Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
13.01.2018

Wie Fastfood dem Immunsystem schadet

Jeder weiß es: Fastfood ist ungesund. Nun haben Forscher weitere beunruhigende Erkenntnisse zu Tage gebracht. Burger & Co schaden demnach langfristig dem Immunsystem.
Nicht nur lecker: Fastfood programmiert das Immunsystem um. Dauerhafte Entzündungsreaktionen sind die Folge.

Nicht nur lecker: Fastfood programmiert das Immunsystem um. Dauerhafte Entzündungsreaktionen sind die Folge.

Viel Fett, viel Zucker, wenig Ballaststoffe: Das sind die Kennzeichen von Fastfood. Füttert man Mäuse mit so einer „westlichen „ Diät, reagieren die Nager mit einer massiven körperweiten Entzündung – vergleichbar mit einer Infektion durch gefährliche Bakterien. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie unter Federführung der Universität Bonn. Besonders beunruhigend: Wurden die Mäuse anschließend vier Wochen lang mit normaler Kost gefüttert, verschwand zwar die akute Entzündung, jedoch blieben die Immunzellen umprogrammiert.

„Ungesundes Essen scheint die Körperabwehr langfristig aggressiver zu machen. Auch lange nach Umstellung auf gesunde Kost kommt es daher schneller zu Entzündungen. Diese fördern direkt die Entstehung von Arteriosklerose und Diabetes“, übersetzt Prof. Dr. Joachim Schultze vom Life & Medical Sciences Institute (LIMES) der Universität Bonn die Ergebnisse, die jetzt im Fachmagazin „Cell“ erschienen sind.

Reaktionen wie bei einer bakteriellen Infektion

Bei den Mäusen habe die ungesunde Ernährung zu einem unerwarteten Anstieg einiger Immunzellen im Blut geführt. „Das war ein Hinweis auf eine Beteiligung von Vorläuferzellen im Knochenmark in dem Entzündungsgeschenen”, so der Wissenschaftler, der auch zum Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) gehört.

Durch genomische Untersuchungen konnten die Forscher zeigen, dass in den Vorläufer-Zellen eine große Anzahl von Genen aktiviert wurde, darunter Erbanlagen für Vermehrung und Reifung. „Fastfood führt also dazu, dass der Körper rasch eine riesige schlagkräftige Kampftruppe rekrutiert“, erläutert Schultze.

 

Auf dauerhafte Entzündung gebürstet

Erst seit kurzem ist bekannt, dass das angeborene Immunsystem über ein Gedächtnis verfügt. Nach einer Infektion bleibt die Körperabwehr in einer Art Alarmzustand, um dann schneller auf einen neuen Angriff reagieren zu können. Experten nennen das „innate immune training“. Bei den Mäusen wurde dieser Prozess nicht durch ein Bakterium ausgelöst, sondern durch ungesunde Ernährung.

Die Wissenschaftler konnten sogar den „Fastfood-Sensor“ in den Immunzellen identifizieren, der dafür verantwortlich ist, und zwar bei Menschen. Bei einigen der 120 Testpersonen wurden genetische Hinweise auf eine Beteiligung des so genannten Inflammasom gefunden. Inflammasome sind Sensoren des angeborenen Immunsystems. Sie erkennen schädliche Substanzen und setzen in der Folge hoch entzündliche Botenstoffe frei.

Die Gefahr lauert auf dem Teller

"Fehlernährung kann dramatische Konsequenzen haben", schlussfolgern die Autoren. Die jetzt beobachteten Entzündungen könnten Gefäßkrankheiten oder auch Typ 2-Diabetes drastisch beschleunigen. Bei der Arteriosklerose bestehen die typischen Gefäßablagerungen zum großen Teil aus Lipiden und Immunzellen. Die Entzündungsreaktion trägt direkt zu ihrem Wachstum bei, denn dabei wandern stetig neue aktivierte Immunzellen in die veränderten Gefäßwände ein. Wenn die Plaques zu groß werden, platzen sie auf, werden vom Blutstrom fortgetragen und können andere Gefäße verstopfen. Mögliche Folgen: Schlaganfall oder Herzinfarkt. So schädlich kann Fastfood sein. 

Foto: pixabay Freie kommerzielle Nutzung

Autor: ham
Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Ernährung , Immunsystem
 

Weitere Nachrichten zum Thema Fastfood

Aktuelle Nachrichten

Mehr zum Thema
 
Weitere Nachrichten


Mitochondrien sind die Kraftwerke der Zellen. Im Profi-Sport wird den Zellbausteinen seit ein paar Jahren besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Durch spezielle Trainingsmaßnahmen und Nahrungsergänzungsmittel lässt sich die körperliche Leistungsfähigkeit offenbar enorm steigern.
 
Interviews
Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.


Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.
Logo Gesundheitsstadt Berlin