. Verhütungsmittel

Wirkstoff-Kombination der Pille beeinflusst Thrombose-Risiko

Eine bestimmte Wirkstoff-Kombination in der Pille erhöht das Risiko für eine Thrombose (Blutgerinnsel) stärker als Vergleichs-Rezepturen: Präparate, die Ethinylestradiol und Dienogest enthalten.
antibabypille, pille, verhütung, empfängnisverhütung, hormone

Die Antibabypille kann gesundheitliche Risiken bergen

Die Pille enthält künstliche Geschlechtshormone - entweder als Einzelwirkstoff oder als Wirkstoff-Kombination. Die Kombinations-Präparate bergen durchweg ein erhöhtes Risiko für die Bildung von Blutgerinnseln und damit für die Entwicklung einer tiefen Venenthrombose oder einer Lungenembolie.

Dabei sind Frauen, die ein ethinylestradiol- und dienogesthaltiges Präparat einnehmen eher gefährdet. Ihr Risiko ist um das 1,6-fache erhöht im Vergleich zu denjengen, die eine Pille mit Ethinylstradiol in Kombination mit Levonorgestrel, Norethisteron oder Norgestimat einnehmen.

Individuelle Risikofaktoren der Patientin bestimmen

Das ergab eine Meta-Analyse von vier Beobachtungsstudien, an denen insgesamt 228.122 Frauen teilnahmen. Dies meldet die Firma Jenapharm in Abstimmung mit der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) und dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM).

Bei der Verordnung einer ethinylestradiol- und diogenesthaltigen Antibabypille sollten daher die individuellen Risikofaktoren der Patientin für die Entwicklung eines Blutgerinnsels berücksichtigt werden, heißt es weiter in einer Mitteilung des BfArM.

 

Wann das Risiko für ein Blutgerinnsel am größten ist

Das Risiko für eine venöse Thromoembolie (Blutgerinnsel) ist am größten im ersten Jahr der Einnahme der Pille, auch wenn diese zwischendurch für vier oder mehr Wochen unterbrochen wurde. Es ist erhöht, wenn die Frau vor kurzem entbunden hat, wenn sie stark übergewichtig ist, wenn sie älter als 35 Jahre ist, wenn sie raucht oder wenn ein naher Angehörigen in relativ jungem Alter (unter 50 Jahre) einen Gefäßverschluss im Bein (Thrombose), in der Lunge (Lungenembolie) oder anderen Organen oder einen Schlaganfall oder Herzinfarkt erlitten hat.

Daran erkennt man die tiefe Beinvenenthrombose

Blutgerinnsel können schwerwiegend und in sehr seltenen Fällen tödlich sein. Umgehend ärztliche Hilfe sollte eine Frau suchen, wenn im Bein starke Schmerzen oder eine Schwellung auftreten, die begleitet sein können von Druckschmerz, Erwärmung oder Änderung der Hautfarbe wie aufkommender Blässe, Rot- oder Blaufärbung. Das könnten Anzeichen einer tiefen Beinvenenthrombose sein.

Lungenembolie als schwere Komplikation

Warnsignale für eine ernsthafte Erkrankung sind auch eine plötzliche, unerklärliche Atemlosigkeit, Atemnot oder schnelle Atmung, starke Schmerzen in der Brust, welche beim tiefem Einatmen zunehmen können und Husten ohne offensichtliche Ursache, bei dem Blut ausgehustet werden kann, heißt es weiter in einer Patienten-Information. Dies könnte auf eine schwere Komplikation der tiefen Beinvenenthrombose, eine Lungenembolie, hindeuten. Diese entsteht, wenn das Blutgerinnsel vom Bein in die Lunge wandert.

Auch an Herzanfall oder Schlaganfall denken

Brustschmerz (meist plötzlich auftretend) oder Unwohlsein, Druck, Schweregefühl und vom Oberkörper in Rücken, Kiefer, Hals und Arm ausstrahlende Beschwerden, zusammen mit Völlegefühl, Verdauungsstörungen oder Erstickungsgefühl, Schwitzen, Übelkeit, Erbrechen oder Schwindel können einen Herzanfall anzeigen.

Schwäche oder Taubheitsgefühl im Gesicht, an Arm oder Bein, die auf einer Körperseite besonders ausgeprägt sind, Sprach- oder Verständnisschwierigkeiten, plötzliche Verwirrtheit, Sehstörungen oder Sehverlust, schwere oder länger anhaltende Kopfschmerzen/Migräne können Symptome eines Schlaganfalls sein.

Wirkstoff-Kombination der Pille beeinflusst Thrombose-Risiko

Frauen, die die Antibabypille, also ein hormonelles Kombinationspräparat, zur Verhütung einnehmen, sollten den Arzt in bestimmten Fällen nach Prophylaxe-Maßnahmen zur Verhinderung von Blutgerinnseln befragen: Wenn sie gerade operiert wurden, über einen längeren Zeitraum bettlägerig waren (aufgrund einer Krankheit oder Verletzung) oder eine längere Reise mit einem Flug über vier Stunden hinter sich haben.

Weiter rät das BfArM: Frauen sollten den Arzt, den behandelnden Chirurgen und die Krankenschwester über die Einnahme des hormonalen Kontrazeptivums informieren, wenn eine OP bevorsteht, eine längere Bettlägerigkeit nötig werden sollte oder sie eine längere Reise planen. Wer raucht und älter als 35 Jahre ist, sollte mit dem Rauchen aufhören oder ein nicht hormonales Verhütungsmittel benutzen, so die Experten des Bundesinstituts. Denn die Pille ist auch unabhängig von der jeweiligen Wirkstoff-Kombination in jedem Fall mit einem erhöhten Thrombose-Risiko verbunden.

Foto: rainbow33/fotolia.com

Autor: bab
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Antibabypille
 

Weitere Nachrichten zum Thema Antibabypille

 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
Wenn man Ostereier selbst bemalen und aufhängen will, muss man sie erst einmal ausblasen. Doch in rohen Eiern und auf deren Schale können Salmonellen lauern. Bei Kindern kann schon eine kleine Menge dieser Bakterien schwere Infektionen auslösen. Deshalb ist es wichtig, beim Bastelspaß vor Ostern ein paar Hygiene-Regeln zu beachten.
Viele Menschen mit Reizdarm-Symptomen sind der Meinung, dass sie „alte“ Getreidesorten besser vertragen. Doch Forscher konnten zeigen, dass dies nur zum Teil am Getreide liegt – viel wichtiger ist die Backtechnik. Denn nur wenn der Brotteig lange genug gehen kann, werden bestimmte Zucker abgebaut, die Verdauungsprobleme bereiten können.
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender

Gesundheitsakademie, Oudenarder Straße 16, 13347 Berlin, Haus A, Aufgang D 06, 1. OG, Seminarraum siehe Info-Tafel am Eingang
 
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Interviews
Mit der Digitalisierung des Gesundheitswesens sind viele Chancen verbunden. Bei manchen Bürgern löst das Thema aber auch Ängste und Sorgen aus. Gesundheitsstadt Berlin hat mit Prof. Dr. Erwin Böttinger, einem der weltweit führenden Forscher im Bereich Digital Health, über die elektronische Patientenakte und andere digitale Lösungen gesprochen.