. China-Restaurant-Syndrom

Wie Glutamat dem Körper schaden kann

Migräne, Übelkeit, Kribbeln, Nesselsucht – all das sind Symptome, die einer Glutamat-Unverträglichkeit zugeschrieben werden. Einem Fallbericht deutscher Neurologen zufolge kann nun wahrscheinlich noch Schwindel dazu gerechnet werden.
Glutamat kann Kopfschmerzen und Schwindel auslösen

Glutamat kommt besonders häufig in chinesischem Essen vor

Bisher konnte Glutamat als Ursache von Beschwerden wie Kopfschmerzen, Übelkeit oder Ausschlag nicht eindeutig durch Studien nachgewiesen werden. Doch viele Menschen sind davon überzeugt, dass die anfallsartig auftretenden Symptome mit dem Verzehr von Glutamat-haltigen Speisen zusammenhängen. Besonders nach chinesischem Essen, das in vielen Fällen mit dem Geschmacksverstärker versetzt ist, klagen Menschen oft über Beschwerden. Nun haben Forscher ein weiteres Symptom entdeckt, das auf Glutamat zurückzuführen sein könnte, und auch eine Erklärung für den Wirkmechanismus geliefert.

Schwindel als Folge von Glutamat?

Wie die Ärzte um Professor Bernd Kieseier von der Universität in Düsseldorf im „Journal of Neurology“ berichteten, war ein 53-jähriger Mann mit so starkem Schwindel in die Notaufnahme eingeliefert worden, dass er nicht einmal mehr selbständig gehen konnte. Die Symptome waren 30 Minuten nach dem Verzehr scharfer chinesischer Würstchen aufgetreten. Nachdem die Mediziner andere mögliche Ursachen wie einen Hirninfarkt, einen Tumor oder Morbus Menière ausgeschlossen hatten und auch das Hörvermögen des Mannes keine Defizite aufwies, blieb nur noch eine mögliche Erklärung übrig: eine Glutamat-Unverträglichkeit, auch bekannt als „China-Restaurant-Syndrom“.

Das Symptom erklären die Forscher mit der hohen Dichte bestimmter Glutamatrezeptoren im Corti-Organ, das im Ohr sitzt und sehr viele Haarzellen aufweist, welche wiederum beim Hören eine wichtige Rolle spielen. „Es wäre daher durchaus plausibel, wenn Natriumglutamat direkt auf das vestibuläre System einwirkt und Schwindel verursacht“, so Kieseier.

Glutamat kommt auch in Käse und Tomaten vor

Glutamate sind die Ester und Salze der Glutaminsäure. Als Geschmacksverstärker wird am häufigsten Mononatriumglutamat (E621), ein Salz der L-Glutaminsäure, verwendet. L-Glutaminsäure findet sich aber nicht nur in Geschmacksverstärkern, sondern auch in unverarbeiteten Lebensmitteln wie Käse, Lachs oder Tomaten. Manche Menschen, die häufig unter Migräneanfällen leiden, verzichten daher auf diese Nahrungsmittel. In besonders großen Mengen wird Mononatriumglutamat in Fertigprodukten wie Tiefkühlpizza, Tütensuppen oder Kartoffelchips verwendet.

In den meisten EU-Ländern ist Glutamat als Geschmacksverstärker uneingeschränkt zugelassen, für Tageshöchstdosen gibt es in der Regel keine Angaben. Allerdings ist Natriumglutamat in Deutschland bei der Verarbeitung von Babynahrung verboten. Die Geschmacksverstärker sind auf Lebensmittelverpackungen durch die E-Nummern E 620 bis E 625 angegeben.

Foto: © Sergey - Fotolia.com

Autor: red
Hauptkategorie: Medizin

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