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Wie lässt sich die Qualität der Krankenhausversorgung verbessern?

Freitag, 26. November 2021 – Autor:
Wie lässt sich die Qualität der Krankenhausversorgung verbessern? Darüber diskutierten Experten auf dem 15. Nationalen Qualitätskongress Gesundheit in Berlin. Tenor: Instrumente wie Mindestmengen und Register müssen erweitert werden.
IQTIG-Leiter Prof. Claus-Dieter Heidecke auf dem Nationalen Qualitätskongress Gesundheit

Prof. Dr. Claus-Dieter Heidecke, MBA, Leiter, Institut für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen (IQTIG) beim 15. Nationalen Qualitätskongress Gesundheit – Foto: Gesundheitsstadt Berlin

Wie lässt sich die Qualität der Krankenhausversorgung verbessern? Darüber diskutierten Experten auf dem 15. Nationalen Qualitätskongress Gesundheit in Berlin. Bestehende Instrumente wie Mindestmengen und Register müssten erweitert werden, so der Tenor. Klar wurde aber auch: Es gibt weder übergreifende Kriterien noch umfassende Mess-Methoden.

Fast 2.000 Kliniken gibt es hierzulande, damit nicht jede alle aufwändigen Eingriffe anbietet, wurden Mitte der 2000er Jahre die Indestmengen eingeführt. Bei komplizierten Eingriffen garantiert erst eine bestimmte Zahl jährlicher Behandlungen ein Mindestmaß an Erfahrung und damit eine gewisse Qualität.

Nicht alle komplizierten OPs von Mindestmengen erfasst

Die Zahl der Kliniken, die minimalinvasive Herzklappeneingriffe durchführten, war jährlich gestiegen. Nach der Einführung der Mindestmengen sank sie wieder. Das erläutert Dr. Martin Albrecht, Geschäftsführer des IGES-Instituts. Hier griff die Regelung, doch nur ein Bruchteil der Behandlungen ist bislang von den Mindestmengen erfasst.

Das anhaltende Gefälle bei der Versorgungsqualität schildert er am Beispiel Brandenburg: Hier bieten 51 Krankenhäuser eine Schlaganfall-Notversorgung an, nur wenige behandeln mindestens 300 Fälle im Jahr, einige unter 50. Und nur an zwölf Standorten gibt es eine Stroke Unit.

 

Im Zweifel mit dem Hubschrauber in die Spezialklinik

Das kritisiert auch Ulrike Elsner, Vorstandsvorsitzende des Verbands der Ersatzkassen (vdek). Es gebe nach wie vor zu viele Krankenhäuser, die Leistungen erbringen, für die sie nicht optimal geeignet sind. Die Ergebnisse seien dann nicht so gut. Im Zweifel solle ein Patient besser mit dem Rettungshubschrauber in die weiter entfernte, spezialisierte Klinik gebracht werden.

Ein weiteres Instrument sind die schon länger eingeführten Register. "Ein Nachweis für Qualität", meint Prof. Claus-Dieter Heidecke hin, Leiter des Instituts für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen (IQTIG). Im Register zu Knieendoprothesen etwa lässt sich ablesen, welche Klinik wieviel OPs durchgeführt hat und wie oft erneute Einweisungen nötig waren. Nachteil: Sie beschränken sich bislang auf chirurgische Disziplinen, für internistische Behandlungen etwa gibt es das nicht.

Welche Rolle spielen Patientenerfahrungen?

Warum Patientenerfahrungen nicht in die Bewertung der Krankenhäuser einfließen, fragt Dr. Franz Dormann, Geschäftsführer von Gesundheitsstadt Berlin und Moderator der Expertenrunde. In den USA gebe es das bereits, berichtet Albrecht, dort wird bei der Entlassung nach Kommunikation mit Ärzten und Pflegern, Sauberkeit und Ruhe gefragt. Das geht in das Qualitätsurteil ein. Auch hierzulande sollte das Standard werden.

Wichtig sei es Qualitätsberichte besser zugänglich zu machen. Dann könnten Patienten sich vor einem geplanten Eingriff besser für eine Klinik entscheiden, schlägt Ulrike Elsner vor. Heidecke hingegen hält das für wenig realistisch: 80 Prozent der Patienten entscheiden sich innerhalb einer Woche, auf Basis eigener Erfahrungen oder Tipps aus dem Umfeld oder nach der Empfehlung des Hausarztes.

Mehr Geld nicht zwingend mehr Qualität

Mehr Qualität in der Behandlung lässt sich jedenfalls nicht zwingend durch mehr Geld erreichen, davon ist Albrecht überzeugt. "Das interessiert nur das Klinikmanagement, die Ärzte sind doch eher intrinsisch motiviert". In den USA wurden Krankenhausvergütungen an Qualität gekoppelt. Damit ging zwar die Zahl der Krankenhausinfektionen zurück, ansonsten zeigte sich: Qualität ist schwer zu messen.

Das wäre besser möglich, wenn die Routinedaten ausgelesen werden dürften, fordert Heidecke. Das sind unter anderem die Patientendaten der gesetzlichen Krankenkassen. "Dann wissen wir, wer war Erstversorger, wer war Nachversorger, gab es eine Wiederaufnahme in die Klinik", so der Mediziner,  lange Klinikchef und zuletzt ärztlicher Vorstand am Universitätsklinikum Greifswald. So ließen sich Auffälligkeiten feststellen.

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