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Woran FSME zu erkennen ist

Mit einem Zeckenstich kann das FSME-Virus übertragen werden. Es führt bei 10 Prozent der Infizierten zu einer Frühsommer-Meningoenzephalitis, einer Erkrankung des zentralen Nervensystems. Woran diese zu erkennen ist.
Zecke, Zeckenbiss, Zeckenstich

Das durch Zecken übertragenen FSME-Virus kann das zentrale Nervensystem befallen

Mit einem Zeckenstich kann das FSME-Virus übertragen werden. Es führt bei 10 Prozent der Infizierten zu einer Frühsommer-Meningoenzephalitis, einer Erkrankung des zentralen Nervensystems. Woran diese zu erkennen ist, erläutert Dr. Gerhard Dobler vom Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr München in der Fachzeitschrift MMW - Fortschritte der Medizin.

Er gibt ein Update zu Übertragungswegen, Risikogebieten, klinischem Verlauf, Diagnostik, Prophylaxe und dem einzig sicheren Schutz, einer Impfung.

Erreger gelangen mit Zeckenspeichel in den Körper

Das FSME-Virus ist ein behülltes Virus mit einzelsträngiger RNA als Erbinformation, das an der Umwelt wenig widerstandsfähig ist. Es ist nahe verwandt mit dem Gelbfieber-, Japan-Enzephalitis-, West-Nil-Virus und den Dengue-Viren. Es wird in der Natur von Zecken auf Kleinnager und von dort wieder auf Zecken übertragen. Weder die Zecke noch die Kleinnager werden durch die Virusinfektion geschädigt, schreibt der Experte.

Die Infektion erfolgt durch einen Zeckenstich. Die Erreger infizieren die Speicheldrüsen der Zecken und werden mit dem Speichel mit Beginn des Zeckenstichs in die Wunde abgegeben. Eine weitere Infektionsquelle ist Milch. Insbesondere Ziegenmilch, seltener Schafs- oder Kuhmilch, enthält während der Phase des Virus im Blut der Tiere auch Virus in der Milch.

 

Infektion durch kontaminierte Milch

Während schätzungsweise 30 Prozent der infizierten Zeckenstiche zu einer Infektion führen, sind dies nach Aufnahme infizierter Milch fast 100 Prozent, heißt es in dem MMW-Artikel. Diese Form der Übertragung ist vor allem in einigen osteuropäischen Ländern (unter anderen Slowakien) häufiger. In Deutschland wurden in den letzten Jahren zwei Ausbrüche durch Ziegenmilch beschrieben.

In Europa wurde FSME insbesondere in Skandinavien, im Baltikum, in Osteuropa, in Mitteleuropa und Teilen Südeuropas registriert. Aktuell gelten als FSME-frei Spanien, Portugal, der Süden Italiens, Griechenland und die Türkei, Malta und Island. Kürzlich wurde das FSME-Virus erstmals in England und den Niederlanden nachgewiesen.

FSME-Fälle vor allem im Süden Deutschlands

In Deutschland wird die FSME hauptsächlich im Süden (Bayern, Baden-Württemberg, Teile Thüringens, Sachsens, Hessens) beobachtet. Einzelne  Fälle können jedoch in allen Bundesländern auftreten. Insgesamt variiert die Zahl der FSME-Fälle in Deutschland von Jahr zu Jahr. Es werden 300 bis 600 Erkrankungsfälle an das Robert-Koch-Institut gemeldet.

Bis zu 90 Prozent dieser Fälle treten in Bayern und Baden-Württemberg auf. Die Zahl der Erkrankungsfälle entlang der nördlichen Alpenketten steigt dabei in den letzten Jahren deutlich an, während die Fallzahlen in Nordbaden und Unterfranken abgesunken sind.

10 Prozent entwickeln ZNS-Symptome

Insgesamt scheinen rund 10 Prozent der Infizierten Symptome des Zentralen Nervensystems (ZNS) wie eine Meningitis oder Enzephalitis. Diese Zahlen stammen allerdings weitgehend aus den 1960er-Jahren und es ist unklar, ob sie heute noch zutreffen, da aktuelle Untersuchungen fehlen, führt Mikrobiologe Dobler in MMW aus.

Die Inkubationszeit der FSME beträgt üblicherweise 7 bis 4 Tage. Sie kann bei der Übertragung durch Milch jedoch deutlich kürzer sein und hier nur wenige Tage betragen.

Woran FSME zu erkennen ist

Woran FSME zu erkennen ist: Häufig kommt es bei der Erkrankung zu einem zweiphasigen Verlauf. In der ersten Phase finden sich unspezifische Grippe-ähnliche Symptome wie die Unwohlsein, Abgeschlagenheit, Muskelschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Halsschmerzen, Husten (Dauer meist 4 bis 7 Tage). Es folgt eine Phase der Symptomfreiheit (Dauer meist 3 bis 7 Tage). Danach beginnt die Phase der organspezifischen Manifestation. Dabei gibt es drei Verlaufsformen, die häufig in Übergangs- oder Mischformen auftreten.

