Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Wie Sport gegen Krebs schützt

Samstag, 5. Februar 2022 – Autor:
Die Heilwirkung regelmäßiger körperlicher Aktivität ist unumstritten. Sport stärkt Herz und Kreislauf, Muskeln und Gelenke. Er baut Stress ab, macht das Immunsystem fit, stärkt die Gehirnleistung, wirkt antidepressiv und lässt die Haut langsamer altern. Und: Sport ist Krebsprävention. Aber wie funktioniert das?
Paar joggt morgens im Wald.

Sport als Krebsprävention: Durch Bewegung erhöht sich beispielsweise die Zahl der natürlichen Killerzellen, die Krebszellen abtöten können. – Foto: AdobeStock/dusanpetkovic1

Jeder zweite Deutsche etwa erkrankt im Laufe seines Lebens an Krebs. Rund 510.000 Krebsneuerkrankungen gibt es pro Jahr. Rund 1,7 Millionen Menschen leben in Deutschland mit einer Krebserkrankung, die in den zurückliegenden fünf Jahren diagnostiziert wurde, zeigen Zahlen des Robert-Koch-Instituts. So erschreckend das klingt, so dramatisch klingt es umgekehrt, dass ein beachtlicher Teil der Neuerkrankungen und sogar mehr als die Hälfte der Krebs-Todesfälle in Europa vermieden werden könnten: wenn die Menschen frühzeitig und regelmäßig zur Früherkennungsuntersuchung gehen und einen gesunden Lebensstil pflegen würden.

„40 Prozent der Krebs-Neuerkrankungen durch gesunden Lebensstil vermeidbar“

„Forscherinnen und Forscher sehen europaweit großes Potential in der Krebsprävention. Würde das Zusammenspiel von Prävention und Früherkennung optimiert, könnten 50 bis 70 Prozent der Krebs-Todesfälle in Europa vermieden werden“, erklärt Volker Heinemann, Direktor des „Comprehensive Cancer Center“ (CCC) München und Oberarzt am Klinikum der Universität München (LMU). Bei den Krebs-Neuerkrankungen könnten demnach 40 Prozent allein durch einen gesunden Lebensstil verhindert werden.  

 

Krebs: Das sind wichtige Risikofaktoren

„Körperliche Inaktivität, Übergewicht, ungesunde Ernährung, Genussmittel und Schutz vor UV-Strahlung sind beeinflussbare Risikofaktoren für Krebs“, sagt Heinemann. „Diese gilt es in der Primärprävention zu reduzieren, damit Krebs gar nicht erst entsteht.“

Krebsprävention: Sport spielt eine Schlüsselrolle

Eine Schlüsselrolle spielt Sport – oder anders gesagt: der präventive Effekt von regelmäßiger körperlicher Bewegung. Aber wie kann das sein, dass etwas scheinbar Banales eine regelrecht medizinische Wirkung entfalten kann?

Hormone aus dem Sport hemmen Darmpolypen

„Die Wirkung des Sports für die Krebsprävention lässt sich am Beispiel Darmkrebs erklären“, sagt Martin Halle, Ärztlicher Direktor und Ordinarius Lehrstuhl und Poliklinik für Präventive und Rehabilitative Sportmedizin am „Klinikum rechts der Isar“ der Technischen Universität München (TUM). „Wir wissen heute, dass die Muskulatur bestimmte Botenstoffe über das Blut in unterschiedliche Organsysteme aussendet. Wird die Muskulatur belastet, werden zum Beispiel im Darm bestimmte Muskelhormone freigesetzt. Gelangen sie in die Darmschleimhaut, hemmen sie die Entwicklung von Darmpolypen.“

Sport erhöht die Zahl der Killerzellen, die Krebszellen abtöten

Sport beeinflusst demnach indirekt auch Mechanismen des Zuckerstoffwechsels und des Insulinspiegels und er stimuliert das Immunsystem. Durch Bewegung erhöht sich die Zahl der natürlichen Killerzellen, die Krebszellen abtöten können. Der Rat des Sportmediziners Halle: „Um die Immunkompetenz zu fördern, sollten wir täglich mindestens zehn Minuten höher intensiv trainieren und richtig ins Schwitzen kommen, um die Muskulatur zu aktivieren.“

Krebsprävention funktioniert nur durch Kombination von Sport, Ernährung und Lebensstil

In enger Verbindung zu Sport steht ein weiterer – so alltäglicher wie entscheidender – Faktor der Krebsprävention: die Ernährung. „Man darf die krebspräventive Wirkung der Ernährung sowie einzelner Nahrungsmittel aber nicht isoliert betrachten“, sagt Ernährungswissenschaftlerin Nicole Erickson, Koordinatorin für Gesundheitskompetenz und E-Health am Klinikum der LMU München. „Jemand, der sich gut ernährt, aber raucht und keinen Sport treibt, hat dennoch ein erhöhtes Krebsrisiko.“ Erst im Zusammenspiel mit Bewegung und einem gesunden Lebensstil komme sie zum Tragen.

Mit Ernährung gegen Krebs – Tipps von der DGE

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt zur Vorbeugung von Krebs eine ausgewogene Mischkost:

  • mindestens 400 Gramm Gemüse und 250 Gramm Obst am Tag
  • Vollkornprodukte
  • täglich maximal 150 Gramm Milchprodukte wie Joghurt und Käse
  • Fisch: ein- bis zweimal pro Woche
  • unverarbeitetes Fleisch: 300 bis maximal 600 Gramm pro Woche
  • verarbeitetes rotes Fleisch gilt als krebserregend, vor allem gepökelte und geräucherte Wurstwaren, und sollte auf ein Minimum reduziert werden
  • wenig Alkohol: 10 Gramm pro Tag für Frauen (ein kleines Glas Wein); 20 Gramm pro Tag für Männer (ein halber Liter Bier).
Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Krebs , Prävention , Sport
 

Weitere Nachrichten zum Thema „Krebsprävention“

Tabakrauch enthält 4800 Chemikalien und 250 Gifte. Etwa 90 Inhaltsstoffe der Zigarette sind krebserregend. Trotzdem rauchen in Deutschland noch immer mehr Menschen als im westeuropäischen Vergleich. Laut „Tabakatlas 2020“ des Deutschen Krebsforschungszentrums ist Rauchen ist der wichtigste vermeidbare Krebsrisikofaktor – und ein Verzicht darauf „ein enormes Potenzial für die Krebsprävention".

 

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
Die Zahl der Apotheken vor Ort geht zurück, der Marktanteil der Online-Apotheken steigt. Doch welche Versandapotheken sind vertrauenswürdig? Für wen ist der Einkauf im Internet sinnvoll? Und kann man gefälschte Arzneimittel erkennen?


 
Interviews
Zöliakie kann in jedem Lebensalter auftreten und ein buntes Bild an Beschwerden machen. Bislang ist das wirksamste Gegenmittel eine glutenfreie Ernährung. Gesundheitsstadt Berlin hat mit PD Dr. Michael Schumann über die Auslöser und Folgen der Autoimmunerkrankung gesprochen. Der Gastroenterologe von der Charité hat an der aktuellen S2K-Leitinie „Zöliakie“ mitgewirkt und weiß, wodurch sich die Zöliakie von anderen Glutenunverträglichkeiten unterscheidet.

Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.

Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin