. Leberentzündung

Wie sinnvoll ist ein Screening auf Hepatitis B und C?

Chronisch gewordene Infektionen mit Hepatitis B und C können lange symptomfrei verlaufen. Ob ein Screening sinnvoll sein könnte, sollte nun das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) untersuchen. Das Ergebnis des Vorberichts: Ob der Nutzen den Schaden eines Screenings überwiegt, ist aufgrund fehlender Studien nicht zu sagen.
Hepatitis-Screening, Hepatitis B, Hepatitis C, IQWiG

Ob ein Screening auf Hepatitis B und C sinnvoll ist, wird zurzeit untersucht

Etwa eine Million Menschen in Deutschland leiden unter einer Hepatitis-Infektion. Unbehandelt kann diese zu Leberzirrhose, Leberkrebs oder gar zum Versagen des Organs führen. Ein großes Problem: Häufig bleibt die Erkrankung unentdeckt und wird aufgrund einer mangelnden Behandlung chronisch. Einige Experten sprechen sich daher dafür aus, ein Screening auf Hepatitis B und C im Rahmen des Check-up 35 durchzuführen, um mehr Patienten mit Leberentzündung zu erkennen.

Bestimmte Risikogruppen wie medizinisches Fachpersonal oder HIV-Infizierte werden bereits heute regelhaft auf Hepatitis-Infektionen getestet. Man erhofft sich sowohl einen Nutzen für die Betroffenen, die so frühzeitig behandelt werden können, als auch eine Reduzierung der Zahl der Neuinfektionen durch die Verringerung der Viruspartikelmenge im Blut der Betroffenen und durch Verhaltensänderungen. Um herauszufinden, ob auch ein Screening der Allgemeinbevölkerung oder weiterer Risikogruppen von Vorteil wäre, hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) im September 2016 mit der Nutzenbewertung von Screenings auf Hepatitis B bzw. C beauftragt. Die Vorberichte hat das Institut nun veröffentlicht.

Keine klaren Aussagen aufgrund mangelnder Evidenz

Bei ihrer systematischen Literaturrecherche haben die Wissenschaftler des IQWiG keine Studien gefunden, die etwas über den Nutzen oder Schaden eines Hepatitis-B-Screenings oder einer vorverlagerten Behandlung aussagen. Für Hepatitis C fanden sie acht randomisierte kontrollierte Studien, in denen die Behandlung in einem Studienarm gegenüber dem anderen um bis zu 16 Wochen vorverlagert wurde. Dieser Zeitabstand ist aber viel kleiner als die zu erwartende Vorverlagerung der Diagnose und Therapie durch ein Screening. Angesichts des langsamen Verlaufs einer chronischen Hepatitis C lassen sich nach Auffassung des Institus aus diesen Studien keine Aussagen über den Nutzen eines Screenings ableiten.

 

Hepatitis-C-Screening könnte sinnvoll sein

Aktuelle Leitlinien, die sich für ein Screening auf Hepatitis C aussprechen, enthalten jedoch plausible Annahmen zu den möglichen Vor- und Nachteilen eines Screenings von Risikogruppen und jenen Geburtsjahrgängen, auf die ein hoher Anteil aller Hepatitis-C-Infektionen entfällt. Die Empfehlungen für ein Screening von Risikogruppen auf Hepatitis B beruhen dagegen nach Aussage des IQWiG auf Annahmen, die nicht nachvollziehbar sind.

Für das IQWiG zeigen die nun vorliegenden Berichte, dass mangels aussagekräftiger Evidenz keine sicheren Aussagen zum Nutzen oder Schaden eines Hepatitis-Screenings möglich sind. Bei Hepatitis C könnte ein Screening für bestimmte Gruppen allerdings sinnvoll sein. Die Stellungnahmen zu den jetzt veröffentlichten Vorberichten werden nach Ablauf der Fristen gesichtet. Im Anschluss erstellt das IQWiG die Abschlussberichte.

Gegen Hepatitis B gibt es eine Impfung, gegen Hepatitis C eine Therapie

In Deutschland werden jährlich einige tausend Fälle von Hepatitis B gemeldet – mit steigender Tendenz. Akute Infektionen heilen zu mehr als 95 Prozent spontan aus und werden meist nicht behandelt. Bei einer Chronifizierung besteht jedoch die Gefahr von Leberschäden, etwa einer Zirrhose oder sogar von Leberkrebs. Ein Heilmittel gegen Hepatitis B gibt es nicht, jedoch eine Impfung, die bei Kindern, Jugendlichen und Personen aus Risikogruppen von den Kassen bezahlt wird.

Hepatitis C wird in Deutschland ebenfalls einige tausend Mal im Jahr gemeldet. Die akute Erkrankung wird viel häufiger chronisch, nämlich in 50 bis 90 Prozent der Fälle. Auch eine chronische Hepatitis-C-Infektion kann später zu einer Leberzirrhose oder einem Leberkarzinom führen. Anders als bei Hepatitis B lässt sich die Infektion nicht durch eine Impfung verhindern. Seit einigen Jahren gibt es jedoch Therapien, die bei einem Großteil der Patienten nach heutigem Kenntnisstand die Viren komplett aus dem Körper beseitigen.

Foto: © adragan - Fotolia.com

Autor: anvo
Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Hepatitis , Hepatitis B , Hepatitis C , Impfen , Leber , Früherkennung
 

Weitere Nachrichten zum Thema Hepatitis

| Hepatitis macht oft erst spät Beschwerden und bleibt daher häufig lange unentdeckt. Dabei ist eine möglichst frühe Behandlung für den Therapieerfolg wichtig. Zudem kann Hepatitis von Mensch zu Mensch – beispielsweise beim Sex – übertragen werden. Auch aus diesem Grund sollte jeder wissen, ob er von der Virusinfektion betroffen ist.
 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
Wer unter Diabetes leidet und sich mit dem neuen Coronavirus SARS-CoV-2 infiziert, hat ein erhöhtes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf. Die Deutsche Diabetes Gesellschaft gibt nun Ärzten Empfehlungen, worauf in diesem Fall zu achten ist.
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender

Friedrich von Bodelschwingh-Klinik, Landhausstraße 33 – 35, 10717 Berlin

Friedrich von Bodelschwingh-Klinik, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Landhausstraße 33 – 35, 10717 Berlin Mehrzweckraum, EG
 
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Interviews
Noch müssen Ärzte in Deutschland keine Triagierung von COVID-19-Patienten vornehmen. Doch was wenn, die Intensivkapazitäten auch hier zu Lande nicht reichen? Gesundheitsstadt Berlin hat über das bedrückende Thema mit Prof. Dr. Elisabeth Steinhagen-Thiessen gesprochen. Die Charité-Medizinerin befasst sich als Mitglied des Deutschen Ethikrats und einer soeben eingerichteten Task Force des Berliner Senats intensiv mit dem Worst-Case-Szenario „Triagierung“.
Work-Life-Balance, geregelte Arbeitszeiten – in altersgemischten Stationsteams prallen Welten aufeinander. Wie sich der Generationenkonflikt im Krankenhaus lösen lässt, weiß Professor Wolfgang Kölfen, Chefarzt und Kommunikationsberater aus Mönchengladbach.
Die Universitätsmedizin Essen ist Smart Hospital und aktiv am Aufbau des virtuellen Krankenhauses in Nordrhein-Westfalen beteiligt. Über die Chancen der digitalen Transformation und die Hürden auf diesem Weg hat Gesundheitsstadt Berlin mit der Digital Change Managerin der Universitätsmedizin Dr. Anke Diehl gesprochen.