Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Wie Corona-Masken die Verständigung erschweren

Corona-Masken verringern das Infektionsrisiko. Der Preis dafür: Sie dämpfen die Lautstärke und verschlechtern die Fähigkeit, sich klar zu artikulieren. Das macht zuhören und verstehen anstrengend und verleitet viele dazu, die Maske dafür abzunehmen. Wissenschaftler der Universitätsmedizin Halle haben jetzt die Kommunikation unter Pandemie-Bedingungen erstmals mit psychoakustischen Messverfahren untersucht.
Studenten mit Corona-Masken unterhalten sich.

Corona-Masken dämpfen und verfremden die Sprache. Kommen Hintergrundgeräusche in vergleichbarer Lautstärke hinzu, kann das Sprachverstehen um bis zu 50 Prozent sinken. Das zeigt eine Studie der Universitätsmedizin Halle.

Es ist, wie wenn der Sprecher leise spricht, zusätzlich nuschelt – und dann funktioniert beim Gesprächspartner auch noch das Hörgerät nicht richtig. Dann addiert man noch Irritationen durch Hintergrundgeräusche hinzu. Und weil alle ja eine Maske vorm Mund tragen, kann man nicht einmal die Lippenbewegungen lesen, die einem beim Identifizieren einzelner Wörter über den Umweg der Optik vielleicht noch helfen könnten. Wie soll da Kommunikation flüssig und erfolgreich funktionieren? Forscher der Universitätsmedizin Halle (Saale) haben das Kommunizieren unter Corona-Bedingungen jetzt wissenschaftlich betrachtet und kommen zu dem Schluss: „Das Sprachverstehen vor Hintergrundlärm und in Gesprächssituationen mit mehreren Sprechenden wird deutlich reduziert, wenn ein Mund-Nasen-Schutz von der sprechenden Person getragen wird.“

Sprachverstehen reduziert sich um bis zu 50 Prozent

„Das sogenannte Signal-Rausch-Verhältnis verschlechtert sich um bis zu drei Dezibel“, so die Erkenntnis der Forscher. In Gesprächssituationen mit einer Geräuschkulisse im Hintergrund, die in etwa so laut ist wie das Gesagte selbst, reduziert sich das Sprachverstehen demnach bereits um bis zu 50 Prozent. Ähnliches gilt in Situationen, in denen mehrere Personen gleichzeitig sprechen. „Die Menschen merken das natürlich und sind geneigt, die Maske beim Sprechen abzunehmen“, berichtet der Erstautor der Studie, Torsten Rahne, von der Universitätsmedizin Halle. „Das ist jedoch in der Pandemie nicht klug. Besser ist es, sofern es möglich ist, sich beispielsweise aus der Gruppe zu lösen und in ruhigerer Umgebung das Gespräch fortzusetzen.“

 

Das Gehirn muss mehr leisten, man ermüdet schneller

Bei den Studienteilnehmern wurde darüber hinaus eine erhöhte Höranstrengung gemessen, wenn eine Maske das Sprachsignal dämpfte. „Das heißt, dass das Gehirn mehr leisten muss. Man muss sich auch mehr konzentrieren und ermüdet schneller“, sagt Medizinphysiker Rahne. Diese Effekte waren der Studie zufolge bereits bei Verwendung eines einfachen Mund-Nasen-Schutzes („OP-Maske“) zu messen und noch stärker ausgeprägt bei Verwendung einer FFP2-Maske. Der Grund dafür sei, dass die akustischen Widerstände des Materials unterschiedlich seien. Die verwendeten psychoakustischen Messverfahren gelten als hochpräzise und wurden nach Angaben der Universitätsmedizin Halle erstmals für derartige Fragestellungen angewendet.

Maske vorm Gesicht: An den Lippen nichts abzulesen

Zu dem beobachteten physikalischen Effekt der Lautstärkereduktion komme in Alltagssituationen noch ein weiterer – optischer und psychologischer – Faktor hinzu: Es fehlt das Mundbild, mithilfe dessen man unter normalen Bedingungen noch einzelne unklare oder verschluckte Silben oder Wörter eventuell durch Beobachtung vielleicht rekonstruieren könnte. „Dadurch kann man sich also auch nicht zusammenreimen, was das Gegenüber gesagt haben könnte, wenn man es nicht verstanden hat“, sagt Rahne. „Insbesondere hörgeminderte Menschen haben somit aufgrund der Masken weitere Einschränkungen.“

Experten: Hintergrundgeräusche am Arbeitsplatz reduzieren

Rahne und seine Kollegen vom Audiologischen Zentrum der Klinik für Hals-, Nasen-, Ohrenheilkunde empfehlen daher, akustische Situationen so zu optimieren, dass Hintergrundlärm maximal reduziert wird, wenn Masken getragen werden müssen: „Das betrifft zum Beispiel im besonderen Klassenräume oder Großraumbüros, aber auch OP-Säle oder Labore und Werkhallen.“

Foto: AdobeStock/Halfpoint

Autor: zdr
Hauptkategorie: Corona
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Forschung , Infektionskrankheiten , Coronavirus
 

Weitere Nachrichten zum Thema „Corona-Masken“

27.05.2021

Medizinische Masken, die vor einer Infektion mit dem Coronavirus schützen sollen, können während der Pollenflugsaison offenbar auch Beschwerden bei Allergikern spürbar lindern. Das ist das Ergebnis einer Studie der „Europäischen Stiftung für Allergieforschung“ und der Techniker Krankenkasse (TK). