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16.05.2016

Wie Fasten den Stoffwechsel ankurbelt

Dem Fasten werden allerlei gesundheitsfördernde Wirkungen nachgesagt. Nun konnten Forscher zeigen, warum der Nahrungsentzug den Stoffwechsel ankurbelt und offenbar auch vor einer Fettleber schützt.
Beim Fasten wird vermehrt ein bestimmtes Protein hergestellt. Es reguliert die Aufnahme von Fettsäuren in der Leber

Beim Fasten wird vermehrt ein bestimmtes Protein hergestellt. Es reguliert die Aufnahme von Fettsäuren in der Leber

Fasten bringt bekanntlich den Stoffwechsel auf Trab. Wissenschaftler haben nun herausgefunden, was sich dabei auf molekularer Ebene abspielt. Demnach aktiviert der Nahrungsentzug ein bestimmtes Molekül, das eigentlich DNA-Schäden repariert. Wie die Wissenschaftler aus München und Heidelberg nun in einer Studie zeigen konnten, ist das ‘Growth Arrest and DNA Damage-inducible’ Gen – kurz GADD45β aber auch für die Fettsäureaufnahme in der Leber zuständig. Beim Fasten produzieren die Zellen demnach besonders viele derartige Moleküle – mit positivem Effekt auf den Fett- und Zuckerstoffwechsel. Hunger, so die Forscher, löse in den Zellen eine Art Stressreaktion aus. Der Körper antworte dann mit einer erhöhten Genaktivität in den Leberzellen.

Hunger löst Stressreaktion in Leberzellen aus

Die Erkenntnisse wurden zunächst durch Experimente mit Mäusen gewonnen und später auch am Menschen bestätigt. Fehlte Mäusen das Gen, entwickelten sie leichter eine Fettleber. Gaben die Forscher ihnen das entsprechende Protein zurück, normalisierte sich der Fettgehalt der Leber zusehends. Der Zuckerstoffwechsel – also der Blutzuckergehalt – verbesserte sich bei den Tieren ebenfalls. Auch beim Menschen gingen niedrige GADD45β-Spiegel mit einer erhöhten Fettanreicherung in der Leber und einem erhöhten Blutzuckerspiegel einher.

„Der durch das Fasten verursachte Stress auf die Zellen der Leber scheint also die Produktion von GADD45β anzukurbeln, was dann den Stoffwechsel an die geringe Nahrungsaufnahme anpasst“, betont Prof. Dr. Stephan Herzig, Direktor des Instituts für Diabetes und Krebs (IDC) am Helmholtz Zentrum München.

 

Forscher wollen Stoffwechselgeschehen nachahmen

Die neuen Erkenntnisse könnten neuen Therapien den Weg öffnen, meinte Herzig. „Denkbar wäre es, die positiven Effekte von Nahrungsentzug mit Wirkstoffen nachzuahmen und so therapeutisch in den Fett- und Zuckerstoffwechsel einzugreifen“, so der Forscher. Eine Tablette statt Fasten? Vielen Menschen käme so eine Erfindung sicher gelegen.

Übergewicht kann zu zahlreichen Folgeerkrankungen führen. Nicht nur das Herz-Kreislauf-System ist betroffen: Die Fettleber kann sowohl Typ-2-Diabetes und Leberkrebs auslösen. Nicht zuletzt deshalb sind Experten über die steigende Zahl von Fettleibigen Menschen so besorgt.

Die Studienergebnisse wurden im Open Access Journal ‚EMBO Molecular Medicine’ veröffentlicht. An der Studie waren Wissenschaftler vom Helmholtz Zentrum München dem Deutschen Zentrum für Diabetesforschung (DZD) und dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) beteiligt.

Foto: © Jürgen Fälchle - Fotolia.com

Autor: ham
Hauptkategorie: Medizin
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