Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Wie die Pille das Sozialverhalten beeinflusst

Die körperlichen Wirkungen und Nebenwirkungen der Anti-Baby-Pille sind intensiv erforscht, die Auswirkungen auf das Sozialverhalten kaum. WissenschaftlerInnen der Uni Trier haben letzteres jetzt getan und kommen zu dem Schluss: Frauen ohne hormonelle Verhütung sind einfühlsamer und stärker bereit, Dinge mit anderen zu teilen.
Junge Frau schaut kritisch auf Blister mit Anti-Baby-Pille.

Die Anti-Baby-Pille gilt als sicheres Verhütungsmittel. Wie die in ihr enthaltenen Hormone das Sozialverhalten von Frauen beeinflussen haben jetzt WissenschaftlerInnen der Uni Trier in einer Studie untersucht.

Während zur Pille generell bereits viel geforscht wurde, weiß man immer noch wenig zu ihren Auswirkungen auf das Sozialverhalten. Diese Wissenslücke zu schließen, hat sich die Abteilung Biologische und Klinische Psychologie der Universität Trier zum Ziel gesetzt. In einer gerade veröffentlichten Studie, die in Zusammenarbeit mit der Universität Konstanz entstanden ist, konnten die Forschenden erste Anhaltspunkte dafür finden, dass die Pille das Sozialverhalten ihrer Konsumentinnen beeinflussen kann. Die Ursache für die Unterschiede sehen die Trierer Forschenden in dem durch die Einnahme der Pille erzeugten veränderten Hormonspiegel.

83 Probandinnen mit und ohne Anti-Baby-Pille

Konkret wurden das Erkennen und Mitfühlen von Emotionen anderer sowie die Bereitschaft, mit anderen zu teilen, untersucht. Um neue Erkenntnisse zu gewinnen führten die Forschenden Experimente durch, an denen 83 Frauen teilnahmen. Der eine Teil der Probandinnen verhütete mit der Pille, der andere ohne Pille beziehungsweise mit anderen hormonellen Methoden.

 

Experiment 1: Vertraue ich jemandem Geld an?

Bei einem Spiel mussten die Probandinnen entscheiden, ob sie einer anderen Person genug vertrauen, um ihr Geld zu geben. „Dabei stellte sich heraus, dass nicht-hormonell verhütende Frauen eher dazu bereit waren zu teilen als Frauen, die mit der Pille verhüten", heißt es in einer Mitteilung der Uni Trier zu den Ergebnissen der Studie. „Auch in einem weiteren Test verhielten sich die nicht-hormonell verhütenden Frauen prosozialer."

Experiment 2: Wie einfühlsam bin ich?

Bei einem zweiten Experiment wurden den Frauen Bilder von Personen in unterschiedlichen Stimmungslagen gezeigt. Beide Gruppen an Probandinnen erkannten gleich gut die Emotionen. Einen Unterschied gab es jedoch beim Miterleben der Emotionen: Probandinnen, die ohne die Pille verhüten, gaben an, die Emotionen stärker mitzufühlen.

„Erkenntnisse für die Entscheidung pro oder contra Pille“

Zur Intention der Studie sagt Bernadette von Dawans von der Abteilung für Biologische und Klinische Psychologie der Uni Trier: „Uns geht es bei unserer Forschung nicht darum, Frauen davon abzuraten, die Pille zu nehmen. Vielmehr wollen wir wissenschaftlich basierte Kenntnisse liefern, die bei der Entscheidung für oder gegen die Pille helfen.“

Foto: AdobeStock/Katie Little

Autor: zdr
Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Psychologie , Antibabypille , Verhütungsmittel , Forschung
 

Weitere Nachrichten zum Thema „Hormonelle Empfängnisverhütung“

22.06.2019

Eine gut bestückte Reiseapotheke ist ein gutes Stück mehr Sorglosigkeit im Urlaub. Wer für den Notfall oder für die Dauereinnahme Medikamente im Gepäck hat, muss trotzdem ein paar Dinge beachten: Kühl lagern etwa. Oder: Die Einnahme auf die neue Zeitzone abstimmen, damit Medikamente weiter richtig wirken.

 

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
In Israel gelten nur noch Personen mit dritter Impfung als vollständig geimpft. Und tatsächlich sinken die Fallzahlen im Land. Das Vorgehen ist jedoch wissenschaftlich umstritten.


Saubere Hände sind nicht nur in der Corona-Pandemie wichtig. Zahlreiche Erkrankungen lassen sich mit gründlicher Händehygiene vermeiden: Erkältungen, Magen-Darm-Probleme – und sogar Wurm-Erkrankungen. Mit kreativen Ideen kann man Kinder dazu motivieren, dass Hände waschen für sie in bestimmten Situationen des Alltags zum festen Ritual wird.
 
Interviews
Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.

Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.

Logo Gesundheitsstadt Berlin