Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Wie Diabetes und Parodontitis zusammenhängen

Freitag, 11. November 2022 – Autor:
Was haben Diabetes im Körper und Entzündungen im Mund miteinander zu tun? Mehr, als viele denken. Bei Diabetikern verläuft eine Parodontitis oft schneller und schwerer und in der Regel verlieren sie dabei auch mehr Zähne. Aber das ist noch nicht alles.
Mundbakterien, mikroskopische Darstellung.

Mundbakterien können Krankheiten wie Diabetes im Körper fördern. Umgekehrt kann Diabetes Parodontitis und Zahnausfall verstärken. – Foto: AdobeStock/Kateryna_Kon

Rund 8,5 Millionen Menschen in Deutschland sind an Diabetes mellitus Typ 2 erkrankt. Hinzu kommt eine Dunkelziffer von mindestens 2 Millionen Menschen. An Parodontitis leiden rund 35 Millionen. „Biologisch hängen beide Volkskrankheiten zusammen“: Darauf verweisen der Bundesverband der Niedergelassenen Diabetologen (BVND) und die Bundeszahnärztekammer (BZÄK) anlässlich des Welt-Diabetes-Tags am 14. November.

Was ist Diabetes? Was ist Parodontitis?

Bei einer Diabetes-Erkrankung ist der Blut-Glucosespiegel chronisch erhöht. Bei Diabetes mellitus unterscheidet die Medizin zwei Typen: Diabetes Typ 1 tritt vorwiegend in der Kindheit oder Jugend auf. Durch eine Autoimmun-Destruktion von Pankreaszellen bei den Betroffenen wird ein Insulinmangel ausgelöst, sodass es zu einem erhöhten Blutzuckerspiegel kommt. Diabetes Typ 2 hingegen ist eine über die Zeit erworbene Insulinresistenz, die primär eine Konsequenz von Lebensgewohnheiten ist, wie zum Beispiel ungesunde Ernährung, Übergewicht und zu wenig Bewegung. Diabetes Typ 2 ist die verbreitetste Form des Diabetes mellitus.

Eine Parodontitis ist gekennzeichnet durch eine chronische Entzündung des sogenannten Zahnhalteapparates, also den Partien in Mund beziehungsweise Kiefer, in denen die Zähne verankert sind. Verursacht wird Parodontitis durch Bakterien im Zahnbelag.

 

Zwei Volkskrankheiten, die sich gegenseitig verstärken

Dank Forschung weiß man heute mehr über die engen Verflechtungen zwischen unterschiedlichen Erkrankungen, die man überhaupt nicht vermuten mag. Denn auf den ersten Blick sind sie doch allein für sich, an verschiedenen Orten im Körper, lokalisiert. Studien zeigen: Eine solche bidirektionale – also sich gegenseitig beeinflussende – Beziehung besteht auch zwischen Diabetes und Parodontitis. Zudem existieren diverse immunologische und klinische Ähnlichkeiten zwischen den beiden Erkrankungen.

Bei Diabetikern schreitet den Zahnarzt-Organisationen zufolge eine Parodontitis oft schneller voran, verläuft häufig schwerer und in der Regel verlieren sie dabei auch mehr Zähne als Menschen ohne Diabetes. Diabetiker mit gut eingestellten Blutzuckerwerten wiederum sprechen wesentlich besser auf eine Parodontitis-Behandlung an.

Diabetes und Parodontitis: Ähnliche Risikofaktoren

„Nicht nur biologisch, auch bei den Risikofaktoren beider Erkrankungen gibt es Parallelen“, sagt Nikolaus Scheper, der Vorsitzende des Diabetologen-Verbands. „Das gilt zum Beispiel für einen ungesunden Lebensstil, Stress, Zuckerkonsum, Adipositas, das Rauchen und Alkohol sowie eine genetische Prädisposition.“ Hinzu komme: Beide Erkrankungen entwickelten sich meist unbemerkt und würden oft erst spät erkannt.

Parodontitis fördert neben Diabetes auch Herzinfarkt und Rheuma

„Andererseits können Mikroorganismen, sprich Bakterien, über die Blutgefäße des Zahnfleisches in den Blutkreislauf gelangen, so dass eine Parodontitis mit zahlreichen Erkrankungen des Gesamtorganismus, wie zum Beispiel Diabetes mellitus, Herzinfarkt, Schlaganfall und rheumatoider Arthritis, assoziiert ist“, berichtet Romy Ermler, Vizepräsidentin der Bundes-Zahnärztekammer. Es sei wichtig, Patienten stärker über diese Zusammenhänge zu informieren.

Diabetes und Parodontitis: Krankheiten, die nach interdisziplinär ausgerichteter Behandlung verlangen

Die Alterung der Gesellschaft führt dazu, dass chronische Krankheiten in der Bevölkerung zunehmen. Die Wissenschaft rechnet deshalb auch mit einem Zuwachs an Parodontitis- und Diabetes-Erkrankungen. Zahnärzte und Diabetologien fordern: „Deshalb und aufgrund der Wechselwirkungen zwischen den beiden Krankheiten ist eine stärker interdisziplinär ausgerichtete Behandlung gefragt.“

Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Diabetes , Zahnmedizin
 

Weitere Nachrichten zum Thema „Diabetes“

 

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
Die Pandemie hat das Bewegungs- und Sportverhalten bei vielen verändert. Das Homeoffice gilt als „Bewegungskiller“, Städter schwitzen vorm Youtube-Video im eigenen Wohnzimmer, Landbewohner treibt es ins Freie – und Yoga ist jetzt beliebter als Fußball.

Die „professionelle Zahnreinigung“ ist ein wichtiges Ritual zur Erhaltung gesunder Zähne. In der Regel zahlt man sie selbst. Manche gesetzlichen Krankenkassen unterstützen ihre Mitglieder dabei aber finanziell. Allerdings ist das auch an Bedingungen geknüpft.

Für viele Menschen hat Corona seinen Schrecken verloren. Doch Pflegeheime sind nach wie vor Corona-Hotspots, heißt es im Barmer-Pflegereport 2022. Im Monat Juli waren fast 40-mal so viele Pflegefachkräfte krankgeschrieben wie ein Jahr zuvor.
 
Interviews
Affenpocken verlaufen in der Regel harmlos. Doch nicht immer. Dr. Hartmut Stocker, Chefarzt der Klinik für Infektiologie am St. Joseph Krankenhaus in Berlin Tempelhof, über die häufigsten Komplikationen, die Schutzwirkung der Impfung und den Nutzen von Kondomen.

Zöliakie kann in jedem Lebensalter auftreten und ein buntes Bild an Beschwerden machen. Bislang ist das wirksamste Gegenmittel eine glutenfreie Ernährung. Gesundheitsstadt Berlin hat mit PD Dr. Michael Schumann über die Auslöser und Folgen der Autoimmunerkrankung gesprochen. Der Gastroenterologe von der Charité hat an der aktuellen S2K-Leitinie „Zöliakie“ mitgewirkt und weiß, wodurch sich die Zöliakie von anderen Glutenunverträglichkeiten unterscheidet.

Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin