Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Zeitenwende für Demografie und Nachhaltigkeit – Für einen neuen Generationenvertrag

Donnerstag, 29. September 2022 – Autor:
Klima, Rente, Verschuldung: Zahlen die Jungen den Preis für Lasten, die die Älteren anhäufen? Das diskutierten Expertinnen und Experten zur Eröffnung des Kongresses Demografie & Nachhaltigkeit.
Wirtschaftsjournalistin Ursula Weidenfeld diskutierte mit auf dem Podium zur Eröffnung des Kongress Demografie & Nachhaltigkeit

– Foto: Gesundheitsstadt Berlin

"Demografie und Nachhaltigkeit gehören zusammen", betont zum Auftakt WISO-Geschäftsführerin Dr. Ingrid Völker. Alterung und Ressourcenverschwendung treffen nun auch noch auf aktuelle Krisen: Deutschand hat neue Schulden in Milliardenhöhe angehäuft für Corona, Bundeswehr, Klimaschutz, Hochwassergebiete und Entlastungspakete. "Zahlt die junge Generation den Preis?", fragt Dr. Völker.

Nachhaltigkeit des Rentensystems ist gefährdet

Zum Auftakt definiert Moderatorin Prof. Beate Jochimsen von der HWR Berlin den Begriff Nachhaltigkeit. "Das bedeutet, dass man seine Lebensbedürfnisse befriedigt, ohne künftigen Generationen die Lebensgrundlage zu entziehen." Doch wie soll das funktionieren? Die Jüngeren sind schon rein zahlenmäßig unterlegen. In den nächsten zehn Jahren nimmt die Zahl der 20- bis 66-jährigen, die der Erwerbstätigen, massiv ab, die Zahl der über 67-jährigen deutlich zu. 

Die Journalistin und Buchautorin Madeleine Hofmann sieht daher den Generationenvertrag bei der gesetzlichen Rente in Gefahr. 

 

Junge Leute arbeiten oft anders

Tragen junge Erwachsene durch ihren Wunsch nach mehr Work-Life-Balance und neuen Arbeitszeitmodellen (Teilzeit, Sabbatical) nicht auch selbst zur zunehmenden Ebbe in der Rentenkasse bei, fragt Prof. Wolfgang Schroeder vom Wissenschaftszentrum Berlin vermutet. "Nein", verteidigte Weidenfeld die Jüngeren. "Die wollen Teilzeit, weil beide (Eltern) arbeiten". Noch nie seien in Deutschland so viele Arbeitsstunden geleistet worden wie heute.

Mit den unzureichenden Maßnahmen gegen den Klimawandel tut sich eine grundsätzliche Bürde für die nachfolgende Generation auf. Das hat ihr das Bundesverfassungsgericht bescheinigt, das in einem Urteil von 2021 die mangelhaften CO2-Senkungs-Pläne der Regierung rügte. Das Energiesparen liegt aber auch in der Verantwortung des Einzelnen. "Die Bereitschaft auf Verzicht ist nicht sehr stark ausgeprägt", konstatiert Ursula Weidenfeld. 

Schulden für den Konsum "falsch und unsolidarisch"

Wenn die Regierung jetzt weitere Schulden mache, um den Gaspreis künstlich zu drücken, werde die Nachfrage steigen und nicht wie gewünscht sinken, so Ursula Weidenfeld. Schulden aufzunehmen, um "Konsum zu fördern" sei "falsch und unsolidarisch". 

Doch wie sollen die Jungen auf politische Entscheidungen Einfluss nehmen? Junge Lebenswelten kämen in der Politik nicht vor, kritisiert Hofmann. Nur 6 Prozent der Bundestagsabgeordneten seien unter 30. Es sei schwierig, sich da hochzukämpfen. Das wollte Ursula Weidenfeld so nicht stehen lassen. Noch nie habe die Bundesrepublik so ein junges Parlament gehabt und noch nie seien die Chancen für junge Leute im Erwerbsleben so gut gewesen. 

Wahlrecht unter 18 und mehr Junge in Gremien

Dass sich Politiker vornehmlich an den älteren Wählern orientieren, hat für Prof. Schroeder einen einfachen Grund: Derzeit sind 15 Prozent der Wahlberechtigten unter 30 Jahre, mehr als 40 Prozent aber über 60 Jahre. Hofmann plädiert daher für ein Kinderwahlrecht, so könnten Jugendliche ab 14 Jahren wählen. Prof. Jochimsen wiederum schlägt vor, in Kommissionen und Gremien feste Plätze für junge Menschen freizuhalten.

Hauptkategorie: Demografischer Wandel
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Demografischer Wandel , Klimawandel
 

Weitere Nachrichten zum Thema Demografischer Wandel

 

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
Normalerweise beginnt die Grippesaison nach dem Jahreswechsel. Weil das Immunsystem bei vielen dank der Hygienemaßnahmen aus der Corona-Pandemie auch bei Grippe aus der Übung ist, erwarten Experten die Winter-Welle diesmal früher, schneller und heftiger.

Kochsalz macht Lebensmittel herzhaft – und ist als Natriumchlorid der wichtigste Mineralstoff im Körper. Doch wir brauchen sehr viel weniger davon, als wir denken. Ab einer Tiefkühlpizza müssten wir den Salzkonsum für den Rest des Tages einstellen.

Die Nase ist dicht, man kriegt schwer Luft, es drückt und schmerzt: Wer eine Erkältung oder Grippe hat, hat oft auch eine Nasennebenhöhlen-Entzündung. Was kann man tun, um diese normalerweise harmlose, aber unangenehme Atemwegserkrankung zu behandeln?
 
Interviews
Affenpocken verlaufen in der Regel harmlos. Doch nicht immer. Dr. Hartmut Stocker, Chefarzt der Klinik für Infektiologie am St. Joseph Krankenhaus in Berlin Tempelhof, über die häufigsten Komplikationen, die Schutzwirkung der Impfung und den Nutzen von Kondomen.

Zöliakie kann in jedem Lebensalter auftreten und ein buntes Bild an Beschwerden machen. Bislang ist das wirksamste Gegenmittel eine glutenfreie Ernährung. Gesundheitsstadt Berlin hat mit PD Dr. Michael Schumann über die Auslöser und Folgen der Autoimmunerkrankung gesprochen. Der Gastroenterologe von der Charité hat an der aktuellen S2K-Leitinie „Zöliakie“ mitgewirkt und weiß, wodurch sich die Zöliakie von anderen Glutenunverträglichkeiten unterscheidet.

Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin