. Forschung

Wie Tiefschlaf das Lernen fördert

Jeder weiß, wie wichtig ein gesunder Schlaf fürs Wohlbefinden ist. Forscher haben nun einen kausalen Zusammenhang zwischen Tiefschlaf und Lernfähigkeit aufgezeigt. Schon kleinste Störungen scheinen großen Einfluss zu haben.
Im Tiefschlaf kommt das Gehirn zu der Ruhe, die es braucht, um Neues zu Lernen

Im Tiefschlaf kommt das Gehirn zu der Ruhe, die es braucht, um Neues zu Lernen

Es muss gar keine schlaflose Nacht sein. Ein unruhiger Schlaf reicht aus, um sich am nächsten Tag Schach matt zu fühlen. Geistige Aufgaben lassen sich dann nur noch mit Mühe erfüllen. Seit langem weiß man, dass es der Tiefschlaf ist, der die Lernfähigkeit beeinflusst. Denn das Gehirn braucht Zeit um sich von den vielen Eindrücken des Tages zu erholen. Andernfalls bleiben die Synapsen, also die Verbindungen zwischen den Nervenzellen, dauerhaft erregt. Die Folge: Wir können nichts mehr Neues aufnehmen, die Lernfähigkeit ist blockiert.

Tiefschlaf mit Geräuschen manipuliert

Jetzt konnten Forschende der Universität Zürich und der ETH Zürich erstmals eine kausale Verbindung zwischen Tiefschlaf und Lernfähigkeit im menschlichen Gehirn zeigen. Schon kleinste Störungen während der Tiefschlafphase wirkten sich danach negativ auf das Lernvermögen aus.

Für ihre Untersuchung hatte das Team um Reto Huber und Nicole Wenderoth eine Methode entwickelt, die es erlaubt, die Schlaftiefe einer bestimmten Hirnregion zu reduzieren und damit den Kausalzusammenhang zwischen Tiefschlaf und Lernfähigkeit nachzuweisen.

Zunächst mussten die 13 Probanden tagsüber drei unterschiedliche motorische Aufgaben bewältigen. Konkret ging es darum, verschiedene Abfolgen von Fingerbewegungen zu erlernen. Während der darauffolgenden Nächte wurden die Hirnaktivitäten der sieben Männer und sechs Frauen im Schlaf mittels EEG überwacht. In der ersten Nacht konnten sie ungestört schlafen, wohingegen in der zweiten Nacht akustische Stimulationen die Tiefschlafphase störten. Die Störungen waren aber so subtil, dass die Teilnehmer nichts davon merkten. Die Manipulation erfolgte im Motorcortex, also genau dort, wo die erlernten Fingerbewegungen abgespeichert werden.

 

Leistungseinbußen am Tag danach

Dabei zeigten sich am Tag nach der gestörten Tiefschlafphase deutliche Leistungseinbußen. Kurzum: Die Fehlerquote beim Erlernen der Fingerbewegungen nahm gegenüber dem Vortag erheblich zu. Gesundheitswissenschaftlerin Wenderoth ist sich sicher, dass durch die Manipulation des Motorcortex die Erregbarkeit der entsprechenden Synapsen im Schlaf nicht herabgesetzt wurde. „In der noch immer stark erregten Hirnregion war die Lernfähigkeit gesättigt und ließ keine Veränderungen mehr zu, so dass das Erlernen motorischer Fähigkeiten gehemmt war“, erläutert sie.

Einen weiteren Beleg brachte schließlich das Kontrollexperiment: Manipulierten die Forscher bei gleicher Aufgabenstellung eine andere Hirnregion während des Tiefschlafs zeigten sich keinerlei Effekte auf die Leistungsfähigkeit des Gehirns.

Autor: ham
Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Gehirn
 

Weitere Nachrichten zum Thema Schlaf

| Schlaflosigkeit ist weit verbreitet. Oft sind der Lebensstil oder psychische Faktoren schuld, doch es gibt auch eine genetische Disposition. Forscher haben jüngst weitere Gene identifiziert, die mit Schlaflosigkeit in Verbindung zu stehen scheinen. Damit wurden 956 Risikogene für Insomnie entdeckt.
 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
Wie wir Dinge bewerten, hängt nicht nur von tatsächlichen Erlebnissen zusammen. Auch reine Vorstellungen können unsere Einstellung verändern. Das haben Forscher des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften gezeigt.
Seit Jahren hält sich das Gerücht, dass Impfungen das Risiko für Multiple Sklerose (MS) erhöhen. Forscher konnten nun in einer groß angelegten Studie diesen Verdacht entkräften. Es zeigte sich, dass sich Personen, die später eine MS entwickelten, in den Jahren zuvor sogar seltener impfen ließen.
Der plötzliche Herztod kann jeden treffen. Junge Sportler sind da keine Ausnahme. Meistens steckt eine unerkannte Herzerkrankung oder eine verschleppte Myokarditis dahinter.
. Top-Termine
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender

Friedrich von Bodelschwingh-Klinik Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Landhausstraße 33 – 35, 10717 Berlin

Französische Friedrichstadtkirche (Französischer Dom) | Gendarmenmarkt 5 | 10117 Berlin (Mitte)
 
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Kliniken
. Interviews
Senioren fühlen sich heute jünger als früher – und sind es Studien zufolge auch. Doch woran liegt das und was bedeutet Alter heute überhaupt? Über diese und andere Fragen hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem renommierten Alternspsychologen Prof. Dr. Hans-Werner Wahl gesprochen.