Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Wirkstoff-Kombination der Pille beeinflusst Thrombose-Risiko

Sonntag, 30. Dezember 2018 – Autor:
Eine bestimmte Wirkstoff-Kombination in der Pille erhöht das Risiko für eine Thrombose (Blutgerinnsel) stärker als Vergleichs-Rezepturen: Präparate, die Ethinylestradiol und Dienogest enthalten.
antibabypille, pille, verhütung, empfängnisverhütung, hormone

Die Antibabypille kann gesundheitliche Risiken bergen – Foto: ©rainbow33 - stock.adobe.com

Die Pille enthält künstliche Geschlechtshormone - entweder als Einzelwirkstoff oder als Wirkstoff-Kombination. Die Kombinations-Präparate bergen durchweg ein erhöhtes Risiko für die Bildung von Blutgerinnseln und damit für die Entwicklung einer tiefen Venenthrombose oder einer Lungenembolie.

Dabei sind Frauen, die ein ethinylestradiol- und dienogesthaltiges Präparat einnehmen eher gefährdet. Ihr Risiko ist um das 1,6-fache erhöht im Vergleich zu denjengen, die eine Pille mit Ethinylstradiol in Kombination mit Levonorgestrel, Norethisteron oder Norgestimat einnehmen.

Individuelle Risikofaktoren der Patientin bestimmen

Das ergab eine Meta-Analyse von vier Beobachtungsstudien, an denen insgesamt 228.122 Frauen teilnahmen. Dies meldet die Firma Jenapharm in Abstimmung mit der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) und dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM).

Bei der Verordnung einer ethinylestradiol- und diogenesthaltigen Antibabypille sollten daher die individuellen Risikofaktoren der Patientin für die Entwicklung eines Blutgerinnsels berücksichtigt werden, heißt es weiter in einer Mitteilung des BfArM.

 

Wann das Risiko für ein Blutgerinnsel am größten ist

Das Risiko für eine venöse Thromoembolie (Blutgerinnsel) ist am größten im ersten Jahr der Einnahme der Pille, auch wenn diese zwischendurch für vier oder mehr Wochen unterbrochen wurde. Es ist erhöht, wenn die Frau vor kurzem entbunden hat, wenn sie stark übergewichtig ist, wenn sie älter als 35 Jahre ist, wenn sie raucht oder wenn ein naher Angehörigen in relativ jungem Alter (unter 50 Jahre) einen Gefäßverschluss im Bein (Thrombose), in der Lunge (Lungenembolie) oder anderen Organen oder einen Schlaganfall oder Herzinfarkt erlitten hat.

Daran erkennt man die tiefe Beinvenenthrombose

Blutgerinnsel können schwerwiegend und in sehr seltenen Fällen tödlich sein. Umgehend ärztliche Hilfe sollte eine Frau suchen, wenn im Bein starke Schmerzen oder eine Schwellung auftreten, die begleitet sein können von Druckschmerz, Erwärmung oder Änderung der Hautfarbe wie aufkommender Blässe, Rot- oder Blaufärbung. Das könnten Anzeichen einer tiefen Beinvenenthrombose sein.

Lungenembolie als schwere Komplikation

Warnsignale für eine ernsthafte Erkrankung sind auch eine plötzliche, unerklärliche Atemlosigkeit, Atemnot oder schnelle Atmung, starke Schmerzen in der Brust, welche beim tiefem Einatmen zunehmen können und Husten ohne offensichtliche Ursache, bei dem Blut ausgehustet werden kann, heißt es weiter in einer Patienten-Information. Dies könnte auf eine schwere Komplikation der tiefen Beinvenenthrombose, eine Lungenembolie, hindeuten. Diese entsteht, wenn das Blutgerinnsel vom Bein in die Lunge wandert.

Auch an Herzanfall oder Schlaganfall denken

Brustschmerz (meist plötzlich auftretend) oder Unwohlsein, Druck, Schweregefühl und vom Oberkörper in Rücken, Kiefer, Hals und Arm ausstrahlende Beschwerden, zusammen mit Völlegefühl, Verdauungsstörungen oder Erstickungsgefühl, Schwitzen, Übelkeit, Erbrechen oder Schwindel können einen Herzanfall anzeigen.

Schwäche oder Taubheitsgefühl im Gesicht, an Arm oder Bein, die auf einer Körperseite besonders ausgeprägt sind, Sprach- oder Verständnisschwierigkeiten, plötzliche Verwirrtheit, Sehstörungen oder Sehverlust, schwere oder länger anhaltende Kopfschmerzen/Migräne können Symptome eines Schlaganfalls sein.

Wirkstoff-Kombination der Pille beeinflusst Thrombose-Risiko

Frauen, die die Antibabypille, also ein hormonelles Kombinationspräparat, zur Verhütung einnehmen, sollten den Arzt in bestimmten Fällen nach Prophylaxe-Maßnahmen zur Verhinderung von Blutgerinnseln befragen: Wenn sie gerade operiert wurden, über einen längeren Zeitraum bettlägerig waren (aufgrund einer Krankheit oder Verletzung) oder eine längere Reise mit einem Flug über vier Stunden hinter sich haben.

Weiter rät das BfArM: Frauen sollten den Arzt, den behandelnden Chirurgen und die Krankenschwester über die Einnahme des hormonalen Kontrazeptivums informieren, wenn eine OP bevorsteht, eine längere Bettlägerigkeit nötig werden sollte oder sie eine längere Reise planen. Wer raucht und älter als 35 Jahre ist, sollte mit dem Rauchen aufhören oder ein nicht hormonales Verhütungsmittel benutzen, so die Experten des Bundesinstituts. Denn die Pille ist auch unabhängig von der jeweiligen Wirkstoff-Kombination in jedem Fall mit einem erhöhten Thrombose-Risiko verbunden.

Foto: rainbow33/fotolia.com

Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Antibabypille
 

Weitere Nachrichten zum Thema Antibabypille

 

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten


Die Zahl der Apotheken vor Ort geht zurück, der Marktanteil der Online-Apotheken steigt. Doch welche Versandapotheken sind vertrauenswürdig? Für wen ist der Einkauf im Internet sinnvoll? Und kann man gefälschte Arzneimittel erkennen?
 
Interviews
Zöliakie kann in jedem Lebensalter auftreten und ein buntes Bild an Beschwerden machen. Bislang ist das wirksamste Gegenmittel eine glutenfreie Ernährung. Gesundheitsstadt Berlin hat mit PD Dr. Michael Schumann über die Auslöser und Folgen der Autoimmunerkrankung gesprochen. Der Gastroenterologe von der Charité hat an der aktuellen S2K-Leitinie „Zöliakie“ mitgewirkt und weiß, wodurch sich die Zöliakie von anderen Glutenunverträglichkeiten unterscheidet.

Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.

Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin