. Angst vor Arztbesuchen

Zahnarzttermin – für viele ein Horrortrip

Betäubungsspritzen-Stiche, Schmerzen beim Bohren, Würgereiz: Zwei Drittel der Deutschen haben Angst davor, zum Zahnarzt zu gehen. Manche haben so sehr Angst, dass sie es gar tun – und sich am Ende die Zähne ruinieren. Dabei gibt es Wege, mit der Angst akzeptierend und konstruktiv umzugehen.
Frau beim Zahnarzt hält sich Mund zu, macht große Augen vor Angst

Angst vorm Zahnarzt: Ganz viele haben sie, bei 10 bis 20 Prozent der Bevölkerung ist sie so schlimm, dass die Zahnbehandlung zum Kraftakt wird - oder völlig vermieden.

„Er hat überhaupt nicht gebohrt“: Diesen Satz hört man immer wieder, wenn Patienten einen Zahnarztbesuch überstanden haben – sichtlich erleichtert. Männer sollen am meisten Angst vor der Betäubungsspritze haben. Diese Angst ist keine Überraschung: Denn Zahngesundheit und Gesamtbefinden hängen eng miteinander zusammen. Mit gepflegten Zähnen fühlt man sich wohler, mit schönen Zähnen lacht man lieber, man fühlt sich sicherer beim Kauen, wenn man sich auf die Festigkeit seiner Zähne oder seines Zahnersatzes verlassen kann. Umgekehrt belasten Zahnprobleme das Leben bei Tag und Nacht, zehren an den Nerven und am allgemeinen Wohlbefinden. Schmerzen sind langfristig ein Überlebensfaktor, denn sie sind das Alarmsystem des Körpers. Aber zum Zahnarzt gehen, um etwas reparieren zu lassen, hat für viele etwas, wovor sie sich scheuen. Dabei muss sich niemand für seine Angst schämen. Allein schon, dass bei der Zahnbehandlung „Fremde“ in die Intimzone Mund manuell eindringen, ist bei vielen Patienten von einer Abwehrreaktion begleitet. Auch die Angst vor der „handwerklichen“ Manipulation und den tatsächlich oder möglicherweise damit verbundenen Schmerzen ist weit verbreitet und verständlich.

Umfrage: Mehr als 60 Prozent haben Angst vorm Zahnarzt

Umfragen zufolge entwickeln zwischen 60 und 80 Prozent der Deutschen vor dem Zahnarztbesuch Angstgefühle. 20 Prozent gelten als „hochängstlich“, geschätzte 10 Prozent gehen nur im Notfall oder vermeiden den Zahnarztbesuch völlig, da sie unter „Zahnbehandlungsphobie“ leiden. Diese Phobie ist als eigene Diagnose im ICD 10-Katalog anerkannt, dem weltweltweit anerkannten Klassifikationssystem für medizinische Diagnosen der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Als Ursache für diese Phobie gelten unter anderem traumatische Erlebnisse in der Kindheit, die selbst im Erwachsenenalter noch als Erwartungsangst wieder auftauchen können. Zahnarztängste können im Vorfeld der Behandlung auftreten und während der Behandlung die zahnmedizinischen Prozeduren für Patient und Arzt erschweren.

 

Tipps für Patienten mit Zahnbehandlungsphobie

Bei etwa zehn Prozent aller Patienten ist die Angst vorm Zahnarzt so gravierend, dass sie sich trotz Behandlungsbedürftigkeit grundsätzlich nicht überwinden können, einen Zahnarzt aufzusuchen. Langfristige Folge: Die Zähne sind oft bis in den Kiefer hinein zerstört, das Zahnbett infiziert, Zahnausfall ist nicht ungewöhnlich.

Laut der Informationsbroschüre „Seele und Zähne“ der Zahnärztekammer Berlin gibt es Zahnärzte und Psychotherapeuten, die auf diese Patientengruppe spezialisiert sind und ihr helfen können. Sie wissen darum, dass es wichtig ist, den Patienten bei der Erhebung der Krankengeschichte („Anamnese“) gut zuzuhören und mit ihren Ängsten und Reaktionen während der Behandlung einfühlsam und akzeptierend umzugehen. Einerseits kann mit entsprechenden Gesprächen und langsamer Vorbereitung oder mit zahnärztlicher Hypnose die Angst vor der Behandlung gemildert werden. In Fachpraxen werden Patienten nach einem wissenschaftlichen Therapieplan behandelt. Hierzu gehören Beruhigungsmittel, eine Anästhesie beziehungsweise bei entsprechender Befähigung/Ausbildung auch hypnotische Verfahren, ebenso ein spezielles Anti-Angst-Training zur Behandlung der Phobie. Bei spezialisierten Praxen ist davon auszugehen, dass sie schon bei der Praxiseinrichtung Wert auf eine entsprechende, angstmindernde Atmosphäre legen.

Eine zweite Behandlungsschiene kann die tieferliegenden, seelischen Ursachen aufarbeiten und beim Psychotherapeuten beginnen: in einer Art „Vorbehandlung“, deren Ziel es ist, der Angst auf den Grund zu gehen und den Umgang damit zu erlernen. Angst ist manchmal nichts anderes als eine längst überwundene Erfahrung, die im Gedächtnis nicht gelöscht ist. Das kann mit Hilfe einer psychotherapeutischen Behandlung nachgeholt werden.

Behandlungshindernis Würgereiz

Manchen Menschen ist schon der Speichelsauger im Mund so unangenehm, dass sie würgen müssen, und Abdrucknahmen zum Beispiel für Zahnersatz oder Zahnschutz-Schienen ohne Erbrechen kaum möglich sind. Das Problem: Die zahnärztliche Behandlung wird wegen des Würgereizes mehrfach unterbrochen oder muss manchmal sogar ganz abgebrochen werden.

Manchmal hilft es, vor der Behandlung mit Nasenspray die Nasenatmung zu erleichtern. In anderen Fällen hilft das Drücken eines Akupressur-Punktes. Sehr hilfreich ist zahnärztliche Hypnose oder auch Entspannungstraining. Manchmal ist eine kurzzeitige Vorbereitung in der Zahnarztpraxis, zusammen mit einem Psychotherapeuten, hilfreich.

Hilfsangebote bei Angst vorm Zahnarzt:

Fachübergreifende Patientenberatungsstelle „Seele und Zähne“ in Berlin:
Zahnärztehaus Berlin-Halensee. Terminvereinbarungen: 03 /89 00 4-00

Zahnarztpraxen mit besonderer psychosomatischer Kompetenz
sind auf der Website der Zahnärztekammer Berlin zu finden: www.zaek-berlin.de, Stichwort ‚Zahnarztsuche’, im Feld „Detailsuche/alle Tätigkeitsschwerpunkte“ den Begriff „Psychosomatik“ anklicken.


Foto: Fotolia.de/Nestor

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Hauptkategorie: Medizin
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