Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

World Health Summit 2016: Haben aus Ebola gelernt

Dienstag, 11. Oktober 2016 – Autor:
Seit Sonntag tagt der World Health Summit in Berlin. Der Kampf gegen Infektionskrankheiten wie Ebola und Zika ist eines der wichtigsten Themen.
Auf dem World Health Summit 2016 stehen unter anderem Ebola und Zika auf der Agenda

Auf dem World Health Summit 2016 stehen unter anderem Ebola und Zika auf der Agenda

Wurden Lehren aus dem Ebola-Ausbruch gezogen und wie geht es mit Zika weiter? Mit dieser Frage beschäftigten sich internationale Gesundheitsexperten am Sonntag auf dem World Health Summit in Berlin, darunter der Schweizer Nobelpreisträger Rolf Zinkernagel.

Der Ebola-Ausbruch ist nach Ansicht der Experten ein Weckruf an die internationale Staatengemeinschaft gewesen. Für die Zukunft habe man gelernt, dass es vor allem auf die Koordination der vielen internationalen Akteure ankomme und Schulungen der regionalen Kräfte unerlässlich seien. Insofern habe man durchaus Lehren aus der Ebola-Krise gezogen, meinte der Präsident des Pariser Pasteur Instituts Christian Bréchot. „Künftig kommt es darauf an, unser Wissen schneller auszutauschen, etwa zur Ansteckungswegen, epidemiologischer Verbreitung oder Grundlagenforschung“, sagte Bréchot.

Investieren in Gesundheit und Infrastruktur

Suresh Kumar, ehemalige Berater von Barack Obama in Gesundheitsfragen, sah das genauso. Seiner Ansicht geht die Infektionsbekämpfung aber weit über wissenschaftliche Kooperationen hinaus. „Gesundheit bedeutet nationale Sicherheit“, sagte er. Und die beginne in den ärmeren Ländern schon bei der Infrastruktur wie Straßen, Elektrizität und sauberem Wasser. Die größte Herausforderung ist seiner Ansicht nach die Finanzierung all dessen. Private-Public-Partnership-Modelle zwischen Unternehmen und Ländern sieht er als Teil der Lösung. Daneben sei der private Sektor gefordert, sich stärker auf kosteneffektive Innovationen zu fokussieren, etwa bei der Bereitstellung von Impfstoffen.

 

Plädoyer für Bildung und Aufklärung

Der Immunologe und Virusforscher Rolf Zinkernagel, der 1996 den Nobelpreis für Medizin bekam, meinte dagegen, aus Ebola habe man nichts gelernt. Seine Skepsis begründete er mit den immer wiederkehrenden Maserausbrüchen. Der Mensch sei nicht in der Lage, sein Wissen in die Praxis umzusetzen, sagte er bewusst zugespitzt. Der einzige Ausweg sei Bildung und Aufklärung. Mit Blick auf das Zika-Virus, das sich nach Südamerika nun auch in den USA verbreitet, sagte Zinkernagel: „Wir wissen wenig über Zika, aber wir kennen die Übertragungswege.“ Darum sei es doch recht einfach, sich vor einer Infektion zu schützen.

Ganz so einfach ist es nach Ansicht seiner Vorredner zwar nicht, doch Zika sei letztlich besser beherrschbar, weil mit den USA ein Land dazugekommen sei, dass über die nötige Epdemiologie und Infrastruktur verfüge, meinte Suresh Kumar. Außerdem sei das Virus mit dem Dengue-Fieber-Erreger verwandt, so dass die Chancen auf eine Impfung relativ groß seien, so der Experte.

Zum World Health Summit werden bis zum Dienstagabend mehr als 1.800 Vertreter aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft sowie Zivilgesellschaft erwartet, um über aktuelle Fragen der globalen Gesundheitsversorgung zu diskutieren.

Foto: World Health Summit 

Hauptkategorien: Berlin , Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Infektionskrankheiten , Ebola
 

Weitere Nachrichten zum Thema World Health Summit

01.11.2010

Auf dem zweiten World Health Summit im Oktober haben sich vier Tage lang mehr als 1.200 Menschen aus über 80 Nationen in Berlin versammelt. Gesundheitsstadt Berlin sprach mit dem Initiator und Präsidenten des Kongresses, Prof. Dr. Detlev Ganten, über die akuten globalen Gesundheitsthemen, die Ziele des Gipfels und die soziale Verantwortung der Wissenschaft.

 

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten

Für die empfindliche Gesichtshaut ist die kalte Jahreszeit eine Strapaze. Besonders gilt das für die Lippen. Sie können trocken und spröde werden, Risse bekommen – und sogar bluten. Was kann man tun, um das zu verhindern? Und wie lässt sich das behandeln?

 
Kliniken
Interviews
Affenpocken verlaufen in der Regel harmlos. Doch nicht immer. Dr. Hartmut Stocker, Chefarzt der Klinik für Infektiologie am St. Joseph Krankenhaus in Berlin Tempelhof, über die häufigsten Komplikationen, die Schutzwirkung der Impfung und den Nutzen von Kondomen.

Zöliakie kann in jedem Lebensalter auftreten und ein buntes Bild an Beschwerden machen. Bislang ist das wirksamste Gegenmittel eine glutenfreie Ernährung. Gesundheitsstadt Berlin hat mit PD Dr. Michael Schumann über die Auslöser und Folgen der Autoimmunerkrankung gesprochen. Der Gastroenterologe von der Charité hat an der aktuellen S2K-Leitinie „Zöliakie“ mitgewirkt und weiß, wodurch sich die Zöliakie von anderen Glutenunverträglichkeiten unterscheidet.

Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin