. Boswelliasäure

Wie Weihrauch gegen Entzündungen wirkt

Das Harz des Weihrauchs wirkt entzündungshemmend - das ist bekannt. Doch über das genaue Wirkprinzip weiß man noch wenig. Zudem ist Weihrauch noch nicht als Medikament zugelassen. Forscher konnten nun einen wichtigen molekularen Mechanismus entschlüsseln.
Weihrauch, entzündungshemmend

Das Harz aus dem Weihrauchbaum enthält entzündungshemmende Substanzen

Seit mehreren tausend Jahren wird das Harz des Weihrauchbaums in der traditionellen östlichen Medizin eingesetzt. Auch in der heutigen Naturheilkunde findet es vielfältige Anwendung. Der Grund: Den im Weihrauch enthaltenen Boswelliasäuren wird eine entzündungshemmende, schmerzstillende und antimikrobielle Wirkung nachgesagt. Verschiedene Studien konnten diese Wirkung bereits belegen.

Dennoch ist nach wie vor unklar, in welcher Menge der Extrakt eingenommen werden müsste und worauf das Wirkprinzip beruht. Nun ist Forschern der Universität Jena und der Louisiana State University ein wichtiger Schritt gelungen. Sie haben den molekularen Mechanismus der entzündungshemmenden Wirkung eines Naturstoffs aus Weihrauchharz aufgeklärt.

Weihrauch enthält entzündungshemmende Substanzen

„Das aus dem Stamm des Weihrauchbaumes gewonnene Harz enthält entzündungshemmende Substanzen, die es u. a. für die Therapie von Krankheiten wie Asthma, Rheumatoider Arthritis oder Neurodermitis geeignet machen“, erklärt Professor Oliver Werz von der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Werz und sein Team gehen bereits seit einigen Jahren der entzündungshemmenden Wirkung von Weihrauchharz und seiner Inhaltsstoffe nach. Jetzt ist es den Forschern gemeinsam mit US-amerikanischen Kollegen gelungen, die molekulare Wirkungsweise der Boswelliasäure im Weihrauchharz aufzuklären.

Eine Schlüsselrolle für die Wirkung des Weihrauchs spielt das Enzym 5-Lipoxygenase. Das Forschungsteam konnte zum ersten Mal die Kristallstruktur dieses zentralen Entzündungsenzyms mit gebundenen Hemmstoffen aufklären und abbilden. Die Kristallstrukturaufnahmen erlauben neben detaillierten Untersuchungen des Enzyms und seiner Wechselwirkung mit Wirkstoffen auch die Entwicklung neuartiger Entzündungshemmer.

 

Doppelter Effekt durch Boswelliasäure

Die Forscher haben nun den Entzündungshemmer Zileuton (ein synthetisches Präparat, das bei Asthma eingesetzt wird) sowie verschiedene Naturstoffe mit dem Enzym in Verbindung gebracht und die Kristallstrukturen der entstandenen Molekülkomplexe analysiert. Das Ergebnis hat die Forscher zunächst überrascht: Während andere Naturstoffe, ähnlich wie Zileuton, direkt im sogenannten aktiven Zentrum des Enzyms andocken und so in seiner Funktion hemmen, bindet die Boswelliasäure an einer anderen – weit vom aktiven Zentrum entfernten – Stelle des Enzymmoleküls. „Durch diese Bindung kommt es jedoch zu strukturellen Veränderungen im aktiven Zentrum, was die Enzymaktivität ebenfalls hemmt“, erklärt Werz.

Diese durch die Boswelliasäure ausgelösten Strukturveränderungen haben folglich bereits einen entzündungshemmenden Effekt. „Der Einfluss von Boswelliasäure geht aber noch deutlich darüber hinaus“, erklärt Dr. Jana Gerstmeier, Pharmazeutin an der Universität Jena und eine der beiden Hauptautoren der Studie. „Durch die Bindung kommt ein Domino-Effekt zustande, wodurch sich zusätzlich die Spezifität des Enzyms verändert“, so Gerstmeier.

