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13.04.2015

Zahl der psychischen Erkrankungen steigt wieder deutlich an

Menschen, die in Callcentern oder in der Altenpflege arbeiten, fehlen häufiger wegen psychischer Belastungen, in körperlich intensiven Industriezweigen wie zum Beispiel der Abfallentsorgung fallen Beschäftigte häufiger wegen Muskel-Skelett-Erkrankungen aus. Das zeigt der aktuelle WIdO-Fehlzeitenreport.

Krankschreibungen - mit am höchsten ist der Krankenstand der Pflege!

"Diese Ergebnisse machen deutlich, welchen spezifischen Krankheitsrisiken die Beschäftigten mit ihren jeweiligen beruflichen Situationen ausgesetzt sind. Präventionsangebote sollten somit immer auf die jeweilige Berufsgruppe bezogen werden, um erfolgreich sein zu können", so der stellvertretende Geschäftsführer des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO), Helmut Schröder.

Besonders betroffen sind Mitarbeiter in der Ver- und Entsorgung – und in der Altenpflege

Laut aktuellem Fehlzeitenreport weisen Berufsgruppen aus den Bereichen Ver- und Entsorgung die höchsten AU-Zeiten aus: Mit 30,8 Fehltagen führen sie die Tabelle an. Auch in der Metallverarbeitung sowie im Verkehr und Transport fehlen die Beschäftigten öfter wegen einer Erkrankung. Hohe Ausfallzeiten kennzeichnen auch die Berufe in der industriellen Gießerei, Straßen- und Tunnelwärter, Bus- und Straßenbahnfahrer sowie Altenpflege. Dagegen lagen die durchschnittlichen Fehltage in den Berufen in der Hochschullehre und -forschung bei lediglich 3,9 Fehltagen. Auch Ärzte, Berufe in der Softwareentwicklung sowie in der technischen Forschung und Entwicklung weisen deutlich unterdurchschnittliche krankheitsbedingte Fehlzeiten auf.

 

In Callcentern scheint psychischer Druck extrem groß

Die Gründe für die Höhe der Fehlzeiten liegen laut WIdO vor allem in den berufsspezifischen Anforderungsprofilen. In Berufen der Ver- und Entsorgung und in der industriellen Gießerei mit körperlich anspruchsvollen Tätigkeiten treten vor allem Muskel-Skelett-Erkrankungen auf, wogegen in den dienstleistungsorientierten Berufen eher psychische Erkrankungen eine Krankschreibung nach sich ziehen: „Auffällig sind hier insbesondere die Berufe im Dialogmarketing, zu denen Beschäftigte im Callcenter gehören, bei denen 19 Prozent der Arbeitsunfähigkeitstage auf psychische Erkrankungen zurückgehen. Auch Berufe in der Altenpflege sind hohen psychischen Belastungen ausgesetzt, was sich in hohen Fehlständen von 16 Prozent der Arbeitsunfähigkeitstage äußert“, schreibt das Wissenschaftliche Institut in einer Pressemitteilung.

Zahl der psychischen Erkrankungen insgesamt deutlich angestiegen

Insgesamt sei die Zahl der psychischen Erkrankungen im Durchschnitt wieder deutlich angestiegen. Nach einer Stagnation im Jahr 2013 legten sie laut WIdO entsprechend dem langjährigen Trend vor 2013 mit 9,7 Prozent wieder deutlich zu. Sie führen außerdem zu langen Ausfallzeiten. Mit 25,2 Tagen je Fall dauerten sie mehr als doppelt so lange wie der Durchschnitt mit 11,9 Tagen je Fall im Jahr 2014.

Insgesamt ist der Krankenstand bei den elf Millionen AOK-versicherten Arbeitnehmern im Jahr 2014 im Vergleich zum Vorjahr mit einem leichten Anstieg von 0,1 Prozentpunkt fast gleich geblieben und liegt nun bei 5,2 Prozent (Abbildung 5). Damit hat jeder Beschäftigte im Durchschnitt 18,9 Tage aufgrund einer ärztlichen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung im Betrieb gefehlt.

Analysen des WIdO zeigen, dass die Fehltage außerdem in Abhängigkeit vom Ausbildungsabschluss variieren. „Bildung scheint ein wesentlicher Einflussfaktor für die Gesundheit zu sein. Besser gebildete Beschäftigte verhalten sich in der Regel gesundheitsbewusster. Zudem werden ihnen größere Handlungsspielräume und Gestaltungsmöglichkeiten bei ihrer beruflichen Tätigkeit eingeräumt. Verschiedenen Studien zufolge besteht hier einen Zusammenhang mit dem Gesundheitszustand“, wird WIdO-Experte Schröder zitiert.

Die hohen berufsspezifischen Belastungen der Arbeitnehmer machten deutlich, dass zielgruppenspezifische Gesundheitsförderungsprogramme erforderlich sind. Diesen werde sich der Fehlzeiten-Report 2015 im September dieses Jahres widmen und Möglichkeiten für zielgruppenspezifische Präventionsmaßnahmen in den Betrieben vorstellen.

Foto: Fotolia - Wylezich

Autor: Cornelia Wanke
 

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