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„Zeckenkrankheit“ Neuroborreliose: So wird die Diagnose gesichert

Gegen die von Zecken übertragene Neuroborreliose gibt es keine Impfung. Rechtzeitig erkannt, kann die Krankheit mit Antibiotika behandelt werden. Die Diagnose erfolgt jedoch oft erst spät.
Zecken können eine Neuroborreliose übertragen. Die Symptome treten erste Wochen später auf, was die Diagnose oft stark verzögert

Zecken können eine Neuroborreliose übertragen. Die Symptome treten erste Wochen später auf, was die Diagnose oft stark verzögert

Zecken können zwei gefährliche Krankheiten übertragen: Eine Frühsommer-Meningoenzephalitis, gegen die es die FSME-Impfung gibt, und eine Neuroborreliose.

Gegen Neuroborreliose kann man sich nicht impfen lassen. Ein weiteres Problem: Die ersten Krankheitssymptome treten oft erst vier bis sechs Wochen nach dem Zeckenstich auf. Vor allem starke Schmerzen in der Nacht geben Hinweise, dass eine Neuroborreliose vorliegen könnte. Häufig ist auch der Gesichtsnerv betroffen. Dann kommt es zu einer einseitigen Gesichtslähmung, der sogenannten Fazialisparese. Manchmal treten auch Kopfschmerzen und Nackensteifigkeit auf. Beides deutet auf eine Hirnhautentzündung hin. Bei Kindern sind sie das häufigste Zeichen der frühen Neuroborreliose.

Symptome oft erst Wochen nach dem Zeckenstich

Ärzte sollten bei derartigen Symptomen immer an eine Neuroborreliose denken, auch wenn der Zeckenstich unbemerkt blieb oder vielleicht viele Wochen zurückliegt.

Üblicherweise wird bei Verdacht zunächst ein Antikörpertest durchgeführt. Allerdings ist der Nachweis von Antikörpern noch keine Gewissheit, dass eine akute Neuroborreliose vorliegt. Der Test fällt auch dann positiv aus, wenn die Infektion schon lange überstanden ist. In Deutschland hatten etwa fünf bis 20 Prozent der gesunden Bevölkerung schon einmal Kontakt mit dem Neuroborreliose-Erreger, einem Bakterium.

Als Grundlage für eine Therapieentscheidung sei ein positiver Antikörpertest deshalb nicht ausreichend, erklären die Neurologen PD Dr. Rick Dersch und Professor Dr. Sebastian Rauer. Ihre Empfehlungen zur Diagnostik einer Neuroborreliose haben die beiden Neurologen vom Universitätsklinikums Freiburg jetzt in der Fachzeitschrift „Neurologie up2date“ veröffentlicht.

Lumbalpunktion nach positivem Antikörpertest

Danach sollte bei einem positiven Antikörpertest eine Lumbalpunktion folgen, um die Diagnose abzusichern. Bei einer Lumbalpunktion wird mit einer dünnen Nadel Nervenwasser, der sogenannte Liquor, aus der Umgebung des Rückenmarks entnommen und im Labor untersucht. Der Nachweis von Erregern könnte die Diagnose Neuroborreliose sichern, schreiben die Mediziner. Das Verfahren sei jedoch unsicher.

Deshalb sollten sich Ärzte auf indirekte Hinweise wie einen Anstieg der Entzündungszellen und die Eiweißmenge im Liquor konzentrieren. Diese Parameter machten eine Erkrankung wahrscheinlich. In unklaren Fällen könnten die Ärzte das Protein CXCL13 im Liquor bestimmen lassen. „Es ist bei einer Neuroborreliose fast immer erhöht, berichten die Autoren. Ist dies nicht der Fall, liege meist eine andere Erkrankung vor.

Antibiotika für maximal drei Wochen

Nach einem positiven Liquor-Ergebnis sind den Autoren zufolge keine weiteren Tests erforderlich. Die Behandlung mit Antibiotika kann beginnen. Penicillin oder Cephalosporine als Infusion oder Doxycyclin als Tabletten erzielen laut Dersch und Rauer in der Regel eine gute Wirkung. „Bei einer Behandlung mit Doxycyclin ist es wichtig, die Patienten darüber zu informieren, dass der Verzehr von Milchprodukten, die gleichzeitige Einnahme von Magnesium oder Medikamenten zur Neutralisierung der Magensäure die Wirksamkeit des Antibiotikums einschränkt“, merken die Neurologen an. Im Frühstadium der Neuroborreliose reiche eine Behandlungsdauer von 14 Tagen.

Spätstadium und Langzeitfolgen

Schwieriger sei die Situation im Spätstadium, das heißt, wenn mehrere Monate seit dem Zeckenstich vergangen sind. Zu den Schmerzen können dann Nervenschäden hinzugekommen sein. Dies könne zu einer auffälligen („spastisch-ataktischen“) Gangstörung oder zu Problemen beim Wasserlassen führen. Auch ein Taubheitsgefühl auf der Haut gehöre zu den Spätschäden, die sich nach einer Antibiotika-Behandlung nicht immer zurückbildeten. Um die Bakterien sicher zu bekämpfen, werden Antibiotika über 14 bis 21 Tage gegeben, so die Mediziner.

Eine längere Antibiotika-Gabe ist aus Sicht der Experten in der Regel nicht sinnvoll. In vorliegenden Studien seien keine Hinweise auf ein Versagen der Medikamente gefunden worden.

Dauerten die Beschwerden an, könnte dies eine Folge der Gewebezerstörung durch die Bakterien sein. Die weitere Behandlung müsse dann symptomorientiert erfolgen.

Die rechtzeitige Diagnose und Behandlung ist also entscheidend, um Spätfolgen einer Neuroborreliose vorzubeugen.

Quelle: R. Dersch und S. Rauer: Neuroborreliose. Neurologie up2date 2020; 3 (3); S. 23–39

Foto: © Adobe Stock/Jürgen Flächle

Autor: ham
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