Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Wie Kokain dem Herzen schadet

Mittwoch, 14. Februar 2018 – Autor: anvo
Dass Kokain dem Herzen schadet und einen Herzinfarkt auslösen kann, ist schon lange bekannt. Nun ist ein Fall bekannt geworden, bei dem die Droge zu einem tödlichen Riss des Herzmuskels (Myokardruptur) geführt hat.
Kokain, Kokainsucht, Herzinfarkt durch Kokain, Mykoardruptur durch Kokain

Kokain kann schon nach kurzer Zeit zum Tode führen – Foto: ©adragan - stock.adobe.com

Kokain gilt nach wie vor als Szenedroge. In der Gesellschaft hat es zum Teil sogar den Ruf einer Droge für die Reichen und Schönen und hat auf diese Weise an Akzeptanz gewonnen. Doch Kokain führt nicht nur zur schweren psychischen Abhängigkeit. Auch Kardiologen warnen schon lange vor den negativen Folgen für die Herzgesundheit. Nun ist ein Fall bekannt geworden, in dem ein Mann in Italien in Folge seines Kokainkonsums trotz intensiver Reanimationsmaßnahmen gestorben ist. Der Grund: Die Droge hat eine tödliche Myokardruptur (Herzmuskelriss) ausgelöst.

Zwei Zentimeter langer Riss im Herzmuskel

Forscher um Adelaide Conti von der Universität in Brescia in Italien berichteten über den 25-jährigen Mann, der bewusstlos im Badezimmer aufgefunden wurde. Innerhalb weniger Minuten war der Notarzt da, der mit der kardiopulmonalen Reanimation begann. Trotzdem konnte nach einer Stunde nur noch der Tod des jungen Mannes festgestellt werden. Die Angehörigen gaben an, dass der Patient regelmäßig Kokain konsumiert habe. Sowohl im Blut als auch im Urin des Mannes fanden sich hohe Konzentrationen der Droge.

Bei der Obduktion fanden die Ärzte neben einer sternalen Fraktur in Höhe des dritten Interkostalraumes, den die Ärzte auf die Reanimationsmaßnahmen zurückführten, eine massive kardiale Tamponade sowie eine etwa zwei Zentimeter lange komplette Myokardruptur im Bereich der freien linksventrikulären Wand. Im Rahmen der histologischen Untersuchung wurden zudem weitere Schäden am Herzen festgestellt. Die Ärzte sind überzeugt, dass ein Myokardinfarkt mit anschließender Ruptur der linken Ventrikelwand zum plötzlichen Tod des jungen Mannes geführt haben muss, getriggert durch einen - vermutlich wiederholten - Kokainkonsum innerhalb der vorausgegangenen 48 Stunden.

 

Kokain erhöht Risiko für Angina Pectoris und Herzinfarkt

Dass Kokain Herzrhythmusstörungen oder sogar Herzinfarkte bedingen kann, ist schon lange bekannt. Mediziner erklären die Herzgefahr so: Kokain erhöht den Blutdruck und beschleunigt den Puls, wodurch das Herz mehr Sauerstoff benötigt. Gleichzeitig kommt es zu einer Engstellung der Gefäße. Die Durchblutung wird gedrosselt, was die Sauerstoffnot am Herzen verstärkt. Es drohen Angina Pectoris oder sogar ein Herzinfarkt. In der ersten Stunde nach der Einnahme von Kokain ist das Risiko für einen Infarkt sogar um das 24-Fache erhöht. Auf lange Sicht begünstigt chronischer Kokainkonsum zudem Arteriosklerose. Myokardrupturen wie im vorliegenden Fall sind bislang jedoch noch nicht beschrieben worden.

Als Pathomechanismus vermuten die italienischen Ärzte, dass infolge des wiederholten Kokainkonsums des Patienten die Herzfrequenz und -kontraktilität sowie der Blutdruck rapide gestiegen und gleichzeitig aufgrund von Koronarspasmen die Blutversorgung des Myokards stark abgefallen sei, was schließlich zum Infarkt und infolge zur Myokardruptur geführt habe. Der Fall zeigt, wie gefährlich die „Partydroge“ Kokain tatsächlich sein kann – und das nicht erst nach jahrelangem Missbrauch.

Foto: © adragan - Fotolia.com

Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Sucht , Drogen , Herzinfarkt
 

Weitere Nachrichten zum Thema Drogen

 

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten


Die Zahl der Apotheken vor Ort geht zurück, der Marktanteil der Online-Apotheken steigt. Doch welche Versandapotheken sind vertrauenswürdig? Für wen ist der Einkauf im Internet sinnvoll? Und kann man gefälschte Arzneimittel erkennen?
 
Interviews
Zöliakie kann in jedem Lebensalter auftreten und ein buntes Bild an Beschwerden machen. Bislang ist das wirksamste Gegenmittel eine glutenfreie Ernährung. Gesundheitsstadt Berlin hat mit PD Dr. Michael Schumann über die Auslöser und Folgen der Autoimmunerkrankung gesprochen. Der Gastroenterologe von der Charité hat an der aktuellen S2K-Leitinie „Zöliakie“ mitgewirkt und weiß, wodurch sich die Zöliakie von anderen Glutenunverträglichkeiten unterscheidet.

Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.

Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin