. Altersforschung

Wie wird man alt?

Nicht nur eine gesunde Ernährung, eine gute psychische Konstitution und Sport können dazu beitragen, in relativer Gesundheit ein hohes Alter zu erreichen. Auch die Gene spielen eine wesentliche Rolle, wie Wissenschaftler beim Demografiekongress 2013 in Berlin erklärten.
Bedingungen für ein hohes Alter

Fit bis ins hohe Alter - das wünscht sich fast jeder.

Was ist das Geheimnis eines hohen Alters? Sport, Ernährung oder doch eher die psychische Konstitution? Die Mischung macht es – das sind jedenfalls die Ergebnisse neuer Forschungen. Doch die Medizin liefert auch eine ernüchternde Erkenntnis: Wenn Menschen extrem alt, also beispielsweise 100 Jahre und älter, werden, scheint dabei die Lebensweise eine geringere Rolle zu spielen und stattdessen günstige genetische Faktoren den größten Einfluss zu haben.

Studien zeigen, dass Menschen, die über 100 Jahre alt werden, häufig nicht so gesund gelebt haben, wie man annehmen könnte. Zudem weiß man heute, dass die Vorfahren dieser „extrem Alten“ häufig ebenfalls außergewöhnlich lang gelebt haben. Dies weist, wie Prof. Elisabeth Steinhagen-Thiessen beim diesjährigen Demografiekongress erklärte, darauf hin, dass ein extrem hohes Alter vor allem genetische Gründe hat, während die Lebensweise hier eine eher untergeordnete Rolle zu spielen scheint.

Die renommierte Alterswissenschaftlerin vom Evangelischen Geriatriezentrum Berlin verwies auch darauf, dass ältere Menschen heute gesünder und kognitiv leistungsfähiger sind als noch vor zehn Jahren. Zudem empfinden sie der Berliner Altersstudie zufolge ihr Leben als lebenswert und nehmen körperliche Einschränkungen häufig weniger stark wahr als ihre Ärzte.

Psychische Konstitution von großer Bedeutung für langes Leben

Allgemein herrscht die Meinung vor, dass eine gesunde Ernährung zu einem langen Leben beiträgt. Studien zufolge hat diese aber eine geringere Auswirkung auf die Lebenserwartung als andere Faktoren, wie Dr. Thomas Ellrott, Leiter des Instituts für Ernährungspsychologie der Universitätsmedizin Göttingen, auf dem Demografiekongress darlegte. Allerdings sei es wichtig, negative Folgen durch Ernährungsfehler wie beispielsweise durch Unterernährung oder einen Mangel an bestimmten Nährstoffen zu vermeiden.

Eine große Rolle für ein langes und gesundes Leben scheint die psychische Konstitution zu spielen, wie Dr. Christoph Rott vom Institut für Gerontologie an der Ruprecht-Karls-Universität in Heidelberg erklärte. Wichtig scheinen vor allem das Vertrauen in das eigene Leistungsvermögen (Selbstwirksamkeit), Optimismus, das Gefühl von Lebenssinn und der Lebenswille zu sein. Rott betonte, dass diese Faktoren für die Lebenszufriedenheit wichtiger seien als bestimmte gesundheitliche Einschränkungen. Wer über diese psychologischen Stärken verfüge, nehme den eigenen gesundheitlichen Zustand häufig auch als besser wahr als er tatsächlich ist.

 

Sport kann Lebenserwartung verlängern

Neben einer gesunden Ernährung und einer guten psychischen Konstitution kann auch regelmäßige Bewegung dazu beitragen, lange gesund zu bleiben und die Lebenserwartung zu verlängern. „Es gibt überhaupt keine Diskussion, dass Sport zu einem langen Leben beiträgt“, erklärte Professor Norbert Haas, Direktor des Centrums für Muskuloskeletale Chirurgie an der Charité – Universitätsmedizin Berlin. „Zudem kann Sport die Mobilität und die geistigen Fähigkeiten erhalten“, so Haas.

Für diesen Effekt reichen offenbar schon geringe Mengen an Bewegung aus. Haas verwies auf eine aktuelle Studie, die im Magazin „Nature“ veröffentlicht wurde, nach der bereits 90 Minuten Ausdauertraining pro Woche beziehungweise 15 Minuten Bewegung pro Tag das Sterberisiko um 14 Prozent reduzieren und die Lebenserwartung um drei Jahre steigern kann. Was ebenfalls überraschend ist: Wer mehr als 100 Minuten pro Woche trainiert, kann damit keine weitere Steigerung der Lebenserwartung erzielen. Wer sich aber aus bisheriger völliger Untätigkeit aufrafft und wenigstens etwas Bewegung in seinen Alltag bringt, kann damit einen enormen Anstieg seiner Lebenserwartung erreichen.

Studien zufolge wirkt Sport sogar stärker lebensverlängernd als andere Lebensstilveränderungen wie Ernährung, Verzicht auf Alkohol oder ähnliches. Und Sport verlängert nicht nur das Leben, sondern lässt uns auch länger gesund bleiben. So reduziert regelmäßige Bewegung das Risiko für Osteoporose, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Demenz. Zudem steigen durch Ausdauertraining die visuelle und die akustische Aufnahmefähigkeit sowie die geistige Verarbeitungsgeschwindigkeit. Für Haas ist es eindeutig: Wer sich diese positiven Effekte vor Augen führt, muss eigentlich noch heute mit dem Sport anfangen.

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