. Barmer Zahnreport

Zahnersatz: Privatkostenanteil steigt seit Jahren

Ob Kronen, Brücken oder Implantate: Beim Zahnersatz müssen Versicherte immer tiefer in die eigene Tasche greifen. Der Eigenanteil ist mittlerweile auf über 50 Prozent gestiegen. Das zeigt der neue BARMER GEK Zahnreport 2013.
Zahnersatz kann teuer werden: Kassen zahlen nur noch Festbeträge

Zahnersatz kann teuer werden: Kassen zahlen nur noch Festbeträge

Wer neuen Zahnersatz braucht, kann sich längst nicht mehr allein auf seine Krankenkasse verlassen. Mehr als die Hälfte der Kosten müssen Versicherte mittelweile selber tragen. Laut Barmer Zahnreport 2013 lagen die Durchschnittskosten für neuen Zahnersatz im Jahr 2009 bei 1.382 Euro pro Patient. Davon mussten Patienten 56 Prozent, nämlich durchschnittlich 776 Euro, privat aufwenden.

Studienautor Professor Dr. Thomas Schäfer vom Institut für Epidemiologie, Sozialmedizin und Gesundheitssystemforschung (ISEG) in Hannover geht davon aus, dass sich seit 2009 der Anteil der Privatkosten weiter erhöht hat. „Für die darauffolgenden Jahre ist aus Daten der Gesundheitsausgabenrechnung des Bundes belegt, dass diese Entwicklung weitergegangen ist. Insgesamt müssen wir von einem noch höheren Niveau der Eigenleistungen ausgehen.“ Überdies gebe es eine hohe Dunkelziffer von Fällen, bei denen der Zahnersatz komplett privat finanziert werde. „Die privaten Eigenleistungen werden daher in den von uns ausgewerteten Daten systematisch untererfasst.“

Komplett privat bezahltem Zahnersatz- hohe Dunkelziffer

Der stellvertretender Vorstandsvorsitzende der BARMER GEK Dr. Rolf-Ulrich Schlenker sieht durch den neuesten Zahnreport den schleichende Trend zu höheren Privatkosten bestätigt. „Nirgendwo sonst im Gesundheitswesen ist die Aufspaltung in eine solidarisch finanzierte Sockelversorgung und privat getragene Premiumbehandlung weiter fortgeschritten“, sagt Schlenker. Er sieht den Handlungsbedarf insbesondere bei den Zahnärzten: Über den Einsatz teurer Versorgungsalternativen werde der Privatkostenanteil in die Höhe getrieben und die Basis der Festzuschüsse weiter abgesenkt. „Wir müssen deshalb das Modell der Festzuschüsse reformieren, indem wir den Anstieg der über die private Gebührenordnung der Zahnärzte abgerechneten Leistungen bremsen.“

Zahnreport: Wer in Süddeutschland wohnt, zahlt mehr

Für die Analyse griffen die Versorgungsforscher vom ISEG auf Heil- und Kostenpläne der früheren Gmünder ErsatzKasse GEK aus den Jahren 2001 bis 2009 zurück. Dabei zeigte sich, dass der Eigenanteil von Bundesland zu Bundesland stark variiert. Sachsen-Anhalt und Brandenburg liegen 15 bzw. 12 Prozent unter Bundesdurchschnitt, Baden-Württemberg und Bayern hingegen 8,5 bzw. 6,4 Prozent darüber. „Neben der privaten Finanzkraft des Südens dürfte auch ein anderes Angebotsverhalten der Zahnärzte und das Vorsorgebewusstsein des Ostens eine Rolle spielen“, vermutet Barmer-Chef Schlenker.

Der Zahnreport nimmt auch die Zahl der Zahnarztbesuche zwecks Kontrolle oder Prophylaxe unter die Lupe. Junge Männer zwischen 20 und 24 Jahren sind demnach besonders Zahnarztscheu. Nur 54 Prozent gingen im Jahr 2011 zum Zahnarzt. Bei Frauen in derselben Altersgruppe waren es hingegen 67 Prozent.

Foto: Barmer GEK

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