Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
14.09.2020

Wie gesund ist Yoga wirklich?

Was bringt Yoga für die Gesundheit? Studien kommen bei dieser Frage zu unterschiedlichen Ergebnissen. Dennoch verdichten sich die Hinweise, dass Yoga insbesondere auf das Nervensystem, die Beweglichkeit und den Blutdruck positive Effekte haben kann.
Yoga, Gesundheit

Yoga kann die Gesundheit auf verschiedene Weise stärken

Chronische Schmerzen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, psychischen Beschwerden: In den vergangenen Jahren haben immer mehr Studien Hinweise auf die gesundheitsfördernden Effekte von Yoga bei verschiedenen Erkrankungen geliefert. Doch was ist wirklich dran am Hype um die fernöstliche Bewegungs- und Meditationsform? Experten bemängeln, dass die meisten Studien zum Thema von niedriger Qualität sind. So fehlt bei einigen Analysen der Vergleich mit anderen Sportarten, bei anderen ist die Teilnehmerzahl zu klein für valide Ergebnisse. Dennoch scheint die Wirkung der Übungen auf einige Körperfunktionen nicht von der Hand zu weisen zu sein.

Yoga für den Rücken: Nicht immer bringt es Verbesserungen

Gerade beim Thema Rückengesundheit, für die Yoga besonders empfohlen wird, kommen die Studien zu durchaus widersprüchlichen Ergebnissen. So konnte die Sportwissenschaftlerin Dr. Sabrina Rudolph von der Universität Göttingen zeigen, dass Patienten mit Rückenproblemen durch ein zehnwöchiges Yogatraining ihre Wirbelsäulenbeweglichkeit signifikant erhöhen konnten. Im Vergleich zur Kontrollgruppe, die ein funktionelles Training mit Übungen wie Kniebeugen, Ausfallschritten, Zieh- und Stoßbewegungen durchführte, konnte die Yogagruppe die Beweglichkeit der Brust- und Lendenwirbelsäule stärker verbessern.

Zu einem anderen Ergebnis kam eine Meta-Analyse der Cochrane Library von Wieland et al. Die untersuchten Studien ergaben hier nur geringe Evidenzen für eine Überlegenheit von Yoga gegenüber anderen Rückenübungen in Bezug auf die Funktionsfähigkeit der Wirbelsäule und Rückenschmerzen. Dafür zeigten verschiedene Studien sogar eine Verstärkung der Rückenschmerzen durch das Yogatraining – allerdings lag auch hier nur eine moderate bis geringe Evidenz vor.

 

Stärkung für Psyche und Herz

Auch bei der Behandlung psychischer Erkrankungen wird Yoga mittlerweile immer öfter eingesetzt. Die Effektivität der Übungen haben Psychologen des Universitätsklinikums und der Friedrich-Schiller-Universität Jena in einer Meta-Analyse untersucht. Zu den Teilnehmern gehörten Patienten mit Schizophrenien und Depressionen, aber auch solche, die unter Substanzabhängigkeiten, Angst- und anderen Störungen litten. Wie sich zeigte, hatte Yoga insgesamt einen signifikanten positiven Effekt auf die Symptome. Allerdings waren die Resultate sehr heterogen, und im Vergleich zu Sport oder Aufmerksamkeitskontrolle erwies sich Yoga nur noch als geringfügig effektiver. Die Autoren der Studie vertraten die Ansicht, dass körperorientiertes Yoga als ergänzende Behandlungsmöglichkeit bei psychischen Störungen in Betracht gezogen werden sollte.

Gut belegt sind die Effekte von Yogaübungen bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Hier ist der Nutzen sogar vergleichbar mit dem von Ausdauersport, wie eine Meta-Analyse von Forschern der Erasmus Universität Rotterdam zeigte. Die Probanden konnten durch regelmäßiges Yoga ihren Blutdruck, ihre Cholesterinwerte sowie ihr Körpergewicht reduzieren. Auch das endokrine System sowie das Nervensystem können offenbar von dem Training profitieren. Wie eine Arbeitsgruppe um Marcy McCall von der Universität Oxford nachgewiesen hat, kann Yoga den Cortisolspiegel senken, den Melatonin- und Serotoninspiegel steigern und den Anteil proinflammatorischer Zytokine mindern.

