Universitätsklinikum Marburg behandelt.

Einschlusskriterien waren das Vorliegen einer FLT3-ITD-positiven AML-Erkrankung, die sich nach einer allogenen Stammzelltransplantation gut zurückgebildet haben musste und die nicht länger als 100 Tage zurückliegen durfte. Nach der Transplantation bekamen die Patienten über 24 Monate eine Erhaltungstherapie mit Sorafenib oder einem Placebo. Anschließend wurden die Studienteilnehmer im Schnitt weitere drei Jahre nachbeobachtet. „Nach diesem langen Studienverlauf können wir ganz klar sagen, dass Sorafenib die Überlebenschancen von AML-Patienten mit FLT3-ITD Mutation deutlich steigert“, betont Burchert.

Die lebensrettende Wirkung des Proteinkinaseinhibitors könnte nach Meinung des Experten auf einer besonderen Aktivierung des transplantierten Immunsystems  beruhen. Arbeiten im Forschungslabor erbrachten entsprechende Hinweise. „Diese Daten sind sehr faszinierend, denn möglicherweise könnten somit auch AML-Patienten ohne FLT3-ITD Mutation von einer Sorafenib Erhaltungstherapie nach Stammzelltransplantation profitieren“, sagt Burchert.

In einer Folgestudie wollen die Marburger Forscher nun genau das untersuchen..

Originalpubkikation: Andreas Burchert et al.: Sorafenib Maintenance After Allogeneic Hematopoietic Stem Cell Transplantation for Acute Myeloid Leukemia With FLT3–Internal Tandem Duplication Mutation (SORMAIN), Journal of Clinical Oncology 2020

Foto: © Adobe Stock/tippapatt

Autor: ham
Hauptkategorie: Medizin
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