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Wie Corona unser Sportverhalten verändert hat

Mittwoch, 30. November 2022 – Autor:
Die Pandemie hat das Bewegungs- und Sportverhalten bei vielen verändert. Das Homeoffice gilt als „Bewegungskiller“, Städter schwitzen vorm Youtube-Video im eigenen Wohnzimmer, Landbewohner treibt es ins Freie – und Yoga ist jetzt beliebter als Fußball.
Frau treibt Fitness-Sport im Wohnzimmer vorm Laptop.

Das Fitness-Studio im Wohnzimmer: Eine typische Veränderung beim Sportverhalten im Zuge der Corona-Pandemie. – Foto: AdobeStock/Alliance

Als Folge der Covid-19-Pandemie bewegen sich viele Deutsche erstens weniger – und  zweitens anders: Das zeigt die neue Studie der Techniker Krankenkasse (TK) mit dem Titel „Beweg‘ dich, Deutschland!“. 26 Prozent der Befragten geben an, dass sie sich heute weniger bewegen als vor der Pandemie. Rund ein Drittel der Deutschen bewegt sich im Alltag zu wenig – also nicht einmal eine halbe Stunde. „Wir sehen in unserer Studie deutliche Effekte durch Corona", sagt Jens Baas, der Vorstandsvorsitzende der TK, zur Erklärung der veränderten Bewegungsgewohnheiten. Weitere Trends: Stadtbewohner entdeckten digitale Fitnessangebote für sich, denen man sicher vor Infektionen im eigenen Zuhause nachgehen kann – Landbewohner dafür den Sport im Freien.

Das Homeoffice als Bewegungskiller

Ein entscheidender Faktor für unsere tägliche Bewegung ist das Arbeitsleben. Für viele Beschäftigte bietet der tägliche Weg zur Arbeit – sei es mit dem Fahrrad oder zu Fuß – die Möglichkeit, den täglichen Sport nebenbei gleich mit zu erledigen. Das hat sich durch die Corona-Pandemie mit dem Homeoffice verändert. „Vor allem der Arbeitsweg zum Beispiel zu Fuß oder mit dem Fahrrad fehlt jetzt als natürliche Aktivität im Alltag", sagt TK-Chef Baas. Der TK-Studie zufolge arbeiteten 46 Prozent der Befragten in den vergangenen zwei Jahren mindestens zeitweise von zu Hause aus. Mehr als die Hälfte der im Homeoffice Tätigen bewegte sich nach eigenen Angaben weniger als am normalen Arbeitsplatz (56 Prozent). Für viele fehle jetzt der Arbeitsweg zu Fuß oder mit dem Rad als natürliche Aktivität im Alltag. Das Homeoffice gilt deshalb als regelrechter Bewegungskiller. Manche berichten auch davon, das Homeoffice begünstige sogar bestimmte Erkrankungen.

 

45 Prozent treiben selten Sport – oder nie

Der Studie zufolge macht knapp die Hälfte der Deutschen (45 Prozent) selten Sport – oder nie. Auffällig an diesem Wert ist laut TK: Im Vergleich zur Vorgängerstudie gaben deutlich mehr Befragte an, dass sie nicht zum Sport kämen, weil sie familiär zu eingespannt sind (35 Prozent). 2016 waren es nur 25 Prozent. Die Studie erklärt das mit den neuen Bedingungen während der Pandemie – geschlossenen Kitas und Schulen während der Lockdowns.

Schwitzen vorm Youtube-Video: Das Fitness-Studio im Wohnzimmer

Umgekehrt gaben 52 Prozent an, dass sie es – trotz der widrigen Pandemie-Umstände schafften, regelmäßig Sport zu treiben. Dabei hat Corona sich nicht nur auf das Sportpensum der Menschen in Deutschland ausgewirkt, sondern auch auf die Art und Weise, wie sie Sport treiben. Als während der Lockdowns Fitnessstudios geschlossen waren und das Training in Vereinen nicht stattfinden durfte, wich ein Fünftel (21 Prozent) auf digitale Sportangebote aus. Das Workout wurde ins Wohnzimmer verlegt mit Youtube-Videos, Online-Sportkursen oder Apps. Auffällig: Besonders die Menschen in der Stadt nutzten verstärkt Heimtrainer und Online-Sportangebote, während die Bewohner ländlicherer Gegenden Outdoor-Sport für sich entdeckten.

Die beliebtesten Sportarten: Fahrrad fahren liegt klar vorn

Mit Abstand die beliebteste Sportart in Deutschland ist Fahrrad fahren (46 Prozent). Auf Platz zwei folgt Joggen (26 Prozent), Platz drei belegen Wandern und Nordic Walking (25 Prozent). Yoga hat im Vergleich zur Vorgängerstudie mit 9 Prozent nochmal deutlich zugelegt und ist damit beliebter als Fußball (6 Prozent).

Was motiviert zu Bewegung im Alltag?

„Mit dem Fahrrad zur Arbeit zu kommen ist eine sehr gute Möglichkeit für mehr Bewegung im Alltag, die ohne zeitlichen Mehraufwand zu nachweislich positiven Effekten für die Gesundheit beiträgt“, sagt Oliver Quittmann von der Deutschen Sporthochschule Köln. Ein zweiter Tipp ist gemeinsames Sporttreiben. „Wenn man sich verabredet, fällt es viel schwerer eine Einheit abzusagen. Wichtig ist, individuelle Vorlieben zu berücksichtigen: Manche wollen sich klare sportliche Ziele setzen, andere bewegen sich vielleicht am liebsten in der Natur und wieder andere sind einfach gern unter Menschen.“

Die Sportlichen fühlen sich gesünder

Das Aufraffen lohnt sich, denn Sport verbessert das Lebensgefühl. Von denen, die wöchentlich mehr als drei Stunden Sport treiben, geben 70 Prozent an, dass ihr Gesundheitszustand gut oder sehr gut ist. Nur elf Prozent stufen ihre Gesundheit als weniger gut oder schlecht ein. Bei den Nicht-Sportlern ist es fast ein Viertel der Befragten (23 Prozent). Die aktuelle TK-Studie bestätigt eine Untersuchung des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) sowie des Zentralinstituts für Seelischen Gesundheit (ZI), die ergab, dass Bewegung glücklicher und energiegeladener macht.

Hauptkategorie: Corona
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