. Studie

Wie Fasten den Stoffwechsel ankurbelt

Dem Fasten werden allerlei gesundheitsfördernde Wirkungen nachgesagt. Nun konnten Forscher zeigen, warum der Nahrungsentzug den Stoffwechsel ankurbelt und offenbar auch vor einer Fettleber schützt.
Beim Fasten wird vermehrt ein bestimmtes Protein hergestellt. Es reguliert die Aufnahme von Fettsäuren in der Leber

Beim Fasten wird vermehrt ein bestimmtes Protein hergestellt. Es reguliert die Aufnahme von Fettsäuren in der Leber

Fasten bringt bekanntlich den Stoffwechsel auf Trab. Wissenschaftler haben nun herausgefunden, was sich dabei auf molekularer Ebene abspielt. Demnach aktiviert der Nahrungsentzug ein bestimmtes Molekül, das eigentlich DNA-Schäden repariert. Wie die Wissenschaftler aus München und Heidelberg nun in einer Studie zeigen konnten, ist das ‘Growth Arrest and DNA Damage-inducible’ Gen – kurz GADD45β aber auch für die Fettsäureaufnahme in der Leber zuständig. Beim Fasten produzieren die Zellen demnach besonders viele derartige Moleküle – mit positivem Effekt auf den Fett- und Zuckerstoffwechsel. Hunger, so die Forscher, löse in den Zellen eine Art Stressreaktion aus. Der Körper antworte dann mit einer erhöhten Genaktivität in den Leberzellen.

Hunger löst Stressreaktion in Leberzellen aus

Die Erkenntnisse wurden zunächst durch Experimente mit Mäusen gewonnen und später auch am Menschen bestätigt. Fehlte Mäusen das Gen, entwickelten sie leichter eine Fettleber. Gaben die Forscher ihnen das entsprechende Protein zurück, normalisierte sich der Fettgehalt der Leber zusehends. Der Zuckerstoffwechsel – also der Blutzuckergehalt – verbesserte sich bei den Tieren ebenfalls. Auch beim Menschen gingen niedrige GADD45β-Spiegel mit einer erhöhten Fettanreicherung in der Leber und einem erhöhten Blutzuckerspiegel einher.

„Der durch das Fasten verursachte Stress auf die Zellen der Leber scheint also die Produktion von GADD45β anzukurbeln, was dann den Stoffwechsel an die geringe Nahrungsaufnahme anpasst“, betont Prof. Dr. Stephan Herzig, Direktor des Instituts für Diabetes und Krebs (IDC) am Helmholtz Zentrum München.

 

Forscher wollen Stoffwechselgeschehen nachahmen

Die neuen Erkenntnisse könnten neuen Therapien den Weg öffnen, meinte Herzig. „Denkbar wäre es, die positiven Effekte von Nahrungsentzug mit Wirkstoffen nachzuahmen und so therapeutisch in den Fett- und Zuckerstoffwechsel einzugreifen“, so der Forscher. Eine Tablette statt Fasten? Vielen Menschen käme so eine Erfindung sicher gelegen.

Übergewicht kann zu zahlreichen Folgeerkrankungen führen. Nicht nur das Herz-Kreislauf-System ist betroffen: Die Fettleber kann sowohl Typ-2-Diabetes und Leberkrebs auslösen. Nicht zuletzt deshalb sind Experten über die steigende Zahl von Fettleibigen Menschen so besorgt.

Die Studienergebnisse wurden im Open Access Journal ‚EMBO Molecular Medicine’ veröffentlicht. An der Studie waren Wissenschaftler vom Helmholtz Zentrum München dem Deutschen Zentrum für Diabetesforschung (DZD) und dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) beteiligt.

Foto: © Jürgen Fälchle - Fotolia.com

Autor: ham
Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Diabetes , Leber
 

Weitere Nachrichten zum Thema Fasten

| Fasten kann eine heilsame Wirkung bei einigen Erkrankungen haben, doch auch für gesunde Menschen ist Fasten eine Möglichkeit, dem Körper etwas Gutes zu tun.
| Was taugt Detox als Diät? Das wollte die Vebraucherzentrale wissen. Sie schaute sich das Trend-Konzept genauer an. Im Prinzip ist Detox ist eine Art Fastenkur.
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
Zum Welt-Diabetestag gibt es schlechte Nachrichten für Frühstücksmuffel: Epidemiologische Studienhaben gezeigt, dass der Verzicht auf ein Frühstück mit einem erhöhten Risiko für Typ-2-Diabetes verbunden ist. Umgekehrt scheint regelmäßiges Frühstücken vor der Zuckerkrankheit und Übergewicht zu schützen.
Die Seborrhoische Dermatitis zeichnet sich durch einen schuppigen und häufig juckenden Ausschlag im Gesicht und auf der Kopfhaut aus. Dermatologen haben nun herausgefunden, dass der Transkriptionsfaktor JunB eine Schlüsselrolle bei der Entstehung dieser Erkrankung spielt. Sie hoffen, dass sich daraus neue Therapieansätze entwickeln lassen.
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Interviews
Die akute Aortendissektion ist immer ein Notfall. Einer Studie zufolge könnte vielen Menschen das Leben gerettet werden, wenn sie rechtzeitig und adäquat behandelt werden würden. Gesundheitsstadt Berlin hat mit Dr. Stephan Kurz vom Deutschen Herzzentrum Berlin (DHZB) über die Versorgungssituation und das erfolgreiche Projekt „Aortentelefon“ gesprochen.
Dr. Iris Hauth, Chefärztin des Alexianer St. Joseph-Krankenhauses für Neurologie, Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik in Berlin-Weißensee, berichtet in Ihrem Buch "Keine Angst!" über Ursachen und Behandlung von Depressionen - und wie man sich davor schützen kann.
Prof. Dr. Andreas Michalsen, Chefarzt am Immanuel Krankenhaus Berlin und Professor für Klinische Naturheilkunde an der Charité, über die Grenzen der Schulmedizin, den Wildwuchs in der Naturheilkunde und warum sich beide Disziplinen gerade näherkommen.