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29.08.2021

Woher kommt der „Montags-Blues“?

Die meisten Menschen kennen das mulmige Gefühl zu Beginn der neuen Arbeitswoche. Es bindet bei Erwerbstätigen erstaunlich viel Energie und zehrt oft das Erholungspolster vom Wochenende in Teilen wieder auf. Arbeitspsychologen der Universität Leipzig haben den Mechanismus des „Montags-Blues“ jetzt wissenschaftlich untersucht.
Kalender - rote Pin auf Montag gesteckt.

Endlich Freitag, dann das Wochenende, dann der Montags-Blues: Was sich am und um das Wochenende in uns abspielt, haben jetzt Arbeitspsychologen der Universität Leipzig untersucht.

Arbeitspsychologen der Universität Leipzig haben herausgefunden, dass Montage objektiv gar nicht so schlimm sind wie gefühlt – sondern dass der „Montags-Blues“ eher daher rührt, dass es am Sonntag schön war und beim Wiedereinstieg in den Arbeitsalltag der Kontrast zwischen Freizeit und Arbeit intensiv wahrgenommen wird. Auch eine vielfach schlechte Schlafqualität in der Nacht von Sonntag auf Montag spielt offenbar eine Rolle.

Tagebuchstudie zu Wohlbefinden, Schlafqualität und Erwartungen an den nächsten Tag

Im Rahmen einer Tagebuchstudie befragte das Forscherteam des Instituts für Psychologie der Universität Leipzig 87 Personen an zwei Wochenenden und in der dazwischen liegenden Arbeitswoche morgens, mittags und nachmittags zu ihrem momentanen Erleben von Vitalität und Erschöpfung. Außerdem wurden die Teilnehmenden morgens nach ihren Erholungserfahrungen am Vortag, nach ihrer Schlafqualität in der zurückliegenden Nacht, und an Arbeitstagen zu ihren Erwartungen an den bevorstehenden Arbeitstag befragt. Am Ende von Arbeitstagen wurde zudem erfasst, wie sehr sich Personen an diesem Tag bei der Arbeit angestrengt hatten.

 

Befinden am Montag: Real offenbar besser als gefühlt

Ein überraschendes Ergebnis: Entgegen der Empfindung des „Montagsblues“ fanden die Forscher heraus, dass das Wohlbefinden im Laufe von Montagen nicht geringer ist als dienstags, mittwochs oder donnerstags. Anders als erwartet, fanden sich auch keine Belege dafür, dass Erschöpfung im Verlauf einer Arbeitswoche ansteigt. Vitalität und Erschöpfung von erwerbstätigen Personen erleben demnach im Verlauf einer Arbeitswoche ein ständiges Auf und Ab.

Der „Thank-God-It‘s-Friday“-Effekt

„Insbesondere am Übergang zwischen Wochenende und Arbeitswoche zeigen sich starke Veränderungen“, erklärt Oliver Weigelt, Arbeitspsychologe am Institut für Psychologie an der Uni Leipzig und Leiter der Studie. Auch steige die Vitalität schon vor dem eigentlichen Beginn des Wochenendes im Sinne eines „Thank-God-It‘s-Friday“-Effekts an.

Besserer Schlaf am Wochenende wichtig für das Wohlbefinden

„Aus Perspektive der Erholungsforschung sollten wir uns am Ende eines Wochenendes besser fühlen als vorher, weil die arbeitsfreie Zeit Gelegenheit bietet, den persönlichen Akku wieder aufzuladen“, sagt der Psychologe weiter. Weigelt und sein Team fanden auch heraus, dass sich Probanden besser fühlten, wenn sie im Vergleich zur Arbeitswoche am Wochenende besser schlafen konnten.

Neuralgischer Punkt: Schlafqualität in der Nacht auf Montag

Umgekehrt zeigte sich bei ihnen ein Verlust im Wohlbefinden durch schlechtere Schlafqualität in der Nacht von Sonntag zu Montag. Auch werde beim Übergang vom Wochenende zurück zur Arbeitswoche mindestens einen Teil des am Wochenende aufgebauten Erholungspolsters dadurch aufgezehrt, dass Erwerbstätige zum Beispiel ihren Tagesrhythmus wieder umstellen müssten.

Was kann gegen den Montags-Blues helfen?

„Positive Erwartungen an den ersten Arbeitstag der Woche – also Vorfreude auf die bevorstehenden Aufgaben, helfen aber, möglichst viel von dem Schwung des Wochenendes mit in die neue Arbeitswoche zu nehmen und damit weniger Montagsblues zu erleben“, so die Leipziger Forscher.

Foto: AdobeStock/Schlierner

Autor: zdr
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