. Neue Antibiotika und Krebstherapien

Zahlreiche neue Medikamente vor dem Start

Der Verband der forschenden Pharma-Unternehmen vfa hat in Berlin angekündigt: bis Ende 2017 werden mehr als 110 Krankheiten mit neuen Medikamenten besser zu behandeln sein. Kritik an der Regierung gab es für den Zwangsrabatt.

Ein Drittel der neuen Therapien bis Ende 2017 für schwer therapierbare Krebsarten

Die forschenden Pharmaunternehmen in Deutschland haben derzeit 324 Projekte im Zulassungsverfahren oder in der späten Phase der klinischen Erprobung, die neue Therapien zur Heilung oder Linderung von 110 Krankheiten versprechen. Besonders Krebspatienten würden davon profitieren, ein Drittel der neuen Therapien würden bis Ende 2017 für bislang schwer therapierbare Krebsarten entwickelt, so der vfa. Zudem sollen binnen vier Jahren neue Arzneien gegen Krankheiten wie Multiple Sklerose, Rheuma, Hepatitis C und Herz-Kreislauferkrankungen für die Patientenversorgung auf dem Markt sein.

Dr. Hagen Pfundner, Vorstandsvorsitzender des Verbands der forschenden Pharma-Unternehmen, verwies auf die Erfolgsgeschichte der Hepatitis C-Therapie: Eine  Dreifachkombination mit Interferon, die seit Herbst 2011 verfügbar ist, bringe eine Heilungsrate von 75% beim Genotyp 1. Bis 2017 lassen Studien mit neuartigen Inhibitorenkombinationen eine Heilungsrate von über 90% erwarten – und das bei einer Krankheit, die vor 30 Jahren als unheilbar galt. 

Zwei neue Antibiotika 2013

Noch in diesem Jahr könnte der wachsenden Gefahr durch multiresistente Keime auf Intensivstationen begegnet und ein weiteres Antibiotikum gegen MRSA sowie eines gegen den Darmkeim Clostridum difficile zugelassen werden.In der Erprobung sind ferner ein Breitbandantibiotikum gegen gramnegative Bakterien, zwei gegen Clostridium difficile, vier Tuberkulose-Arzneien und zwei Antibiotika zum Inhalieren.

Problematisch sei die Entwicklung resistenzbrechender Antibiotika für die Unternehmen, weil ein solches neues Antibiotikum als Reservemedikament nicht breit eingesetzt werden kann und soll. Damit sei der Zusatznutzen bei der Zulassung schwer nachweisbar und das Medikament müsse auf einem kleinen Markt hohe Forschungskosten kompensieren. 

Zwangsrabatt ein Auslaufmodell?

Kritik übte der vfa-Vorsitzende an der Bundesregierung, weil die Koalition ihre Ankündigung nicht wahr gemacht habe, Forschungsausgaben auf die Steuer anzurechnen. Im Visier der Pharmaindustrie ist zudem der Zwangsrabatt von 16%, der seit 2010 gilt um die sozialen Sicherungssysteme zu entlasten. Diesen Zwangsrabatt, der die Unternehmen bisher 8 Milliarden Euro gekostet habe, nannte Pfundner eine „Sondersteuer auf Innovation“.

Zum Jahresende soll der Zwangsrabatt von 16 auf sechs Prozent abgesenkt, das Preismoratorium aufgehoben werden. Der unparteiische Vorsitzende des GBA, Josef Hecken, hatte jedoch eine Verlängerung dieser Instrumente in die Diskussion gebracht.

Pfundner betonte, die vfa-Unternehmen geben jedes Jahr 11 Milliarden Euro für Forschung, Produktionsanlagen und Steuern aus, erwirtschaften aber nur 7 Milliarden Euro mit patentgeschützten Arzneien. Während der deutsche Markt stagniere, produziere die Pharmaindustrie in Deutschland immer mehr für den Export und stehe dabei in einem harten internationalen Standortwettbewerb.

Dennoch steht Deutschland mit mehr als 700 neu begonnenen klinischen Studien in Europa auf Platz Eins, weltweit auf Platz Zwei nach den USA. 12% der neuen Wirkstoffe weltweit kommen aus deutschen Laboren: Schwerpunkte sind Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Schmerzen und neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer. 

Foto: © vfa / Martin Joppen

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Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin

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