. Gesundheitsausschuss berät Heil- und Hilfsmittelversorgungsgesetz (HHVG)

Wie weiter mit der Versorgungsqualität bei Inkontinenz?

Wie geht es weiter mit der Hilfsmittelversorgung bei Inkontinenz und Stoma? Am 30. November berät der Gesundheitsausschuss des Bundestags über den Entwurf des Bundesgesundheitsministeriums für das sogenannte Heil- und Hilfsmittelversorgungsgesetz (HHVG).
Nicht Krankenkassen, sondern Ärzte sollen über Katheter entscheiden

Katheter sind bei Inkontinenz und Stoma nicht wegzudenken. Wie kann die Hilfsmittel-Versorgung gesichert werden?

Im Vorfeld der Beratung hat ein Bündnis von Verbandsvertretern der Patienten, Ärzte, Pfleger und Unternehmen scharfe Kritik an den Entwicklungen für Betroffene von Harninkontinenz, Blasenschwäche, Stuhlinkontinenz geübt. Die Versorgung mit Hilfsmitteln wie etwa Blasenkatheter und Vorlage hat sich demnach in den letzten Jahren immer weiter verschlechtert.

„Wir erleben, dass es für die Menschen immer schwieriger und belastender wird, um die Hilfsmittel zu kämpfen. Die Produkte sind da, doch man bekommt sie ohne Aufzahlung nicht mehr“, sagt Ilona Schlegel von der Patientenorganisation Aktiv Leben mit Spina Bifida und Hydrocephalus (ASBH). Der Pflegevertreter Werner Droste von der Fachgesellschaft Stoma, Inkontinenz und Wunde (FgSKW) kritisiert: „Es geht nur darum über das Medium der Ausschreibung Kosten zu reduzieren, um nichts anderes.“

Patientenbedürfnisse bei Inkontinenz und Stoma beachten

In einem gemeinsamen Positionspapier fordern sie, dass die Stoma- und Inkontinenzversorgung von der Ausschreibungspraxis der Krankenkassen ausgenommen und stattdessen vertraglich geregelt wird. Das Positionspapier wurde zusammen mit dem Bundesverband Medizintechnologie (BVMed) und dem ärztlichen Arbeitskreis Neuro-Urologie der Deutschsprachigen Medizinischen Gesellschaft für Paraplegie (AKNU) vorgelegt.

Dr. Jörn Bremer vom AKNU kritisiert, dass die aktuelle Inkontinenzversorgung in der Gesetzlichen Krankenversicherung in Deutschland sowohl an den individuell äußerst unterschiedlichen Patientenbedürfnissen als auch an den international in der Urologie anerkannten Definitionen von Inkontinenz vorbeigehe. Individuelle Einflussgrößen wie etwa die tägliche Trinkmenge, eine Blasen- oder Darmlähmung finden laut Bremer gar keinen Widerhall in der Versorgungspraxis durch die Krankenkassen.

 

Ärzte fordern individuelle Hilfsmittel-Versorgung

„Es kann nicht sein, dass letztendlich die Bereitstellung von Kathetermaterial und die Frequenz der Katheterisierung begrenzt ist“, kritisiert Bremer. Das sei ein „deutliches Gesundheitsrisiko“. Denn Studien würden zeigen, dass Entzündungen und die Bildung von Steinen häufiger auftreten, wenn zu wenig katheterisiert werde. Die Entscheidung über Auswahl und Anzahl der Katheter müsse letztlich beim Arzt liegen.

Der aktuelle Gesetzentwurf der Bundesregierung geht dem Bündnis nicht weit genug. Er sieht vor, dass die Krankenkassen bei ihren Ausschreibungen Qualitätsaspekte künftig verpflichtend berücksichtigen müssen und nicht allein nach dem Preis entscheiden dürfen. Klaus Grunau aus dem BVMed-Vorstand betrachtet diese Maßnahme als „Symptombekämpfung statt Ursachenbehebung“. Er fordert: „Wir brauchen keine Ausschreibungen, wir brauchen entweder Festbeträge oder Verhandlungsverträge mit Beitrittsrecht.“

Foto: Lichtmaler – fotolia.com

Autor: Angela Mißlbeck
Hauptkategorie: Gesundheitspolitik
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Darm , Blasenstörung , Urologie
 

Weitere Nachrichten zum Thema Inkontinenz-Hilfsmittel

| „Leben statt müssen“ – Das ist das Motto der World Continence Week, die auf das Thema Inkontinenz und seine vielfältigen Behandlungsmöglichkeiten aufmerksam machen will. Das Wichtigste ist, über das Problem zu sprechen, denn nur so kann den Betroffenen geholfen werden.
 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Mehr zum Thema
Durch eine bessere Organisation der Pflege ließen sich die Lebensqualität von inkontinenten Menschen verbessern und gleichzeitig Kosten senken. Das belegen zwei Studien, die kürzlich auf der größten Konferenz zur Zukunft der Kontinenzpflege, dem „5. Global Forum on Incontinence“, vorgestellt wurden.
 
. Weitere Nachrichten
44.000 Gehirnerschütterungen werden in Deutschland jährlich bei Sportlern diagnostiziert - bei dreimal so hoher Dunkelziffer. Falscher Ehrgeiz und Unkenntnis bei Athleten wie Vereinen führen oft zu einer Verharmlosung. Dabei ist die "Commotio" eine ernsthafte Verletzung mit möglichen gravierenden Folgen. Kopfbälle etwa können das Gehirn langfristig schädigen – vor allem bei jüngeren Spielern.
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender

Gesundheitsakademie, Oudenarder Straße 16, 13347 Berlin
 
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Interviews
Senioren fühlen sich heute jünger als früher – und sind es Studien zufolge auch. Doch woran liegt das und was bedeutet Alter heute überhaupt? Über diese und andere Fragen hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem renommierten Alternspsychologen Prof. Dr. Hans-Werner Wahl gesprochen.
Das massenhafte Auftreten des Eichenprozessionsspinners hat in diesem Jahr bei besonders vielen Menschen zu allergischen Reaktionen der Haut führt. Die giftigen Brennhaare der Raupen können aber auch sprichwörtlich ins Auge gehen. Am Universitätsklinikum Münster mussten diese Woche sechs Menschen am Auge operiert werden. Dr. Lamis Baydoun, Oberärztin der UKM-Augenklinik, berichtet, was vorgefallen ist.