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Woher kommen Kopfschmerzen?

Sonntag, 23. Oktober 2022 – Autor:
Schmerzen sind normalerweise ein Alarmsignal für Verletzungen oder Erkrankungen. Die meisten Kopfschmerzen jedoch sind Schmerzen ohne organische Ursache. Trotzdem können sie Krankheitswert besitzen. Was sind die Auslöser?
Frau mit Kopfschmerzen - visualisiert als rote Kreise an den Schläfen.

Die meisten Kopfschmerzen sind Schmerzen ohne eine organische Ursache – Auslöser gibt es dafür aber jede Menge. – Foto: AdobeStock/blackday

Immer mehr Menschen leiden unter so starken Kopfschmerzen, dass sie deswegen krankgeschrieben werden. Laut dem Barmer-Gesundheitsreport ist allein in Berlin die Zahl der Arbeitsunfähigkeitsfälle wegen Kopfschmerzen in den vergangenen acht Jahren um gut 54 Prozent gestiegen. Woran kann das liegen?

Mehr als 200 Ursachen für Kopfschmerzen

Mehr als 200 Ursachen für Kopfschmerzen gibt es nach Zahlen der Deutschen Schmerzgesellschaft. Kopfschmerz kann also sehr viele Gesichter haben. Im Grundsatz unterscheidet die Medizin zwei Klassen von Kopfschmerzen: die primären und die sekundären. Bei primären Kopfschmerzen ist der Schmerz selbst – oder alleine – das Problem. Sie sind also eine eigenständige Erkrankung ohne organische Ursachen. Beispiele dafür sind Migräne und Spannungskopfschmerz. Davon zu unterscheiden sind die sogenannten sekundären Kopfschmerzen: Hier ist der Schmerz ein Alarmsignal der Körpers für eine Verletzung oder eine tieferliegende Grund-Erkrankung (Beispiele dafür: Kopfverletzungen, Tumore, Infektionen).

 

Viele Kopfschmerzen sind lästig, aber ungefährlich

„Primäre“ Kopfschmerzen gehören zu den häufigsten Beschwerden in der Bevölkerung. 90 Prozent der Betroffenen leiden unter diesem Typ von Kopfschmerzerkrankung. Um sie geht es in diesem Artikel. „Viele Kopfschmerzen sind lästig, aber ungefährlich und können bei gelegentlichem Auftreten gut mit frei verkäuflichen Schmerzmitteln behandelt werden“, heißt es bei der Schmerzgesellschaft, mit 3.400 Mitgliedern größte wissenschaftliche Fachgesellschaft zu diesem Thema in Europa. In der ärztlichen Praxis spielen als primäre Kopfschmerz-Erkrankungen vor allem der Spannungskopfschmerz und die Migräne eine Rolle. Eine kleinere Rolle spielen Kopfschmerzen, die paradoxerweise durch einen ungerechtfertigt langen Einsatz von Schmerzmitteln („Schmerzmittelübergebrauch“) entstehen können und eine Art Abhängigkeit darstellen.

Dies hier sind die häufigsten primären Kopfschmerz-Arten aus dem medizinischen Alltag:

Häufiger, aber handhabbar: Der Spannungskopfschmerz

Der Kopfschmerz vom Spannungstyp ist nach Erkenntnissen der Deutschen Schmerzgesellschaft der häufigste Kopfschmerz. Er betrifft meist den ganzen Kopf. Patienten beschreiben ihn als ringförmig, dumpf-drückend und meist von leichter bis mittelstarker Intensität. Von Begleitsymptomen wird kaum berichtet. Spannungskopfschmerzen nehmen bei körperlicher Aktivität nicht zu und bessern sich häufig an der frischen Luft. Gelegentliche Kopfschmerzen sprechen gut auf Schmerzmittel an. Vom chronischen Spannungskopfschmerz spricht man, wenn die Beschwerden über drei Monate an 15 oder mehr Tagen im Monat auftreten.

Die Ursache der Spannungskopfschmerzen ist bis heute nicht ganz geklärt. Die gängigste Vorstellung geht von einem Zusammenwirken von Stress und erhöhter Anspannung der Nackenmuskulatur aus, was bei häufigem Auftreten zu einer gesteigerten Empfindlichkeit der Schmerzzentren im Gehirn führt. Anhaltende psychosoziale Belastungen können ein Risikofaktor für eine Chronifizierung sein.

