. Forschung an Tieren

Wie unnötige Tierversuche reduziert werden können

Dass die Ergebnisse aus Tierversuchen oft nicht auf den Menschen übertragbar sind, kann unter anderem daran liegen, dass das falsche „Modell“ benutzt wurde. Forscher haben nun eine Methode gefunden, mit der das jeweils am besten geeignete Tiermodell gefunden werden soll.
Tierversuche vermeiden

Viele Tierversuche sind überflüssig

Fast drei Millionen Tiere werden jedes Jahr in Deutschland für wissenschaftliche Studien getötet – fast immer nach einem langen Martyrium. Am häufigsten kommen bei den Tierversuchen Mäuse und Ratten zum Einsatz, aber auch andere Tiere wie Hunde, Katzen oder Affen. Tierschützer kritisieren die Praxis der Tierversuche immer wieder, weil die gewonnenen Daten häufig nicht auf den Menschen übertragbar sind. Wissenschaftler der Charité – Universitätsmedizin Berlin und des Bundesinstituts für Risikobewertung konnten nun zeigen, dass Mausmodelle unterschiedlich gut mit Studien am Menschen korrelieren. Sie hoffen, dass ihre Analyse dazu beiträgt, dass in Zukunft immer nur das geeignetste Modell für die jeweils zu untersuchende Fragestellung ausgewählt wird und dass unnötige Tierversuche vermieden werden können.

Versuche an Mäusen führten zu gegensätzlichen Ergebnissen

Die Forscher um Gilbert Schönfelder, Professor für experimentelle Toxikologie und Alternativen zum Tierversuch an der Charité, analysierten einen Datensatz umfangreicher Genomdaten, der zuvor von zwei Arbeitsgruppen gegensätzlich interpretiert worden war. Im ersten Fall untersuchten Wissenschaftler in einer 2013 veröffentlichen Studie die Folgen unterschiedlicher Auslöser von Entzündungen auf die Genaktivität. Sie analysierten dabei die Informationen der Ribonukleinsäure (RNA) von weißen Blutkörperchen bei Mensch und Maus. Aus den Daten folgerten sie, dass Entzündungsreaktionen von Mensch und Maus nicht vergleichbar seien.

Eine andere wissenschaftliche Arbeitsgruppe kam auf Basis derselben Genomdaten ein Jahr später zum gegenteiligen Schluss: Die Mäuse reagieren auf der molekularen Ebene sehr ähnlich wie der Mensch. Schönfelder kommentierte: „Dass die Ergebnisse von Studien unterschiedlich ausgelegt und bewertet werden, ist in der Wissenschaft sicherlich nicht ungewöhnlich. Allerdings ist es selten, dass aus identischen Daten gegensätzliche Aussagen abgeleitet werden."

Tierversuche bringen nicht immer verwertbare Ergebnisse

Das Ziel der Wissenschaftler war nun die Entwicklung eines standardisierten Ansatzes für die systematische Analyse umfangreicher Genomdaten. Unter Verwendung der sogenannten „Gene Set Enrichment Analysis (GSEA)-Methode“ wurde der entsprechende Datensatz daher nochmals untersucht. Mit dieser Methode kann ein direkter Zusammenhang zwischen einer Erkrankung und dem potentiell verantwortlichen biologischen Vorgang hergestellt werden. Dadurch ist es zudem möglich zu sehen, welche Gene bei einem Entzündungsprozess aktiviert werden und welchen biologischen Vorgängen diese Gene zugeordnet sind.

Die Ergebnisse zeigten, dass im Falle von Entzündungen die Reaktionen bei einigen Mausmodellen gut mit den Daten übereinstimmten, die beim Menschen ermittelt wurden, bei anderen Mausmodellen hingegen nicht. Die Forscher glauben, dass mit dieser Analysemethode das jeweils optimale Tiermodell für eine bestimmte Fragestellung gefunden werden kann, wodurch sich überflüssige Tierversuche möglicherweise verhindern lassen.

Foto: © efmukel - Fotolia.com

Autor: red
Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Forschung

Weitere Nachrichten zum Thema Tierversuche

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Weitere Nachrichten
Das Blasenkarzinom ist die zweithäufigste urologische Krebserkrankung. Jährlich erkranken in Deutschland rund 29.000 Menschen neu daran. Blut im Urin kann ein erstes Zeichen für einen Blasentumor sein. Darauf macht die Urologische Themenwoche, die am 25. Juni startet, aufmerksam.
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender

Evangelisches Geriatriezentrum Berlin gGmbH, Reinickendorfer Straße 61, 13347 Berlin
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
. Kliniken
. Interviews
Prof. Dr. Andreas Michalsen, Chefarzt am Immanuel Krankenhaus Berlin und Professor für Klinische Naturheilkunde an der Charité, über die Grenzen der Schulmedizin, den Wildwuchs in der Naturheilkunde und warum sich beide Disziplinen gerade näherkommen.
Noch zu wenige Versicherte nehmen die Darmkrebsvorsorge wahr. Die AOK Nordost geht deshalb neue Wege. Stefanie Stoff-Ahnis, Mitglied der Geschäftsleitung der AOK Nordost und verantwortlich für das Ressort Versorgung, erläutert das Engagement, das soeben mit dem Felix Burda Award ausgezeichnet wurde.