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Wie sinnvoll ist die dritte Impfung für Risiko-Patienten?

Freitag, 6. August 2021 – Autor:
Risiko-Patienten sollen eine dritte Impfung erhalten, um sie besser gegen Covid-19 zu schützen. Denn einige Geimpfte entwickeln nur einen schwachen Immunschutz. Wie lassen sich Stärke und Dauer des Immunschutzes messen?
Mit der dritten Impfung sollen Risikopatienten besser vor Corona geschützt werden

– Foto: Adobe Stock/ 9dreamstudio

Risiko-Patienten sollen bald eine dritte Impfung erhalten, um sie besser gegen Covid-19 zu schützen. Denn einige Geimpfte entwickeln nur einen schwachen Immunschutz. Wie lassen sich Stärke und Dauer des Immunschutzes messen? Darüber diskutierten Immunologen auf Einladung des Media Science Center.

Dabei waren Dr. Christine Dahlke von der Klinischen Infektionsimmunologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Dr. Maike Hofmann vom Translational experimental immunology lab am Universitätsklinikum Freiburg und Prof. Leif Erik Sander, Leiter der Forschungsgruppe Infektionsimmunologie und Impfstoffforschung an der Charité - Universitätsmedizin.

Wie sinnvoll ist die dritte Impfung für Risiko-Patienten

Generell scheint der Schutz vor allem gegen schwere Covid-19-Verläufe und Tod lange anzuhalten, das zeigen Nachbeobachtungen zum mRNA-Impfstoff von Biontech/Pfizer. Schwächer ist die Immunantwort und damit die Wirkung der Impfung bei Risiko-Patienten wie immungeschwächten, sehr alten und pflegebedürftigen Menschen.

Sander untersuchte 81-jährige Senioren ohne schwerwiegende Erkrankungen. Selbst bei ihnen waren die Antikörper nach der zweiten Impfung kaum messbar und die zelluläre Immunabwehr durch B- oder T-Zellen reduziert. Für diese Bevölkerungsgruppe wäre eine dritte Impfung (Booster-Impfung) also sinnvoll.

 

Immunschutz lässt sich nicht regelhaft messen

Ein Problem: Der Titer der nach der Impfung oder einer Infektion gebildeten Antikörper lässt sich messen. Der Status der fast noch wichtigeren zellulären Immunabwehr über B- und T-Zellen lässt sich nur aufwendig in Spezial-Labors im Rahmen von Studien bestimmen. Das heißt, es ist nicht möglich, routinemäßig die Ausprägung des Immunschutzes zu überprüfen.

In Deutschland sollen auch diejenigen eine erneute Impfung bekommen, die zuvor einen Vektor-Impfstoff von AstraZeneca oder Johnson&Johnson erhielten. Dr. Christine Dahlke: "Man weiß, dass die Zahl der Antikörper bei ihnen geringer ist, diese Impfstoffe induzieren aber gut T-Zellen". Mit der Booster-Impfung mit mRNA-Impfstoffen ließe sich der Antikörper-Titer hochfahren.

Impfstrategie beruht auf Erfahrungswerten

Ob auch alle anderen Geimpften nach Ablauf einer bestimmten Frist eine erneute Impfung benötigen, können die Experten zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen. Dr. Maike Hoffmann: "Wir wissen nicht, wie lang die Immunität anhält." Zum Vergleich: Gegen Grippe muss man sich einmal im Jahr impfen lassen, bei anderen Infektionserkrankungen reicht eine Auffrischung nach zehn Jahren.

Fazit der Wissenschaftler: Bislang gibt es keinen Wert, der als klare Zielvorgabe für Impfungen dienen könnte und der sich mit Auffrischungs-Impfungen anpeilen ließe. Damit fehlt ein Marker, um die Entscheidung über die künftige Impfstrategie zu leiten, so Sander. Da sich Booster-Impfungen bei anderen Infektionskrankheiten bewährt haben, geht man zunächst diesen Weg, bis die Forschung mehr Klarheit bringen kann.

Bei Delta können auch Geimpfte ansteckend sein

Weiter belegen Zahlen aus Israel, dass sich auch Geimpfte mit der Delta-Variante anstecken und kurzfristig eine ähnlich hohe Viruslast wie Ungeimpfte haben. Auch Geimpfte können also ansteckend sein und die Delta-Variante verbreiten. Für Mediziner Sander ein weiterer Grund, Risikogruppen durch eine Booster-Impfung besser zu schützen.

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