. Chronischer Stress

Wie sich Betroffene einem Stalker gegenüber verhalten sollten

Stalking ist ein weit verbreitetes Phänomen. Bei den Opfern kann es Symptome einer psychischen Erkrankung auslösen. Ein Experte gibt Rat, wie sich Betroffene dem Stalker gegenüber verhalten sollten.
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Stalking-Opfer sollten jeglichen Kontakt mit dem Täter meiden

Stalking ist mittlerweile ein weit verbreitetes Phänomen. Abhängig von der jeweiligen Definition werden acht bis 25 Prozent einmal in ihrem Leben Opfer eines Stalkers. Das Nachstellen löst beim Opfer häufig Symptome einer psychischen Erkrankung aus.

In der Fachzeitschrift  PSYCH up2date erläutert ein Experte, welche Stalking-Typen es gibt. Prof. Harald Dreßing, Leiter der Forensischen Psychiatrie am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim, listet außerdem Verhaltensregeln für den Umgang mit Stalkern auf.

Stalking stellt eine chronische Stresssituation dar

Der englische Begriff Stalking entstammt der Jägersprache und bezeichnet das Anpirschen und Heranschleichen an die Beute. Wo die harmlose Kontaktsuche endet und das Stalking beginnt, ist bislang nicht eindeutig definiert.

Klar ist jedoch, dass Stalker ihre Opfer verfolgen, belästigen, und mit wiederholten Kontaktversuchen in Angst versetzen. Das hat Auswirkungen auf das Leben der Betroffenen. "Stalking stellt für die Betroffenen eine chronische Stresssituation dar. Sie zeigen häufig Symptome einer posttraumatischen Belastungsstörung oder einer Depression", schreibt Prof. Dreßing weiter.

 

Risikoanalyse des Täters ist wichtig

Das Gefühl der Bedrohung, das die Betroffenen empfinden, ist durchaus berechtigt: Stalking kann gewalttätig eskalieren und in seltenen Fällen sogar in ein Tötungsdelikt münden. "Eine der wichtigsten Aufgaben des behandelnden oder beratenden Psychotherapeuten ist daher die Risikoanalyse", so Dreßing.

Als Warnsignal gilt es etwa, wenn der Stalker bereits Suizid- oder Tötungsgedanken geäußert hat. Auch von Stalkern, die substanzabhängig sind, Zugang zu Waffen haben oder bereits früher gewalttätig geworden sind, geht eine erhöhte Gefahr aus.

Psychiater ordnen die Stalker in fünf Typen ein

"Fast die Hälfte zählt zu den sogenannten Ex-Partner-Stalkern", erläutert Dreßing. Diese hatten bereits eine intime Beziehung zum Opfer und beginnen die Verfolgung, nachdem diese Beziehung zerbrochen ist. Weil hier auch Rache als Motiv infrage kommt, besteht ein erhöhtes Risiko für Drohungen und Übergriffe.

Ein erhöhtes Gewaltrisiko geht auch vom sogenannten beutelüsternen Stalker aus: Er wählt sein Opfer mehr oder weniger zufällig aus und verfolgt es, um einen sexuellen Übergriff zu planen. "Das Stalking dient hier definitiv als Vorbereitung einer gewaltsamen Handlung", sagt Dreßing.

Experten kennen auch den Liebe suchenden Stalker

Des Weiteren kennen Experten Liebe suchende Stalker. Sie sind im Liebeswahn davon überzeugt, dass ihr Opfer sie eigentlich auch liebe, auch wenn vorher keine Beziehung bestanden hat. Der Rache suchende Stalker möchte hingegen die Zielperson aufgrund eines vermeintlichen, oft im beruflichen Umfeld geschehenen Unrechts in Angst versetzen.

Der inkompetente Stalker hat eine geringe soziale Kompetenz. Es fällt ihm deshalb schwer, Kontakte zu knüpfen und Beziehungen aufrechtzuerhalten. Durch Stalkingverhaltensweisen versucht er eben das zu erreichen, ist aber nicht in der Lage, Zurückweisungen richtig zu interpretieren.

Stalking liegt selten psychotische Störung zugrunden

Auch wenn Stalking immer als abnormes Verhalten zu bewerten ist, liegt dem Problem nur selten eine psychotische Störung zugrunde. "Bei der größten Gruppe der Stalkingfälle ist beim Täter keine gravierende psychiatrische Diagnose zu stellen", ist Dreßing überzeugt. Stalking sei daher in den meisten Fällen als kriminelles Delikt und nicht als Krankheit zu werten.

Psychotherapeuten können selbst Stalkingopfer werden

Nicht zuletzt können auch Psychiater und Psychotherapeuten in ihrem beruflichen Kontext selbst zu Stalkingopfern werden - und zwar deutlich häufiger als der Bevölkerungsdurchschnitt.

Stalkingopfern wird generell dazu geraten, ihren Wunsch nach Beendigung aller Kontakte nur einmal, aber unmissverständlich zu äußern. Alle weiteren Annäherungsversuche sollten dann komplett ignoriert werden. "An diese Regel sollten sich auch Therapeuten halten", sagt Dreßing. Zu einer professionellen Reaktion gehöre es, das Therapieverhältnis nach dem ersten "Warnschuss" sofort zu beenden.

Verhaltensregeln für den Umgang mit Stalkern

  1. Nur eine, dafür aber unmissverständliche Erklärung, dass kein Kontakt gewünscht wird

  2. Absolutes Ignorieren weiterer Kontaktangebote

  3. Herstellen von Öffentlichkeit, das heißt, Nachbarn, Kollegen und Freunde informieren

  4. Dokumentation aller Vorkommnisse

  5. Bei Telefonterror: alte Telefonnummer nicht abmelden, sondern damit die Stalkinganrufe mit einem Anrufbeantworter aufzeichnen, aber nicht entgegennehmen. Entgegennahme von Gesprächen nur unter einer Geheimnummer

  6. Frühzeitige Anzeige bei der Polizei. Die Entscheidung hat aber die betroffene Person zu treffen und sollte dazu nicht gedrängt werden.

Foto: gina sanders/fotolia.com

Autor: bab
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