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Zecken: FSME-Virus wandert nach Norden

Das FSME-Virus wurde jetzt auch bei einer Zecken-Art gefunden, die wesentlich früher im Jahr und bis in den Winter hinein aktiv ist. Außerdem gibt es steigende Fallzahlen im Norden Deutschlands.
Zecke (Gemeiner Holzbock)

Das von Zecken übertragene FSME-Virus tritt jetzt auch im Norden Deutschlands auf

Das berichtet Parasitologin Prof. Ute Mackenstedt von der Universität Hohenheim. Bislang gehörten alle Überträger der FSME zur Gattung Ixodes - wie der Gemeine Holzbock, der im Gegensatz zu vielen anderen Zeckenarten auch Menschen befällt. Nun gilt auch die Auwaldzecke (Dermacentor reticulatus) als Überträger, die bei deutlich niedrigeren Temperaturen aktiv ist als der Gemeine Holzbock.

„An einem Mess-Standort nahe Leipzig wurden 2016 und 2017 mit FSME infizierte Auwaldzecken gefunden“, so Dr. Gerhard Dobler. Der Mediziner leitet das Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr und ist Leiter des Deutschen Konsiliarlabors für Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Deutlich häufiger befalle die Auwaldzecke Tiere. Es sie aber nicht ausgeschlossen, dass auch Menschen betroffen sein könnten.

Zecken: FSME-Virus wandert nach Norden

Knapp 350 Fälle von FSME registrierte das Robert-Koch-Institut 2016 -  ein Anstieg um mehr als 120 Erkrankungen im Vergleich zum Vorjahr. Und 2017 wurden bereits zwei FSME-Fälle erfasst. Das über den Zeckenbiss übertragene Virus löst eine gefährliche Hirnhautentzündung aus. Nach wie vor sind zwar vor allem Baden-Württemberg und Bayern von FSME-Infektionen betroffen. Dort traten 80 Prozent der erfassten Fälle auf.

Doch die FSME-Fälle werden immer häufiger weiter im Norden registriert. Das Virus kommt inzwischen auch gehäuft in Niedersachsen und nahe der holländischen Grenze vor, heißt es weiter in einer Mitteilung der Universität. Und auch 2017 hätten der überwiegend milde Winter und der warme Vorfrühling dafür gesorgt, dass die Zecken früh aktiv werden. „Seit den warmen Tagen Anfang März kommen die Tiere mit Macht“, so Prof. Mackenstedt.

 

Zecken werden auf weißen Stoffbahnen gesammelt

Trendprognosen für bestimmte Gebiete seien allerdings schwer zu treffen. Als Beispiel dafür nannte sie Beobachtungen aus einem Garten in Stuttgart, den das Landesgesundheitsamt seit über 20 Jahren auf FSME-infizierte Zecken überprüft. Nach zwei Jahren ohne infizierte Tiere wurden dort in diesem Jahr erstmals wieder Zecken gefunden, die das Virus in sich tragen. „Nur weil wir für ein paar Jahre keine infizierten Zecken in einem Gebiet finden konnten oder es keine Erkrankungsfälle gab, heißt das nicht, dass die FSME-Infektion an dieser Stelle erloschen ist.“  Sie kann jederzeit wieder auflammen.

Um das Zeckenvorkommen auf Grundstücken zu zählen, hat Prof. Dr. Mackenstedt mit ihrem Team in den vergangenen Jahren immer wieder Gärten im Großraum Stuttgart beflaggt. Dabei ziehen die Forscher weiße Stoffbahnen über Rasen und Büsche. Die Zecken wechseln auf diese Zeckenfahnen und werden anschließend abgesammelt und gezählt. Im Labor werden die Zecken getötet und auf FSME-Erreger getestet. 

FSME-Infektion durch Rohmilch

FSME-Infektionen nach dem Verzehr von Rohmilchprodukten kommen in Osteuropa regelmäßig vor. In Deutschland ist ein solcher Fall im Sommer 2016 erstmals aufgetreten, erklärte Prof.  Mackenstedt. Eine Familie nahm Ziegenkäse und unbehandelte, frische Ziegenmilch von einem Biohof im Kreis Reutlingen zu sich. Die Milch war mit dem FSME-Virus befallen, zwei Familienmitglieder erkrankten daran. Sie wurden stationär behandelt, haben sich jedoch wieder erholt.

Wissenschaftler arbeiten nun daran, den gesamten Übertragungsweg bei den Krankheitsfällen nachzuvollziehen, sagt Prof. Mackenstedt. „Zum ersten Mal konnten wir bei diesem Fall die Überträger (Zecken), die Wirtstiere (Ziegen), befallene Lebensmittel wie Ziegenmilch und Rohmilchkäse und die erkrankten Personen untersuchen.“ Es ist aber davon auszugehen, dass bei Milchprodukten aus pasteurisierter Milch keine Ansteckungsgefahr besteht. Einen Schutz gegen das Virus bietet die FSME-Impfung. Gegen die ebenfalls von Zecken übertragene Borreliose gibt es keine Impfung.

Foto: greenpapillon/fotolia.com

Autor: bab
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