. Krebsforschung

Wissenschaftler setzen Multiples Myelom auf Diät

Das multiple Myelom ist bislang nicht heilbar. Wissenschaftler suchen daher nach neuen Angriffspunkten. Eine vielversprechende Zielstruktur könnte die Glutaminase sein, denn Myelomzellen ernähren sich von Glutamin.
Wissenschaftler setzen Multiples Myelom auf Diät

Würzburger Studie untersucht demnächst die Blockade der Glutaminase an Myelom Patienten

Das Multiple Myelom braucht permanent Glukose und Glutamin, um weiter wachsen zu können. In den Tumorzellen ist daher die Glutaminase, das zentrale Enzym des Glutamin-Stoffwechsels, häufig erhöht aktiv. Forscher um Dr. Madlen Effenberger von der Universitätsklinik Würzburg versuchen jetzt, die Glutaminase mit einem bestimmten Wirkstoff zu blockieren. In Experimenten mit Zellkulturen ist ihnen dies bereits gelungen. Ob dies auch im lebenden Organismus klappt und welche Nebenwirkungen dabei auftreten, wollen sie in den kommenden Jahren erforschen. „Wir glauben, dass eine Blockade der Glutaminase Myelomzellen stärker trifft als die gesunden Zellen“, sagt Effenberger, „weil sich der Energiestoffwechsel von Tumorzellen deutlich von dem der normalen Zellen unterscheidet.“ So kommt es in den Tumorzellen verstärkt zum so genannten „Warburg Effekt“ (Glukose wird statt in Energie in Milchsäure umgewandelt), was wiederum den Glutamin-Stoffwechsel ankurbelt.

Glutaminase lässt sich mit einem Wirkstoff blockieren

Erhöhte Glutaminase-Werte finden sich nach Angaben von Professor Ralf Bargou vor allem in Tumorzellen, in denen das Myc-Gen überaktiv ist. Myc wird auch als Krebsgen bezeichnet, weil es Krebszellen ungebremst wachsen lässt. „Bisherige Versuche, Myc als therapeutische Zielstruktur zu nutzen, haben leider nicht funktioniert. Deshalb zielt dieser Versuch darauf ab, weiter unten in der Kette anzugreifen“, sagt Bargou, Lehrstuhlinhaber für Translationale Onkologie und Leiter der Klinischen Forschergruppe „Multiples Myelom“ am Universitätsklinikum Würzburg.

Genau wie jede andere Krebsart beruhe auch das Multiple Myelom auf Störungen in einem komplexen Netzwerk und die Störungen könnten von Patient zu Patient sehr unterschiedlich sein, meint Bargou. „Deshalb ist es eigentlich primäres Ziel der Forschung, einen zentralen Schalter zu finden, mit dem sich das Netzwerk abschalten lässt.“ Die Erkenntnisse des aktuellen Forschungsprojekts, das von der Deutschen Krebshilfe gefördert wird, ließen sich somit auch auf andere Krebserkrankungen übertragen.

Multiples Myelom: MYC- Blockade hat nichts gebracht

Rund 3.400 Menschen erkranken jedes Jahr an einem Multiplen Myelom, etwa drei Viertel der Patienten sind älter als 60 Jahre. Auslöser sind geschädigte B-Plasmazellen – Zellen des Immunsystems –, die sich unkontrolliert im Knochenmark vermehren. Dort stören sie unter anderem die Bildung von roten Blutkörperchen und regen das Wachstum von Zellen an, die den Knochen abbauen. Symptome sind daher häufig Knochenschmerzen und im späteren Stadium auch Knochenbrüche ohne äußere Einwirkung. Zudem kann der Mangel an roten Blutkörperchen zu ständiger Müdigkeit führen.

Ärzte können das Fortschreiten der Erkrankung mit einer Kombination aus Chemo- und Stammzelltherapie in vielen Fällen bremsen. Heilbar ist das Multiple Myelom jedoch nicht.

Foto: © angellodeco - Fotolia.com

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