Auch ältere Menschen können Yoga erlernen

Alle Studien, die sich mit den Wirkungen von Yoga auf die Gesundheit befassen, haben den Nachteil, dass sie nicht verblindet durchgeführt werden können. Die Wirkung kann also auch zum Teil auf der Überzeugung beruhen, sich „etwas Gutes zu tun“, was nicht selten schon allgemein mit einer größeren Achtsamkeit beziehungsweise einem größeren Bewusstsein beim Thema Lebensführung verbunden ist. Doch auch dann hätten die meditativen Körperübungen einen positiven Effekt.

Ein weiterer Vorteil von Yoga gegenüber einigen anderen Körperübungen ist, dass auch unsportliche Menschen damit beginnen können. Bei Bewegungseinschränkungen können Sitzkissen, Blöcke und Gurte die Schüler unterstützen und manche Übungen erst möglich machen. Und sogar „Yogaübungen auf dem Stuhl“ kommen in Frage, so dass selbst ältere Menschen, die nicht mehr so mobil und kraftvoll sind, die positiven Wirkungen von Yoga erfahren können.

Foto: Adobe Stock / Microgen

Autor: anvo
Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Komplementärmedizin , Rückenschmerzen
 

Weitere Nachrichten zum Thema Yoga

19.06.2017

Yoga, Meditation, Qigong und andere Verfahren der Mind-Body-Medizin haben einen positiven Effekt auf unsere Gesundheit. Eine Analyse von 18 Studien zeigt nun tatsächlich Veränderungen in der Genaktivität auf. Dies betrifft vor allem die Ausschüttung von Entzündungsbotenstoffen.

18.12.2020

Immer öfter wird Meditation, inbesondere die Achtsamkeitsmeditation (MBRS) auch zur unterstützenden Bewältigung von Krankheiten angeboten. Studien zufolge kann sie nicht nur Stress und Schmerzen lindern, sondern auch das Immunsystem stärken und Entzündungsreaktionen entgegenwirken.

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
Was viele sich lange wünschten, wurde unter dem Druck der Pandemie Wirklichkeit: Arbeiten im Homeoffice. Doch jetzt zeigt sich: Die neue Freiheit ist nicht immer auch gesund. Mehr als ein Drittel der Heimarbeiter klagt über Rückenschmerzen und andere Beschwerden. Auch der negative Stress wird mehr.


Wer spät am Abend viel und Schweres isst, schläft schlecht – und umgekehrt. Das ist bekannt. Eine Studie aus den USA an über 400 Frauen zeigt jetzt: Nicht nur der Zeitpunkt des Essens ist entscheidend, sondern auch die grundsätzliche Auswahl. Wer sich also konsequent gesund ernährt, kann dauerhaft leichter ein- und besser durchschlafen.
 
Interviews
Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.

Unter dem Stichwort der „harm reduction“ werden E-Zigaretten vielfach als weniger gefährlich bezeichnet als herkömmliche Zigaretten und sogar zur Raucherentwöhnung empfohlen. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) widerspricht dieser Darstellung deutlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Pneumologen Professor Wulf Pankow über die Gefahren durch E-Zigaretten und geeignete Methoden für den Rauchentzug gesprochen.

Der klassische Medikationsprozess im Krankenhaus ist fehleranfällig. Untersuchungen untermauern das. Dabei könnte die Digitalisierung die Arzneimitteltherapie wesentlich sicherer machen. Das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) hat schon vor Jahren auf ein Closed Loop Medication Management umgestellt. Gesundheitsstadt Berlin hat mit UKE-Krankenhausapothekerin PD Dr. Claudia Langebrake über die Vorteile des digitalen Medikationsprozesses gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin