Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
12.08.2020

Zehn Tipps gegen Badeunfälle

Mindestens 192 Menschen sind in den ersten sieben Monaten dieses Jahres beim Baden in deutschen Gewässern ertrunken. Angesichts der Hitzewelle rechnet die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) mit einem Anstieg der Fälle und gibt Tipps, damit aus dem Badespaß kein Ernst wird. An Flüssen, Seen und am Meer lauern ganz unterschiedliche Gefahren.
Rettungsschwimmerin in roter Sommerkleidung beobachten Badende am Strand mit Fernglas.

Trotz Wellen, Wind und Brandung: Die wenigsten Badetoten gibt es am Meer - weil dort die Strände viel stärker überwacht sind als an den Flüssen und Seen im Binnenland.

Nur vier Personen starben beim Baden im Schwimmbad, zehn in der Nord- und Ostsee, aber 178 beim Baden in Binnengewässern – die Bilanz der tödlichen Badeunfälle in den ersten sieben Monaten dieses Jahres. Die Zahlen zeigen: Die wildesten Gewässer sind zwar die objektiv gefährlichsten. Tödliche Badeunfälle passieren aber vor allem an Flüssen und Seen im Binnenland – mit ihren tausenden Kilometern unbewachter Badestellen. „Die Küsten von Borkum bis Usedom sind relativ sicher, weil dort von 9 bis 18 Uhr eine Aufsicht vorherrscht“, sagt DLRG-Sprecher Achim Wiese in der ARD-Tagesschau. „Die Binnengewässer, das sind 90 Prozent der Ertrinkungsfälle, sind oftmals unbewacht und das ist genau die Gefahrenquelle.“

Im Corona-Jahr 2020 sind viele Wasserrettungsstationen schwächer besetzt, weil die Unterkünfte wegen der Infektionsgefahr nicht voll belegt werden können. Einen befürchteten Anstieg von Todesfällen durch vollere Küstenabschnitte und Binnengewässer im Zusammenhang mit den Reisebeschränkungen im Zuge COVID-19-Pandemie kann die DLRG bisher aber nicht feststellen.

Steigende Zahl von Nichtschwimmern in Deutschland

Obwohl sie scheinbar kriechen, besitzen vor allem die großen Flüsse Strömungskräfte, die häufig unterschätzt werden – Flüsse wie Rhein, Donau, Elbe oder Weser. „Der Rhein hat zum Teil eine Fließgeschwindigkeit von 10 km/h“, sagt Wiese. „Wer in eine solche Strömung hineingerät, der hat erhebliche Probleme, dort wieder herauszukommen, selbst geübte Schwimmer haben diese Probleme." In stillen Seen, vor allem in Baggerseen, lauern ganz andere Gefahren. Das Wasser ist oft  lange flach, um dann abrupt in die Tiefe zu gehen. „Wer nicht schwimmen kann – und die Zahl der Nichtschwimmer nimmt in Deutschland rasant zu  –  hat dann ein großes Problem.“

 

Unterströmung am Meer: Zieht wie ein Staubsauger

Am Meer, bei auflandigem Wind, ist das Baden besonders aufregend wegen der vielen Wellen und der starken Brandung. Das Wasser schlägt ans Ufer und muss aber dann irgendwie zurück ins Meer. „Am Grund zieht es wieder raus, und zwar aufs offene Meer“, sagt DLRG-Sprecher Wiese. „Wer dort hineingerät, insbesondere Kinder, die sind von der Körperstatur, vom Gewicht her natürlich wesentlich leichter als Erwachsene, den zieht das wie ein Staubsauger aufs offene Meer.“ Das sei an der See die Gefahrenquelle Nummer eins, und an der Ostsee stärker als an der Nordsee.

Alkohol, Leichtsinn: 80 Prozent der Badetoten sind männlich

Weil erfahrungsgemäß um die 80 Prozent der Ertrinkungsunfälle Männern widerfahren, spricht DLGR-Sprecher Wiese vom Ertrinken „als einem männlichen Problem“. Vor allem bei Jugendlichen und Heranwachsenden sei häufig Alkohol im Spiel. Außerdem: Leichtsinn, das Überschätzen der eigenen Kräfte – und das Unterschätzen der lauernden Gefahren. „Männer spielen gerne mal den Helden, was leider allzu oft tragisch endet.“ Damit nichts passiert, rät der DLRG-Sprecher dazu, sich die Baderegeln bewusst zu machen und diese zu beachten. Als Grundregel gilt: Je intensiver die Wassernutzung oder je spezieller das Gewässer, desto höher das Risiko.

Zehn Tipps für mehr Sicherheit im Wasser

  • Am besten nur an bewachten Badestellen und nicht alleine baden.
  • Bei gehisster roter Flagge niemals baden.
  • Nicht an Stellen baden, wo Boote und Schiffe fahren.
  • Nur ins Wasser springen, wenn es frei und tief genug ist.
  • Nicht unter Alkoholeinfluss ins Wasser.
  • Kinder nie unbeaufsichtigt baden lassen (auch nicht an bewachten Badestellen; auch nicht, wenn sie Schwimmflügeln tragen).
  • Kinder können auch in stehtiefem Wasser, in der Badewanne oder im Planschbecken ertrinken. Garten-Pools, Teiche, Regentonnen durch Schutzgitter oder Ähnliches sichern.
  • Bei der Nutzung von aufgeblasenen Wasserspielzeugen (Luftmatratzen, Gummitiere) können auch Schwimmer leicht ins tiefe Wasser geraten oder auf offenen Gewässern abtreiben. Bei ablandigem Wind und Strömungen wird das Zurückpaddeln aus eigener Kraft fast unmöglich.
  • Bei der Verwendung von Luftmatratzen sollten regelmäßig Fixpunkte am Ufer gesucht werden, um ein Abtreiben zu verhindern.
  • Bei Gewitter ist baden lebensgefährlich. Verlasse das Wasser sofort und suche ein festes Gebäude auf.

 (Quelle: DLRG)

Foto: AdobeStocck/asdf

Autor: zdr
Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Kinder , Prävention , Sport
 

Weitere Nachrichten zum Thema Gesundheit im Wasser

Quallen, Muscheln, Seeigel: Am Strand und beim Baden im Meer hat man mit ungewohnten Lebewesen zu tun. Die sind nur selten gefährlich – trotzdem muss man sich zu helfen wissen, wenn man sich beim Urlaub am Meer im Kontakt mit Tieren oder anderen Objekten verletzt. Vieles verhält sich da anders als an Land.

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten

Im Gegensatz zur Bundespolitik ist offenbar eine klare Mehrheit von Apotheken-Mitarbeitern in Deutschland für eine Legalisierung von sogenanntem Genuss-Cannabis – unter der Bedingung einer streng kontrollierten Abgabe. Das ergibt sich aus einer Studie des Berliner Marktforschungsinstituts Aposcope.

 
Kliniken
Interviews
Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.


Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.
Logo Gesundheitsstadt Berlin