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22.06.2020

Wunden, die zu schnell heilen, heilen schlecht

Wie Wunden heilen, haben Züricher Forscher mit einem neuen Messverfahren im Detail untersucht. Ergebnis: Wunden, die zu schnell heilen, heilen schlecht.
Narben, wulstige Narben,

Wenn der Wundheilungsprozess über das Ziel hinausschießt, bilden sich wulstige Narben

Wie Wunden heilen, haben Forscher der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) in Zürich jetzt mit einem neuen Messverfahren im Detail untersucht. Wie sie in der Fachzeitschrift Nature Communications berichten, haben sie die Mechanismen genauer aufgeschlüsselt, die den Prozess der Wundheilung und der Narbenbildung steuern. Die Arbeit wurde durch das von der Hochschulmedizin Zürich gestartete ​Projekt Skintegrity ermöglicht.

So bilden sich hypertrophe Narben

Wenn die Konzentration bestimmter Wachstumsfaktoren zu stark ansteigt und der Heilungsprozess über das Ziel hinausschießt, bilden sich wulstige (hypertrophe) Narben, und sogar die umliegende Haut verliert einen Teil ihrer Elastizität. Das schließen die Forschungsgruppen von Prof. Sabine Werner am Institut für Molekulare Gesundheitswissenschaften und Prof. Edoardo Mazza am Institut für Mechanische Systeme aus ihren gemeinsamen Untersuchungen.

Im Fokus der aktuellen Arbeit steht ein Signalmolekül: Activin. Gibt es mehr Activin in der Wunde, entwickeln sich mehr Bindegewebszellen, und auch die Zusammensetzung der so genannten extrazellulären Matrix verändert sich. In diesem Gerüst, das von den Zellen produziert wird und sie umschließt, sammelt sich bei erhöhten Activin-Konzentrationen mehr Kollagen an.

 

Wunden, die zu schnell heilen, heilen schlecht

Die Kollagenfasern sind untereinander auch stärker vernetzt. So heilt die Wunde zwar rascher, aber das verletzte Gewebe versteift und verhärtet sich. Wunden, die zu schnell heilen, heilen schlecht.

Mit dem von den Forschern entwickelten Verfahren konnten sie die biomechanischen Eigenschaften eines heilenden Gewebes erstmals in vivo messen. Künftig ließe sich damit der Heilungsverlauf einer Wunde frühzeitig diagnostizieren - und vielleicht sogar beeinflussen, meint Werner in einer Pressemitteilung.

Bei Verletzungen im Gesicht Heilungsprozess verlangsamen

Je nach Art und Ort der Verletzung sähe die Beeinflussung verschieden aus. Wenn eine Wunde einen chronischen Verlauf zu nehmen drohe, wäre ein Eingriff denkbar, der Activin oder von Activin beeinflusste Matrixproteine anreichere und so den Heilungsprozess beschleunige, sagt Werner.

Bei Verletzungen im Gesicht wäre eher eine Methode gefragt, die den Heilungsprozess verlangsame und dafür die Narbenbildung verringere. Noch sind solche Anwendungen allerdings Zukunftsmusik.

Foto: Adobe Stock/Sinhyu

Autor: bab
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