Enzymaktivität wird umprogrammiert

Statt die Synthese entzündungsfördernder Leukotriene zu katalysieren, produziert die 5-Lipoxygenase unter dem Einfluss von Boswelliasäure entzündungsauflösende Substanzen. Gerstmeier: „Das heißt, vereinfacht gesagt, der Weihrauchinhaltsstoff programmiert das Entzündungsenzym zu einem entzündungsauflösenden Enzym um.“

Diese Erkenntnisse, so die Studienautoren, lassen sich nun dazu nutzen, die Boswelliasäuren aus Weihrauch in entsprechenden Krankheitsmodellen zu testen und später vielleicht als Medikament gegen Entzündungserkrankungen zu entwickeln. Zudem könnten dank der neu entdeckten Bindungsstelle an der 5-Lipoxygenase auch weitere potenzielle Arzneistoffe aufgespürt und ihre Wirksamkeit als Entzündungshemmer experimentell getestet werden.

Foto: Adobe.stock / amy_lv

Autor: anvo
Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Immunsystem , Komplementärmedizin
 

Weitere Nachrichten zum Thema Weihrauch

| Weihrauch war als entzündungshemmendes Heilmittel lange Zeit in Vergessenheit geraten. Doch inzwischen greifen auch Schulmediziner auf Weihrauchpräparate zurück. In der Hirntumortherapie wird das pflanzliche Mittel zum Reduzieren von Cortison eingesetzt.
| Muskeln und Gelenke: Hier machen sich entzündlich-rheumatische Erkrankungen meist zuerst bemerkbar. Aber dabei bleibt es häufig nicht, warnt jetzt die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie. Sie ruft Patienten und Ärzte dazu auf, ganzheitlich und detektivisch an das Krankheitsbild heranzugehen. Ein lebenswichtiges Organ ist unerwarteterweise besonders betroffen.
 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
Immer öfter klagen Verbraucher nach dem Verzehr von Produkten aus Weizenmehl über gesundheitliche Probleme. Kurios dabei ist: Manche vertragen die Brötchen vom einen Bäcker nicht, die vom anderen schon. Viele haben Probleme mit Weizen, aber nicht mit Dinkel – dabei sind beide Getreide eng verwandt. Ein Forschungsprojekt der Uni Hohenheim liefert neue Erkenntnisse darüber, warum.
Müdigkeit ist in der Regel ein normales, gesundes Gefühl, das uns darauf aufmerksam macht, dass wir Erholung brauchen. Doch manche Menschen fühlen sich immer müde, auch wenn sie ausreichend schlafen. Dann können ernsthafte Erkrankungen dahinterstecken.
Psychedelische Substanzen wie LSD oder Ketamin sind illegale Drogen. Doch Menschen mit schwer behandelbaren Depressionen können die Psychedelika (eng. Psychedelics) mitunter helfen. Der Psychiater Prof. Bernhard Baune vom Universitätsklinikum Münster fasst den aktuellen Stand der Forschung zusammen.
 
 
. Kliniken
. Interviews
Der klassische Medikationsprozess im Krankenhaus ist fehleranfällig. Untersuchungen untermauern das. Dabei könnte die Digitalisierung die Arzneimitteltherapie wesentlich sicherer machen. Das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) hat schon vor Jahren auf ein Closed Loop Medication Management umgestellt. Gesundheitsstadt Berlin hat mit UKE-Krankenhausapothekerin PD Dr. Claudia Langebrake über die Vorteile des digitalen Medikationsprozesses gesprochen.
Hitzewellen sind eine reale Gefahr für die Gesundheit und lassen die Mortalitätsrate ansteigen. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem wissenschaftlichen Leiter des Zentrums für Medizin-Meteorologische Forschung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Freiburg, Prof. Dr. Andreas Matzarakis, über Hitzewarnsysteme und die Auswirkungen von Hitzewellen auf unsere Gesundheit gesprochen.
Das Essen in deutschen Krankenhäusern hat keinen besonders guten Ruf. Dabei lässt sich mit wenig Mehraufwand viel erreichen. Der Internist und Ernährungsmediziner Prof. Dr. Christian Löser erklärt die medizinischen und ökomischen Effekte einer gesunden Ernährung im Krankenhaus.