Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Wie man Badeunfällen vorbeugen kann

Mehr als 500 Menschen sind 2018 bei Badeunfällen ertrunken – die meisten davon waren Männer. Unfälle geschahen oft in unbewachten Flüssen und Seen - und häufig unter Alkohol. Hier ein paar Tipps, was man bei allem Badespaß tun kann, um Notfälle zu vermeiden.
Mann beim Baden mit grüner Schnapsflasche, hellem Sonnenhut  und Kipper

Mann plus Alkohol gleich Badeunfall: Die meisten Badetoten in Deutschland sind Männer. Selbstüberschätzung und Leichtsinn spielen eine Rolle - und oft auch der Alkohol.

Leichtsinn, Selbstüberschätzung, Unterschätzung der Gefahren im Wasser und Alkoholkonsum: Dies waren die wesentlichen Gründe dafür, warum im vergangenen Jahr in Deutschland so viele Menschen beim Baden ums Leben gekommen sind. 504 Personen waren es nach Zahlen der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG). Auffällig daran: Die Zahl der Todesfälle schnellte gegenüber dem Vorjahr um 100 Fälle oder 20 Prozent in die Höhe; drei Viertel der Opfer waren Männer. Doch mit dem besonders heißen Sommerwetter allein sei dieser Anstieg nicht zu erklären, sagte DLRG-Präsident Achim Haag damals anlässlich der Jahresbilanz.

Weil auch im laufenden Jahr der Sommer in Deutschland Hitzewerte erreicht, die bisher nur an südländischen Küsten üblich waren, suchen viele Menschen wieder die Abkühlung, um die Sahara-Temperaturen zu ertragen. Dies tut der Gesundheit erst mal gut. Trotzdem lauern beim Baden im Wasser Gefahren – aber das Problem sind offenbar die Menschen, die diese Gefahren nicht richtig einschätzen.

Besonders gefährlich: Ohne Vorabkühlung ins Wasser springen

„Wer nicht richtig schwimmen kann, ohne Abkühlung ins Wasser springt oder die Tücken des Gewässers nicht kennt, geht unnötige Gefahren ein“, sagt Klaus Möhlendick, Sportwissenschaftler bei der Barmer. Möhlendicks Empfehlung: Langsam ins frische Wasser gehen und nicht einfach springen. Denn: Sonst ziehen sich die Blutgefäße zusammen und pumpen in kurzer Zeit zu viel Blut auf einmal zum Herz. Dies belastet die rechte Herzkammer übermäßig und kann zu Rhythmusstörungen führen. Außerdem wird ein Reflex ausgelöst, wenn kaltes Wasser auf das Gesicht trifft. Herzfrequenz und Blutdruck können dadurch rasch abfallen.

 

Nie mit leerem Magen ins Wasser

Viele Schwimmer unterschätzen offenbar auch Strömungen im Wasser oder plötzlich auftretende Kaltzonen. Dabei ermüde man rascher und benötige sehr viel Energie, sagt Möhlendick: „Auch aus diesem Grund ist es sinnvoll, nicht mit leerem Magen ins Wasser zu gehen, sondern geraume Zeit zuvor etwas zu essen.“ Herrschen dann auch noch über einen längeren Zeitraum hohe Temperaturen oder schwitzt man viel, ist es gut, auch mal etwas Salziges zu essen.

DLRG: „Ertrinken ist ein männliches Problem“

Laut DLRG waren 407 der insgesamt 504 Badetoten Männer. „Ertrinken scheint ein männliches Problem zu sein“, sagt DLRG-Sprecher Achim Wiese. Ursachen seien vielfach Leichtsinn, Risikobereitschaft und Selbstüberschätzung. Dass rund 80 Prozent der Badetoten in Deutschland Männer sind, wird nicht zuletzt mit „maskulinem" Trinkverhalten erklärt. „Keinesfalls sollte man vor dem Schwimmen Alkohol trinken, weil das die Gefäße erweitert. Beim Eintauchen ins Wasser ist dann im Extremfall ein Kälteschock möglich, selbst wenn das Wasser etwa 20 Grad warm ist“, sagt Barmer-Experte Möhlendick.

Deutschland: Immer weniger Leute können sicher schwimmen

Neben Männer im Speziellen wird folgenden Bevölkerungsgruppen im Allgemeinen dazu geraten, beim Baden vorsichtig zu sein: Untrainierten und Senioren, weil ihnen die Kraft schnell ausgeht, oder etwa auch Menschen mit Herzproblemen. Und: unerfahrenen Schwimmer oder gar nicht Nichtschwimmern. Die DLRG weist darauf hin, dass im hochzivilisierten Industrieland Deutschland noch immer ein beachtlicher Teil der Bevölkerung offenbar nicht schwimmen kann. Mehr noch: Die Schwimmfähigkeit sei sogar rückläufig, vor allem bei den Schulkindern und damit einer ganzen nachwachsenden Generation. Nach Angaben der DLRG sind rund 60 Prozent der 10-jährigen keine sicheren Schwimmer. „Wer schlecht oder nicht schwimmen kann, sollte unabhängig vom Alter nie allein oder unbeaufsichtigt ins Wasser gehen“, rät deshalb Barmer-Sportexperte Möhlendick.

Nur fünf Prozent der Badetoten gab es am Meer

Anders als man erwarten mag, ereignen sich die meisten tödlichen Badeunfälle nicht in den eher wilden maritimen Gewässern der Nord- und Ostsee, sondern im Binnenland: 161 Menschen ertranken in Flüssen, 233 in Seen. Eine Erklärung dafür: Binnengewässer werden in den seltensten Fällen von Rettungsschwimmern bewacht. „Das Risiko, zu ertrinken, ist hier deutlich höher", sagt DLRG-Präsident Haag. Ein schlichtes Badeverbotsschild halte die wenigsten davon ab, hier ins Wasser zu gehen. An deutschen Meeresküsten, die zugleich stärker von Rettungsschwimmern bewacht sind, starben im Jahr 2018 25 Menschen, 21 davon in der Ostsee.

Foto: Fotolia.com/Валерий Моисеев

Autor:
Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Blutdruck , Herz-Kreislauf-System , Hitze , Klimawandel , Notfallmedizin , Sportmedizin , Sport
 

Weitere Nachrichten zum Thema Gesundheit im Sommer

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten

Ältere Menschen scheint die Covid-Impfung nicht vollständig vor einer Infektion mit dem Coronavirus zu schützen. Das zeigen wiederholte Ausbrüche in Pflegeheimen. Wissenschaftler der Charité haben nun einen Ausbruch näher untersucht – und kommen zu interessanten Ergebnissen.

Zivilgesellschaftliche Organisationen haben mit ihrem Engagement unter Krisenbedingungen maßgeblich dazu beigetragen, dass Deutschland vergleichsweise gut durch die Corona-Zeit gekommen ist. Aber die Krise hat auch Spuren hinterlassen. Was muss sich tun, damit diese tragende Säule der Demokratie auch nach der Pandemie stark bleibt? Das diskutierten Experten und Politiker auf einer Fachtagung von Gesundheitsstadt Berlin und Paritätischem Wohlfahrtsverband.
 
Kliniken
Interviews
Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.


Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.
Logo Gesundheitsstadt Berlin