. Diesel-Abgase

Wissenschaftler widersprechen Berliner Diesel-Untersuchungsausschuss

Laut dem Abschlussbericht des Untersuchungsausschusses des Deutschen Bundestages ist der Zusammenhang zwischen Diesel-Abgasen und Todesfällen nicht erwiesen. Wissenschaftler aus namhaften Forschungseinrichtungen widersprechen dem Bericht.
Der Diesel-Untersuchungsausschuss will keine tödlichen Gefahren von Diesel-Abgaben gefunden haben. Wissenschaftler halten das für absurd

Der Diesel-Untersuchungsausschuss will keine tödlichen Gefahren von Diesel-Abgaben gefunden haben. Wissenschaftler halten das für absurd

Der Abschlussbericht des 5. Untersuchungsausschusses zum Thema Dieselabgase des Deutschen Bundestages ist fertig und wurde am 30. Juni im Parlament vorgelegt. Laut Bericht ist ein kausaler Zusammenhang zwischen Diesel-Abgasen und Todesfällen nicht belegt. Im Fachjargon sprechen die Autoren von NO x Gasen. Das sind jene Stickoxide, die bei Verbrennungsprozessen von Diesel-Fahrzeugen entstehen. Darum heißt es in dem 700 Seiten dicken Abschlussbericht etwas wolkig: „Epidemiologisch ist ein Zusammenhang zwischen Todesfällen und bestimmten NO 2 -Expositionen im Sinne einer adäquaten Kausalität nicht erwiesen.“

Widerspruch aus der Wissenschaft

Nicht nur bei den Linken und Grünen, die der Regierung Versagen vorwerfen, stößt der Bericht auf Kritik. Auch Experten aus dem Bereich Luftverschmutzung und Gesundheit widersprechen den Schlussfolgerungen des Berliner Diesel-Untersuchungsausschusses.

Die gesundheitliche Belastung durch Dieselabgase sei wissenschaftlich belegt, schreiben drei Wissenschaftlerinnen der Universität Düsseldorf, dem Deutschen Forschungszentrum für Gesundheit am Helmholtz Zentrum München und der Universität Bielefeld in einer aktuellen Stellungnahme. Ihre Aussagen stützen Prof. Dr. Barbara Hoffmann (Uni Düsseldorf), Dr. Alexandra Schneider (Helmholtz-Zentrum München) und Prof. Claudia Hornberg (Universität Bielefeld) sowohl auf die vorliegende Literatur als auch auf Einschätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO), der europäischen Umweltagentur und der U.S. amerikanischen Umweltbehörde (U.S. EPA). Der Bericht habe eine ganze Reihe wichtiger, weltweiter Studien, ignoriert, so die drei Expertinnen. 

 Wasserdichte Belege

Ihre Kernaussage lautet indes: „ Der Einfluss von Stickstoffdioxid auf die menschliche Gesundheit, auch unabhängig von Feinstaub, ist durch zahlreiche epidemiologische Studien wissenschaftlich belegt. Epidemiologische Befunde belegen negative gesundheitliche Wirkungen von Stickstoffdioxid bereits bei Konzentrationen von 20 µg/m3 im Jahresmittel oder darunter. Stickoxide haben auch als Vorläufer von Feinstaub und Ozon gesundheitliche Relevanz.“

Toxikologische Studien zeigten, dass NO 2 zu entzündlichen Prozessen und Veränderungen von Lungenzellen führe und lieferten somit Erklärungen für die biologischen Effekte hinter dem Zusammenhang mit Atemwegserkrankungen, schreiben die Autorinnen weiter. Neuere epidemiologische Studien lieferten darüber hinaus immer mehr Belege für den Zusammenhang von Langzeitexposition gegenüber NO 2 mit Lungenerkrankungen und vorzeitiger Mortalität. Die Weltgesundheitsorganisation spreche in ihrer Übersichtsarbeit von 2013 und in ihrer Empfehlung an die EU-Luftreinhaltepolitik sowohl bei Kurzzeit- als auch Langzeiteffekten von NO 2 von ausreichenden Beweisen für eine Kausalität.

Foto: pixabay Freie kommerzielle Nutzung

Autor: ham
Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin
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