Es treten auf Fieber, Kopfschmerz, Nackensteifigkeit, Meningitis-Zeichen, Übelkeit, Erbrechen. Dazu können kommen Störungen der Bewegungskoordination, Benommenheit, Koma, Epileptische Anfälle, Desorientiertheit. Desweiteren sind möglich Lähmungen von Armmuskel, Schultergürtel, Beinmuskel, Atemmuskulatur, autonome Dysfunktion, Bulbärsyndrom, Verwirrtheit, Erregtheit, Hyperkinesie, Lähmung der Gesichtsnerven.

Letalitätsrate liegt bei 1 -2 Prozent

Schwere Verlaufsformen werden im höheren Alter häufiger beobachtet. Allerdings können schwere auch - selten - im Kindesalter vorkommen. Die Letalitätsrate liegt bei etwa 1- 2 Prozent, wobei die Patienten meist nicht an den Akutfolgen der Infektion, sondern an den Folgeschäden (zum Beispiel Pneumonie bei Beatmung) versterben. Selten wird eine Gehirnkompression beobachtet, die bei sehr akutem Verlauf zum Tod führen kann.

Etwa 10 Prozent der Patienten weisen neurologische Restschäden auf. Weitere 30 bis 40 Prozent klagen über ein postenzephalitisches Syndrom. Dabei werden vor allem Verhaltensauffälligkeiten, psychische Labilität, Schwäche, eingeschränkte Belastungsfähigkeit, Schlafstörungen, Konzentrationsschwäche, Gleichgewichts- oder Koordinationsstörungen genannt.

Viele Falschdiagnosen bei Kindern

Die Diagnostik der FSME ist abhängig vom Erkrankungsstadium. In der Phase der Allgemeinsymptomatik kann der Erreger direkt im Blut der Patienten nachgewiesen werden. Allerdings wird die Infektion in diesem Stadium kaum je diagnostiziert, da die Patienten meist nicht zu einer diagnostischen Abklärung kommen oder der Arzt nicht an eine FSME denkt, schreibt Dobler in MMW.

In dieser Phase der uncharakteristischen Symptomatik scheint es viele Falschdiagnosen bei Kindern und möglicherweise auch bei Erwachsenen zu geben. In der asymptomatischen Zwischenphase verschwindet das Virus aus dem Blut und im Verlauf werden Antikörper gebildet. Die Diagnose ist bei ZNS-Symptomatik überwiegend nur durch den Nachweis spezifischer Antikörper im Blut und/oder im Liquor des Patienten möglich.

Es gibt keine Therapie der FSME

Bisher gibt es keine Therapie der FSME. Eine prinzipielle Vermeidung einer Infektion ist üblicherweise nicht praktikabel. Der durchschnittlich aktive Mensch in Mitteleuropa exponiert sich in unterschiedlichem Maße in der Natur und weist so ein mehr oder weniger hohes Kontaktrisiko mit Zecken und damit ein Infektionsrisiko auf.

Eine Expositions-Minimierung erfolgt durch Tragen langer Hosen. Die Hosenbeine sollen dabei in die Socken gesteckt werden, damit Zecken keine Möglichkeit haben, an die Haut zu gelangen. Wichtig ist das Absuchen auf Zecken nach einem Aufenthalt in der Natur. Insbesondere feuchte Körperstellen mit dünner Haut (Achselhöhlen, Kniekehlen, Leistenbereich, Nabel, Brustfalte bei Frauen) sind Prädestinationsstellen für Zeckenstiche. Bei Kindern finden sich Zeckenstiche auch häufig in der Kopfregion.

Berufsgruppen mit erhöhtem Expositionsrisiko sollen die Kleidung mit Insektiziden imprägnieren, um damit eine bessere Abwehr von Zecken zu erreichen. Nicht bedeckte Haut kann mit einem Repellent behandelt werden. Dies trägt ebenfalls zur Abwehr von Zecken bei. Das reduziert das Risiko von Zeckenstichen bedeutend, bietet allerdings keinen absoluten Schutz.

FSME-Impfung ist eine Indikations-Impfung

Den einzig sicheren Schutz vor einer FSME-Infektion bietet eine Impfung. Es gibt einen Impfstoff für Erwachsene und einen für Kinder. Beide Impfstoffe enthalten inaktivierte Viren des europäischen Subtyps. Das Nebenwirkungsprofil der FSME-Impfung entspricht dem eines jeden anderen modernen Impfstoffs. Lokale Nebenwirkungen können gelegentlich bis häufig auftreten, Komplikationen sind dagegen sehr selten.

Die FSME-Impfung ist in Deutschland eine Indikations-Impfung. Sie wird allen Personen empfohlen, die sich in Risiko-Landkreisen aufhalten und dort mit der Natur in direkten Kontakt kommen. Dabei ist es unerheblich, ob der Aufenthalt kurzfristig oder ständig stattfindet. Weiterhin gilt die FSME-Impfung als Reiseimpfung. Sie soll bei Reisen in bekanntermaßen endemische Gebiete mit Aufenthalt in der Natur erfolgen. Die Dauer des Aufenthalts ist für die Impfentscheidung unerheblich, betont Mikrobiologe Dobler. Gegen die von Zecken übertragene Lyme-Borreliose gibt es keine Impfung. Bei den Erregern (Borrelien) handelt es sich um Bakterien.

Foto: Adobe Stock/Ralf Geithe

Autor: bab
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