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28.11.2019

Zahl der nicht lieferbaren Arzneimittel hat sich im letzten Jahr verdoppelt

Lieferengpässe bei Arzneimitteln haben neue Dimensionen erreicht: Allein im ersten Halbjahr 2019 waren 7,2 Millionen Packungen nicht lieferbar. Auch wichtige Krebsmedikamente sind immer wieder ausverkauft.
Arzneimittelengpässe sind eine potenzielle Bedrohung für Kranke.

Restposten? Arzneimittelengpässe sind eine potenzielle Bedrohung für Kranke.

Die Problematik der Lieferengpässe von Arzneimitteln hat sich in den letzten Jahren deutlich verschärft. Von den etwa 450 Millionen Rabattarzneimitteln in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) waren 2017 rund 4,7 Millionen nicht lieferbar. 2018 waren es mit 9,3 Millionen schon doppelt so viele. Damit war jedes 50. rabattfähige Arzneimittel betroffen. Dieser Trend hält mit 7,2 Millionen Packungen allein im ersten Halbjahr 2019 an.

Die Zahlen stammen von der Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker (AMK) und wurden am Dienstag auf einer Pressekonferenz der DGHO in Berlin bekanntgegeben. Die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie beschäftigt sich intensiv mit dem Thema, da auch wichtige Krebsmittel immer wieder ausverkauft sind.

Onkologen sprechen von inakzeptablen Zuständen

"Wir stellen fest, dass die Anzahl der Lieferengpässe von Arzneimitteln in den vergangenen Jahren leider zugenommen hat. Das ist völlig inakzeptabel", betonte der Kölner Onkologe und DGHO-Vorsitzende Prof. Michael Hallek. Dass sich Lieferengpässe nicht automatisch zu Versorgungsengpässen entwickelt hätten, sei nur einer gemeinsamen Kraftanstrengung verschiedener Akteure zu verdanken.

2016 hatte das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) einen Jour Fixe eingerichtet, damit besondere Problemlagen rasch identifiziert und mögliche Lösungswege für die Versorgungssicherheit angestoßen werden. Pharmafirmen und medizinischen Fachgesellschaften sitzen hier mit am Tisch. Durch die Zusammenarbeit konnte zum Beispiel die Versorgungssicherheit von Krebspatienten sichergestellt werden, als das Krebsmedikament Etopophos nicht mehr lieferbar war.

Daran sieht man zwar, dass nicht jeder Lieferengpass gleich zu einer Versorgungslücke führt, da oft auf Alternativen ausgewichen werden kann. Doch insgesamt ist nach Auskunft der Experten die Verunsicherung bei Patienten, Ärzten und Apothekern hoch.

 

Apotheken klagen über Mehrarbeit und Ärgernisse

Für die Apotheken bedeuten die Lieferengpässe vor allem viel Mehrarbeit: „60 Prozent der Apotheken wenden mindestens 10 Prozent ihrer Arbeitszeit dafür auf, Lieferengpässe zu managen. Neun von zehn Apothekenleitern sagen, dass Lieferengpässe das größte Ärgernis in ihrem Arbeitsalltag sind“, berichtete Prof. Martin Schulz, Vorsitzender der Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker, Berlin.

Nicht immer stehe ein Arzneimittel eines anderen Herstellers mit dem identischen Wirkstoff als vollwertige Alternative zur Verfügung. Dann müsse beispielsweise Rücksprache mit dem verschreibenden Arzt zwecks einer Alternativverordnung gehalten werden, oder die Versorgung des Patienten werde durch Anfertigung eines Rezepturarzneimittels sichergestellt.

Meldepflicht für Pharmaunternehmen gefordert

Schulz forderte, endlich eine gesetzliche Meldepflicht für pharmazeutische Unternehmen einzuführen, wenn es Probleme in der Lieferkette gibt. Bislang erfolgt das auf freiwilliger Basis.

Mit dem jüngst verabschiedeten Gesetz für mehr Sicherheit in der Arzneimittelversorgung (GSAV) hat der Gesetzgeber zwar verschiedene Maßnahmen verankert. Doch eine verbindliche Meldepflicht ist nicht dabei. Selbst Michael Hennrich (CDU), Mitglied im Bundestag und Obmann im Ausschuss für Gesundheit, vermisst in dem Gesetz noch eine Transparenz über das Liefer- und Marktgeschehen auf dem Arzneimittelmarkt.

Foto: pixabay

Autor: ham
Hauptkategorien: Berlin , Gesundheitspolitik , Medizin
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