. Infektionskrankheiten

Wo Pilze wachsen – sind auch Zecken

Pilzesammler, aufgepasst! Wer jetzt in den Wald geht, sollte nicht nur an die Verwechslungsgefahr durch Giftpilze denken, sondern auch an die Zeckengefahr. Die schwarz-braunen Parasiten können Infektionskrankheiten mit Spätfolgen übertragen – vor allem die Borreliose.
Zeckenwarnschild im dunklen Mischwald (selbst gemalt)

Zecken sind Mini-Insekten. Aber die Krankheiten, die sie übertragen, können gravierende Spätfolgen nach sich ziehen. Mehr als 60.000 neue Borreliose-Fälle gibt es im Jahr.

Hochsaison fürs Pilze Sammeln. Wer Glück hat oder die richtigen Stellen im Wald kennt, erlebt goldrauschähnliche Gefühle. Wer Pech hat, fängt sich eine Zecke ein – oft auch gleich mehrere.  Der Grund dafür ist einfach: Pilze mögen Feuchtigkeit und Wärme. Dann sprießen sie aus sonnenbeschienenem, aber noch feuchtem Waldboden, wachsen im Unterholz und an Waldrändern im hohen Gras. Genau das sind die Stellen, an denen sich auch Zecken bevorzugt aufhalten  und besonders aktiv sind.

Es gilt als ein populärer Irrtum, dass Zecken bestimmte Menschen wegen ihres guten oder schlechten Körpergeruchs besonders interessant fänden und ihnen regelrecht auflauerten. Ob jemand von einer Zecke gestochen wird oder nicht, hängt allem voran von seinem eigenen Verhalten ab. „In der Regel ist es nicht die Zecke, die auf den Menschen zuläuft, sondern der Mensch, der sich die Zecken von der Vegetation abstreift“, heißt es beim Berliner Robert-Koch-Institut (RKI). Demzufolge erhöht häufiger Kontakt mit niedriger Vegetation die Wahrscheinlichkeit, eine Zecke mit nach Hause zu nehmen. Laut RKI trifft dies besonders auf  spielende Kinder zu und auf Erwachsene, die abseits von Wanderwegen im Dickicht und im Gebüsch unterwegs sind – Pilzesucher zum Beispiel.

Zecken: Überträger von 50 Krankheiten

Heimische Zeckenarten könnten bis zu 50 verschiedene Krankheitserreger übertragen, warnt der Münchner Pharmahersteller Hermes Arzneimittel GmbH. Die bekanntesten sind die Erreger der Frühsommer-Meningoenzephalitis (eine Form der Hirnhautentzündung, kurz FSME) sowie der Borreliose. Während FSME, wie der Name schon sagt, nur eine saisonale Gefahr darstellt und auch nur regional begrenzt in Risikogebieten vor allem im Südwesten Deutschlands auftritt, ist Borreliose das ganz Jahr und im gesamten Bundesgebiet von Relevanz. Infolge des Klimawandels nehmen durch Mücken und Zecken übertragene Krankheiten neuerdings zu.

 


So schützt man sich vor Zeckenstichen

Da eine Impfung nur gegen FSME, nicht aber gegen Borreliose möglich ist, rät die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) dazu, Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen, um die Gefahr für einen Zeckenstich von vornherein zu minimieren. Die Gesundheitsbehörde mit Sitz in Köln gibt folgende Tipps:

  • Bleiben Sie bei Spaziergängen möglichst auf festen Wegen und meiden Sie Unterholz, hohes Gras und Hautkontakt zu bodennahen Pflanzen.
  • Ziehen Sie sich und Ihrem Kind beim Aufenthalt in möglichen Zeckengebieten feste Schuhe an.
  • Achten Sie auf helle Kleidung, die den Körper weitestgehend bedeckt. Hierauf lassen sich die Zecken leichter auffinden.
  • Suchen Sie nach dem Aufenthalt in möglichen Zeckengebieten den Körper sorgfältig nach Zecken ab: Bevorzugte Saugstellen sind am Kopf, Haaransatz und am Hals sowie unter den Armen, zwischen den Beinen und in den Kniekehlen.
  • Anti-Zecken-Mittel zum Aufsprühen oder Auftragen sind in Drogeriemärkten und Apotheken frei erhältlich. Sie werden auf die Haut aufgetragen und können für einen kurzen Zeitraum von einigen Stunden einen gewissen Schutz bieten.

Borreliose: Mehr als 60.000 neue Fälle pro Jahr

Nach Auskunft des AOK-Bundesverbands ist jede dritte bis zwanzigste Zecke in Deutschland von Borrelien befallen. Von 100 gestochenen Personen infizieren sich einer bis sechs, zwischen 60.000 und 100.000 Personen erkranken im Jahr erkranken schließlich an Borreliose. Die Borreliose tritt damit deutlich häufiger auf als die FSME. Letztere ist eine meldepflichtige Krankheit; im Jahr 2018 wurden 583 Fälle offiziell registriert. Anders als bei FSME gibt es gegen Borreliose keine Impfung. Die Infektionskrankheit kann erfolgreich mit Antibiotika behandelt werden – vorausgesetzt, man entdeckt sie rechtzeitig. Unbehandelt kann eine Infektion Wochen bis Monate später zum Befall von Gelenken und Muskeln führen. Lähmungen der Gesichtsmuskeln und Schwellungen von Lymphknoten sind möglich, ebenso eine Entzündung des Herzens.

Symptome bei Borreliose: Wanderröte, Fieber, Gliederschmerzen

Als klar erkennbares Zeichen für eine Infektion mit Borreliose gilt die sogenannte Wanderröte. Dieses typische Symptom ist eine Rötung der Haut an der Stelle, in die die Zecke gestochen hat. Die Rötung kann als Fleck auftreten, als heller roter Ring oder als Doppelring. Sie weitet sich von der Einstichstelle nach außen aus – daher ihr Name. Die Inkubationszeit, also der Zeitraum zwischen Infektion und dem Auftreten der ersten Symptome, kann 5 bis 29 Tage betragen und damit von Patient zu Patient deutlich unterschiedlich ausfallen. Zusätzlich können Allgemeinsymptome wie Fieber, Kopfschmerzen und allgemeines Krankheitsgefühl mit Gliederschmerzen und Abgeschlagenheit auftreten.

Achtung: Krankheit tritt oft lange nach dem Zeckenkontakt auf

Das heimtückische am Symptom Wanderröte ist jedoch, dass sein Nicht-Auftreten kein Grund für verfrühte Sorglosigkeit ist. „Die meisten Menschen bemerken den Zeckenstich nicht, und eine Wanderröte als erstes sicheres Anzeichen einer Infektion ist nur bei circa 60 Prozent sichtbar“, heißt es beim „Borreliose- und FSME-Bund Deutschland“. Oft entwickelten sich Beschwerden wie Gelenkschmerzen, Lähmungen und Nackensteife erst nach Wochen und Monaten, wenn auch Ärzte nicht mehr an eine Borreliose dächten. „Jahrelange Fehldiagnosen und Falschbehandlung sind daher keine Seltenheit“, heißt es bei der Patientenorganisation weiter. „Wirklich sichere Labortest gibt es immer noch nicht. Ein positiver Test beweist keine Borreliose, ein negativer schließt sie nicht aus.“

Foto: Fotolia.com/Henry Czauderna

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