Seltener, aber heftiger: Die Migräne

An Migräne leiden in Deutschland leiden circa 10 bis 15  Prozent der Bevölkerung, heißt es bei der Schmerzgesellschaft. Migräne zeichnet sich durch wiederkehrende Kopfschmerzattacken aus, die oft einseitig lokalisiert sind. Der Schmerz wird insbesondere bei körperlicher Belastung meist stechend, pochend oder pulsierend wahrgenommen. Die Intensität ist in aller Regel so hoch, dass sie zu einer Alltagsbeeinträchtigung führt. Beim Erwachsenen halten Migräne-Attacken unbehandelt wenige Stunden bis maximal drei Tage an.

Migräne: Frauen sind besonders betroffen

Migräne kann bereits in der Kindheit auftreten. Vor der Pubertät sind beide Geschlechter etwa gleich häufig betroffen, nach der Pubertät leiden Frauen bis zu dreimal häufiger daran. Schwankungen des Hormonspiegels spielen laut Schmerzgesellschaft eine wesentliche Rolle bei der Auslösung von Migräne-Attacken. Viele Patienten kennen Auslöser für ihre Migräne-Attacken wie wenig Schlaf, das Auslassen von Mahlzeiten oder Stress beziehungsweise zu krasse Wechsel von An- zu Entspannung (sogenannte Stressabfall-Migräne). Hier kann durch Änderungen des persönlichen Lebensstils eine Reduktion der Migränehäufigkeit erreicht werden.

Auslöser von Kopfschmerzen – ein Überblick

Weil diese „primären“ Kopfschmerzen typischerweise kein Warnsignal des Körpers für irgendeinen Defekt oder eine Krankheit sind („Ursache“) , spricht man auch von „Auslösern“ dieser Beschwerden.

1. Individuelle Faktoren als Auslöser für Kopfschmerz

  • Ernährung (ausgelassene Mahlzeiten, ungenügendes Trinken, individuell unverträgliche Lebensmittel wie Schokolade, Alkohol, Aspartam, Glutamat)
  • hormonelle Faktoren (Anti-Baby-Pille, Hormon-Ersatztherapie)
  • Stress (vor allem länger anhaltender Stress)
  • Erschöpfung (Schlafmangel, nächtliche Atemstörung/Apnoe)
  • Mangel an Bewegung – oder zu viel davon (Verspannungen)
  • Bei Kindern kann psychosozialer Stress der Auslöser sein: familiäre Probleme, Umgang mit Kopfschmerzen, fehlende Entspannungsphasen, fehlende Freunde und Sozialkontakte, übermäßiger Fernsehkonsum und Computerspiele.

2. Umweltfaktoren als Auslöser für Kopfschmerz

Auch „schlechte“ Luft führt bei manchen Menschen zu Kopfschmerzen. Zu den Schadstoffen, die die Innenraumluft beeinträchtigen und Kopfschmerzen auslösen können, gehören:

  • Tabakrauch: Epidemiologisch wurde ein signifikanter Zusammenhang zwischen dem Passivrauchen im Innenraum und Kopfschmerzen schon in den 1990er-Jahren nachgewiesen.
  • Kohlenmonoxid ist ein Gas mit bekannten neurotoxischen Eigenschaften und entsteht bei unvollständiger Verbrennung fossiler Brennstoffe. Ab einer Konzentration von 10 bis 20 Prozent COHb (Carboxyhämoglobin) im Blut können zunächste milde Kopfschmerzen auftreten. In höherer Konzentration kann Kohlenmonoxid auch tödlich sein.
  • Kohlendioxid (CO2) wird vom Menschen ausgeatmet. In Räumen mit vielen Menschen steigt die Konzentration an CO2 relativ schnell an. In epidemiologischen Studien wurden signifikante Zusammenhänge zwischen den Symptomen Kopfschmerzen und Müdigkeit und der CO2-Konzentration in der Raumluft nachgewiesen.
  • Duftstoffe und Gerüche gehören zu den zehn in Umfragen meistgenannten Auslösern für Migräne. Am häufigsten wird Parfüm genannt, gefolgt von Gerüchen wie Zigarettenrauch, Reinigungsprodukten, Benzin oder Autoabgasen.
  • Flüchtige organische Verbindungen (VOC) gehören zu den wichtigsten Schadstoffen, die im Innenraum vorkommen können. Bekannte Vertreter sind die BTXS (Benzol, Toluol, Xylol und Styrol) und Terpene. VOC werden vielfältig in Produkten wie Farben und Lacken, Wachsen, Lösungs- und Reinigungsmitteln verwendet und gelangen so in die Innenraumluft. Da die Verbindungen teilweise die Nervenzellen schädigen können (neurotoxische Wirkungen), kommen sie als Auslöser für Kopfschmerzen mit in Betracht.

 (Quelle: Umweltbundesamt)

Hauptkategorie: Medizin
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