. Candida albicans

Wie Pilze resistent gegen Fluconazol werden können

Fluconazol wird zur Bekämpfung von hartnäckigen Pilzinfektionen eingesetzt. Forscher konnten nun zeigen, dass das Medikament den Pilz Candida albicans resistenter machen kann, indem es seine Fortpflanzungsweise verändert.
Fluconazol, Pilzinfektionen, Pilze, Candida albicans, Resistenz

Candida albicans ist bei vielen Menschen zu finden, ohne dass er beschwerden macht; in einigen Fällen kann er jedoch schwere Erkrankungen auslösen

Fluconazol gehört zur Wirkstoffgruppe der Antimykotika. Er wird eingesetzt, um Pilzinfektionen der Haut, Schleimhäute, Hirnhäute oder inneren Organe zu bekämpfen. Bei einer geschwächten Immunabwehr wie beispielsweise durch eine Chemo- oder Strahlentherapie kann Fluconazol auch zur Vorbeugung von Pilzinfektionen angewendet werden. In erster Linie wirkt das Medikament gegen Pilze der Gattung Candida. Fluconazol hemmt die Aktivität von Enzymen, welche notwendig sind, damit die Pilzzellen eine stabile Zellmembran bilden können; ohne funktionierende Membran sterben die Pilze ab. Allerdings hat die Behandlung offenbar auch eine Schattenseite, denn Fluconazol kann die Pilze noch resistenter machen.

Fluconazol kann lebensbedrohliche Pilzinfektionen bekämpfen

Bei den meisten Menschen ist der Hefepilz Candida albicans zu finden, ohne dass er Probleme macht. Vermehrt er sich jedoch zu sehr oder sind immungeschwächte Patienten betroffen, kann er langwierige, zum Teil sogar lebensbedrohliche Infektionen verursachen. Dann wird häufig das Medikament Fluconazol eingesetzt, oft mit guter Wirkung. Allerdings ist auch bekannt, dass der Hefepilz Candida albicans gegen das Medikament resistent werden kann. Die dafür verantwortlichen Mechanismen wurden bereits zum großen Teil geklärt. Nun hat eine Arbeitsgruppe von Professor Joachim Morschhäuser vom Institut für Molekulare Infektionsbiologie der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) weitere wesentliche Erkenntnisse dazu beigesteuert.

Die Resistenz gelingt dem Pilz mit zahlreichen Mechanismen. Einen davon konnten die Forscher um Professor Morschhäuser nun nachweisen. Normalerweise vermehrt sich Candida albicans ungeschlechtlich, durch Zellteilung. Das Forscherteam hat jedoch herausgefunden, dass resistente Pilzzellen in Gegenwart von Fluconazol auf geschlechtliche Fortpflanzung umschalten können. In diesem Fall verschmelzen die Zellen über spezielle Fortsätze und vereinigen ihr Erbgut. In den Nachkommenzellen werden verschiedene Resistenzmechanismen neu kombiniert, und diese werden noch unempfindlicher beziehungsweise hoch resistent gegen Fluconazol.

 

Pilz verändert seine Fortpflanzung

„In unseren Untersuchungen fanden wir heraus, dass sich bei Behandlung mit Fluconazol die Zellen durchsetzen, die die vorteilhaften Resistenzmerkmale behalten haben“, so Erstautorin Christina Popp. Fluconazol selektiert nicht nur auf Resistenzmutationen, sondern könne gleichzeitig zu Veränderungen im Erbgut führen, die den normalerweise asexuellen Pilz „paarungskompetent“ machen und es den Zellen erlauben, individuell erworbene Resistenzmechanismen zu kombinieren und dadurch hochresistente Nachkommen zu erzeugen.

Morschhäuser vermutet, dass die hier beschriebenen Resistenzmechanismen nur ein Beispiel dafür sind, wie sich Candida albicans in seinem Wirt verändern kann. Als nächstes will sein Team darum untersuchen, ob auch andere Formen der Anpassung auf ähnliche Weise dazu beitragen, dass sich der Pilz erfolgreich in unterschiedlichen Wirtsnischen etablieren kann. Die Forscher hoffen, durch dieses Wissen zur Entwicklung besserer Medikamente sowie zur Überwindung von Resistenzen beitragen zu können.

Foto: © Kateryna_Kon - Fotolia.com

Autor: anvo
Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Infektionskrankheiten
 

Weitere Nachrichten zum Thema Pilzinfektionen

| Der Hefepilz Candida auris ist weltweit auf dem Vormarsch. Gefährdet sind vor allem Personen mit einem bereits geschwächten Immunsystem; bei ihnen kann eine Infektion sogar tödlich verlaufen. In Deutschland gibt es bislang aber nur wenige Fälle.
 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
Bei der Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS) handelt es sich um eine psychische Erkrankung, die unter anderem durch Impulsivität sowie instabile Emotionen und zwischenmenschliche Beziehungen gekennzeichnet ist. Forscher haben nun herausgefunden, dass bei Betroffenen eine erhöhte Aktivität spezifischer Spiegelneuronen zu finden ist.
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender

Gesundheitsakademie, Oudenarder Straße 16, 13347 Berlin, Haus A, Aufgang D 06, 1. OG, Seminarraum siehe Info-Tafel am Eingang
 
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Kliniken
. Interviews
Mit der Digitalisierung des Gesundheitswesens sind viele Chancen verbunden. Bei manchen Bürgern löst das Thema aber auch Ängste und Sorgen aus. Gesundheitsstadt Berlin hat mit Prof. Dr. Erwin Böttinger, einem der weltweit führenden Forscher im Bereich Digital Health, über die elektronische Patientenakte und andere digitale Lösungen gesprochen.