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Wo es bei der Digitalisierung der Kliniken stockt

Wie lässt sich die Digitalisierung in den Kliniken vorantreiben? Darüber diskutierten Experten auf dem Digitalforum Gesundheit von Gesundheitsstadt Berlin. Was bereits bis Ende Juni klappt: der digitale Impfausweis kommt.
Wo es bei der Digitalisierung der Kliniken noch stockt, darüber diskutierten Experten

Wie lässt sich die notwendige Digitalisierung der Kliniken vorantreiben? Darüber diskutierten Experten auf dem Digitalform Gesundheit "Wege zum Smart Hospital" von Gesundheitsstadt Berlin. Mehr Daten nutzen zu können bringe Forschung und Therapien voran und sei Vorraussetzung für gute Medizin, betonte Ulf Fink, Vorsitzender von Gesundheitsstadt e.V., auf der Eröffnungsveranstaltung. Wenigstens gehe es nun mit der elektronischen Patientenakte voran.

In einem Bereich scheint die Digitalisierung immerhin geglückt: Spätestens zum 30. Juni soll es den digitalen Impfausweis für Covid-19-Geimpfte geben. Das erklärte Dr. Gottfried Ludewig, Leiter der Abteilung Digitalisierung und Innovation im Bundesministerium für Gesundheit. Die Betroffenen erhalten ein Zertifikat mit einem QR-Code, der europaweit gültig ist. Sie können ihn in Papierform nutzen oder aufs Handy landen. Aber auch der gelbe Impfpass aus Papier hat weiterhin Gültigkeit.

Daten bündeln bringt mehr Erkenntnisse über Impfstoffe

Nicht zuletzt die Corona-Epidemie bot viele Anlässe, über eine verstärkte Digitalisierung nachzudenken. So startete vor einem Jahr das Nationale Forschungsnetzwerk der Universitätsmedizin (NUM). Das soll die Forschungsaktivitäten der Universitätskliniken zur Bewältigung der Corona-Pandemie bündeln und stärken. Darauf wies Prof. Sylvia Thun, Direktorin für eHealth und Interoperabilität am Berlin Institute of Health (BIH), hin.

Doch eine große Hürde stellt nach wie vor der Datenschutz dar: "Wissenschaftler brauchen Daten, sonst wandern sie ab, weil sie nicht adäquat forschen können", ist sie überzeugt. Bessere Aussagen über die Wirksamkeit der Corona-Impfstoffe ließen sich treffen, würden die Daten von Robert Koch-Institut und Paul-Ehrlich-Institut mit den Versichertendaten zusammengeführt, schlägt Martin Litsch, Vorstand-Vorsitzender des AOK-Bundesverbandes, vor. "Daten nicht schützen, sondern wirksam nutzen", fordert Litsch. So habe Israel die Versichertendaten verwendet, um Risikopatienten zu identifizieren und bei ihnen gezielt für eine Impfung zu werben.

 

Wo es bei der Digitalisierung der Kliniken stockt

Die Digitalisierung der Krankenhäuser fördert die Bundesregierung mit einem Gesetz. Sie gibt dafür 4,3 Milliarden Euro aus, hat aber ein Kontrollinstrument eingebaut: Der Digitalisierungsgrad der Kliniken wird gemessen, wer bis 2025 nicht das erforderliche Level erreicht hat, bekommt weniger Geld. "Richtig gut", findet das Prof. Jörg Debatin vom hih - health innovation hub in Berlin. Er fordert aber auch Unterstützung für die niedergelassenen Ärzte, denn deren Praxissoftware sei auf die neuen Erfordernisse nicht eingestellt.

Kernstück der Digital-Reform ist der Transfer der in den Kliniken gesammelten Daten in einer externen Cloud. Doch gerade hier sieht Thomas Lemke, Vorstands-Vorsitzender der Sana Kliniken, die größte Schwierigkeit: Es gebe 16 Datenschutzbeauftragt in 16 Bundesländern. Jeder lege die Datenschutzverordnung anders aus. Das sei "Steinzeit". Und ein Punkt, wo es bei der Digitalisierung der Kliniken stockt.

Klinik- und Praxisdaten in externer Cloud

Wie es auch gehen kann, skizziert Prof. Erwin Böttinger vom Hasso-Plattner-Institut für Digital Engineering in Potsdam. In den USA - etwa am Mount Sinai Hospital - werden die Daten aus Klinik und ambulanten Praxen zusammengeführt. In privaten Clouds, die für den Datenschutz im Gesundheitswesen zertifiziert sind. Das erfordere "massive Investitionen". Andererseits seien die Daten dort viel besser geschützt als auf dem "Server im Keller der Klinik".

Arbeits-Abläufe der Klinikärzte werden sich verändern

Die Digitalisierung wird aber auch die Arbeitsabläufe der Klinik-Ärzte stark verändern, dieses "Chance Management" sei eine große Herausforderung, sagt Sana-Vorstand Lemke. Wie das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein die Digitalisierung angeht, erläutert Rudolf Dück, Leiter der Stabsstelle Informationstechnologie.

Jeder Fachbereich konnte Veränderungsprojekte entwickeln, wobei ihnen ein IT-Experte zur Seite stand. Die besten Projekte erhielten den Zuschlag. Auf die Klinik komme nun ein "riesiger Organisations- und Veränderungsprozess" zu. Am Ende sollen stehen: bessere Outcomes, bessere Versorgung und eine Optimierung der Versorgungskosten. Die Moderation der Veranstaltung übernahm Gesundheitsstadt-Berlin-Geschäftsführer Dr. Franz Dormann.

Foto: Adobe Stock/PhotoPlus +

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