Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Würdevolles Sterben im Krankenhaus oft nicht möglich

Sonntag, 12. Oktober 2014 – Autor:
Das Sterben in deutschen Krankenhäusern geht häufig nicht würdevoll vor sich. Das ist die Meinung vieler Ärzte und Pfleger, wie eine aktuelle Umfrage jetzt ergab. Experten fordern eine bessere Ausstattung und entsprechende Trainingsmaßnahmen für das Personal.
Sterben in Würde

Der Wunsch nach einem würdevollen Tod geht nicht immer in Erfüllung. – Foto: sudok1 - Fotolia

Auf die Frage, wo Menschen sterben wollen, werden die meisten „zu Hause“ antworten. Doch mehr als die Hälfte der Schwerkranken stirbt im Krankenhaus. Da stimmt es besonders nachdenklich, dass über 50 Prozent der Ärzte und Pfleger ein würdevolles Sterben in deutschen Krankenhäusern nicht für möglich halten. Das ist zumindest das Ergebnis einer Umfrage, die Forscher vom Universitätsklinikum Freiburg an zehn baden-württembergischen Krebszentren durchgeführt haben. Die Ergebnisse wurden im Fachmagazin Cancer veröffentlicht.

Für die Analyse beantworteten über 1.100 Ärzte und Krankenpfleger Fragen unter anderem zur Ausstattung ihres Krankenhauses, zur Aus- und Weiterbildung der Angestellten, aber auch, ob Freunde und Familie in den Sterbeprozess einbezogen wurden, wie die medizinische Behandlung der Patienten aussah, und schließlich, ob sie den Tod des Betroffenen als würdevoll empfunden haben.

Würdevolles Sterben im Krankenhaus: Zu wenig Zeit für Sterbende

Zwar waren 57 Prozent der Befragten der Meinung, dass Patienten in ihrer Einrichtung würdevoll sterben können. Doch das bedeutet, dass immerhin 43 Prozent diese Ansicht nicht teilten. Etwa die Hälfte der Befragten gab an, selten genügend Zeit für sterbende Patienten zu haben, 55 Prozent hielten die Räumlichkeiten für Sterbende für unbefriedigend. Nur 19 Prozent der Befragten fühlten sich durch ihre Ausbildung gut auf den Umgang mit Patienten an ihrem Lebensende vorbereitet – Ärzte sogar noch weniger als Pfleger.

„Fortschritte in der modernen Medizin haben es möglich gemacht, den Zeitpunkt des Todes hinauszuzögern“, erklären die Studienautoren. Und gerade in Krankenhäusern werde der Tod gewöhnlich als etwas wahrgenommen, das es zu vermeiden gilt, Daher werden lebenserhaltende Maßnahmen oft bis zum Todeszeitpunkt eingesetzt – oft mit unerfreulichen Konsequenzen für sterbende Patienten. Dies ist nach Meinung der Forscher insbesondere bei Krebserkrankungen der Fall, die etwa ein Viertel aller Todesfälle bei Erwachsenen ausmachen.

 

Mehr Fortbildungen in der Palliativmedizin gefordert

Anders sieht es offenbar auf speziellen Palliativstationen aus. Hier berichten Mitarbeiter insgesamt über vorteilhaftere Bedingungen für Menschen an ihrem Lebensende. So waren 95 Prozent bei der Umfrage der Ansicht, dass ein würdevolles Dahinscheiden in ihrer Einrichtung möglich sei.

Beim übrigen Krankenhauspersonal wünschten sich fast alle Teilnehmer der Umfrage mehr Fortbildungen im Bereich der Palliativmedizin. Auch die Studienautoren fordern, das Personal mit besseren Mitteln auszustatten, um für sterbende Patienten adäquat sorgen zu können. Ärzte und Pflegepersonal sollten durch verbesserte Trainingsmaßnahmen auf die Bedürfnisse sterbender Menschen und deren Familien vorbereitet werden.

Foto: © sudok1 - Fotolia.com

 

Weitere Nachrichten zum Thema Krebs

 

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
Nach fast zwei Jahren Pandemie liegen die Nerven im Gesundheitswesen blank. Tausende Pflegekräfte haben in den vergangenen Monaten ihren Job verlassen. Wie kommen wir aus der Krise heraus und vor allem: Wie geht es danach weiter? Der 15. Nationale Qualitätskongresses Gesundheit versucht, Antworten zu finden.

Der Berliner Virologe Christian Drosten warnt davor, Corona-Schnelltests zu überschätzen. Bei Menschen, die trotz Impfung infiziert seien, könnten die Tests in der frühen Phase der Infektion negativ ausfallen und für trügerische Sicherheit sorgen, sagte Drosten in der Wochenzeitung „Die Zeit“. Trotz Mängeln sei ein regelmäßiger und breitflächiger Einsatz dieser Tests aber weiter sinnvoll.

 
Interviews
Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.

Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.

Logo Gesundheitsstadt Berlin