. Hirnforschung

Wie die kognitive Verhaltenstherapie bei Panikstörungen wirkt

Panikattacken sind eine besonders extreme Form von Angststörung. Hirnforscher konnten nun zeigen, dass eine kognitive Verhaltenstherapie die Hirnaktivität bei Betroffenen verändert und sich die Panikstörung dadurch deutlich verbessert.
Panikstörung: Kognitive Verhaltenstherapie wirkt sich auf Hirnaktivität aus und verbessert die Symptomatik

Panikstörung: Kognitive Verhaltenstherapie wirkt sich auf Hirnaktivität aus und verbessert die Symptomatik

Wenn aus Angst wiederholt Panik wird, sprechen Ärzte von einer Panikstörung. Was dabei passiert erklären Experten so: „Die Entstehung einer Panikstörung wird regelmäßig von einer verzerrten Verarbeitung von sprachlichen und nichtsprachlichen Bedeutungen über die Welt und sich selbst begleitet“, sagt Prof. Tilo Kircher, Leiter der Marburger Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie. Kircher und Kollegen haben nun untersucht, wie die kognitive Verhaltenstherapie bei Panikstörung genau im Gehirn wirkt. Diese Therapie gilt als Therapie der ersten Wahl bei Panikstörungen, wurde jedoch auf Ebene der Hirnaktivität bislang nicht ausreichend mit experimentellen Ansätzen untersucht.

MRT zeigt neuronale Korrelate

Für ihre Studie untersuchten die Wissenschaftler 118 Patienten, die zuvor noch nicht mit einer kognitiven Verhaltenstherapie behandelt worden waren; 42 davon erhielten ebendiese Therapie und wurden danach wiederholt getestet. Als Vergleich dienten 150 gesunde Probanden.

Während die Studienteilnehmer eine sprachliche Aufgabe absolvieren mussten, wurde die Hirnaktivität mittels MRT-Bildgebung untersucht. Die Aufgabe simulierte Auslöser eine Panikattacke, wie etwa durch das Wort „Aufzug“, das Betroffene oft mit dem Gefühl von auswegloser Enge und Angst verbinden.

Die Ergebnisse wurden mit 150 gesunden Probanden verglichen. Dabei zeigte sich, dass Patienten vor der Therapie eine stärkere Zusammengehörigkeit zwischen panik-auslösenden und symptombeschreibenden Wörtern wahrnehmen als gesunde Probanden. Dieser Effekt spiegelt sich in der veränderten Aktivität bestimmter Hirnareale wider.

 

Therapie hemmt bestimmtes Hirnareal

Dies änderte sich jedoch, nachdem die Patienten eine kognitive Verhaltenstherapie erhalten hatten. Es ging ihnen danach nicht nur besser, auch ihre sprachliche Verarbeitung hatte sich normalisiert. In der Bildgebung war zu erkennen, dass die Hirnaktivität in einem Hirnareal gedämpft ist, wo panik-bezogene Wortpaare verarbeitet werden „Offenbar unterbindet die Kognitiven Verhaltenstherapie Assoziationen, die für Patienten mit Panikstörung symptomatisch sind“, schlussfolgert der Marburger Psychologe Dr. Yunbo Yang, Erstautor der Publikation im Fachblatt „American Journal of Psychiatry“.

Die Arbeit wurde Bundesforschungsministerium finanziell unterstützt. Der Titel der Publikation lautet: Effect of CBT on Biased Semantic Network in Panic Disorder: A Multicenter fMRI Study Using Semantic Priming.

Foto: pixabay

Autor: ham
Hauptkategorie: Medizin
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