. Globale Studie

Wo die dicksten und dünnsten Menschen leben

China und USA haben eines gemeinsam: Dort leben die meisten Adipösen. Die weltweite Verteilung von dicken und dünnen Menschen lässt sich nun auf einer Landkarte ablesen. Deutschland liegt im Mittelmaß.
Eine von sieben Frauen und einer von neun Männern sind zu dick. Das zeigt die weltweit größte Studie zu Übergewicht (Obesity)

Eine von sieben Frauen und einer von neun Männern sind zu dick. Das zeigt die weltweit größte Studie zu Übergewicht (Obesity)

Übergewicht und vor allem extremes Übergewicht scheint die Epidemie des 21. Jahrhunderts zu sein. Das zeigt die größte globale Adipositas-Studie, die es je gegeben hat. Für die Studie wurden mehr als 20 Millionen Menschen aus nahezu allen Ländern der Welt vermessen und gewogen. Die Ergebnisse wurden nun im Fachmagazin „The Lancet“ publiziert.

Danach hat die Weltbevölkerung seit 1975 in jedem Jahrzehnt rund 1,5 Kg zugelegt (die dünnsten mit eingerechnet). Das bedeutet, dass sich die Zahl der übergewichtigen Männer seither verdreifacht und die der Frauen verdoppelt hat. Heute leben  640 Millionen Adipöse auf der Erde, davon 266 Millionen Männer und 375 Millionen Frauen. Das heißt, eine von sieben Frauen und einer von neun Männern sind zu dick. Damit gibt es weltweit so viele Adipöse wie nie zuvor.

Beunruhigende Daten

„Das sind beunruhigende Daten“, sagt Studienautor Professor Majid Ezzati vom Imperial College London, „insbesondere weil wir krankhaftes Übergewicht in einem bislang unbekannten Ausmaß beobachten.“ So haben inzwischen 2,3 Prozent der Männer und 5,3 Prozent der Frauen eine Body-Mass-Index (BMI) größer als 35 kg/m2, was als extremes Übergewicht gilt und mit überproportional hohen Risiken für Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs einhergeht. Zum Vergleich: Bei Normalgewichtigen liegt der BMI zwischen 19 und 25 kg/m2.

„Diese Epidemie ist viel zu groß, als dass man ihr mit Medikamenten wie Blutdrucksenkern oder Diabetesmittelen oder ein paar extra Sporteinheiten beikommen könnte“, sagt Ezzati. Koordinierte globale Initiativen seien nötig wie etwa höhere Preise auf Zucker und ungesunde Lebensmittel. „So lange gesundes Essen wie frisches Obst und Gemüse für viele Menschen unbezahlbar ist und wir die Preise für ungesunde Nahrungsmittel nicht drastisch erhöhen, werden wir keine Fortschritte sehen“, so Ezzati.

In den USA leben die meisten krankhaft Übergewichtigen

Die Studie ist deshalb so interessant, weil sie die weltweite Verteilung von Übergewicht aufzeigt. Demnach leben in den USA und China mehr Adiopöse als in irgendeinem anderen Land auf der Welt, wobei krankhaftes Übergewicht am häufigsten in den USA vorkommt. In den Industrienationen sind die meisten Dicken in englischsprachigen Ländern anzutreffen, also den USA, Australien und Südafrika, und die wenigsten in Japan. Länder wie Indien oder Bangladesch verzeichnen dagegen mit die meisten Untergewichtigen, mit etwa einem Viertel der Landesbevölkerung.

Für Europa lässt sich sagen, dass Deutschland im Mittelmaß befindet: Der  Durchschnitts-BMI der Frauen liegt hier bei 25,6 und der der Männer bei 27,1. Der europaweit niedrigste BMI wurde bei Frauen aus der Schweiz und Männern aus Bosnien gemessen.

Mehr Dicke als Dünne

Das Verhältnis zwischen Über- und Untergewichtigen hat sich der Studie nach in den letzten 40 Jahren zugunsten der Dicken verschoben. Während heute weltweit knapp 11 Prozent der Männer zu viel Speck auf den Hüften haben, leiden demgegenüber nur 9 Prozent an Untergewicht. Von den Frauen sind heute knapp 15 Prozent zu dick, während 10 Prozent als untergewichtig gelten. Damit gibt es erstmals mehr Übergewichtige als Untergewichtige auf der Welt. Dieser Rekord lässt sich nicht nur mit der Zunahme der Adipösen begründen, auch die Zahl der Untergewichtigen hat in den letzten vier Jahrzehnten um fünf Prozent abgenommen.

Ezzati zufolge gab es 1975 noch mehr als doppelt so viele Untergewichtige wie Übergewichtige. Es sei zwar erfreulich, dass das Untergewicht weltweit rückläufig sei, meint er. Doch die Zunahme der Übergewichtigen sei besorgniserregend und „an einem kritischen Punkt angelangt.“

Die Studie ist mit einer interaktiven Landkarte unterlegt und wurde vom „The Wellcome Trust“ und „Grand Challenges Canada“ finanziert. 

Autor: ham
Hauptkategorie: Gesundheitspolitik
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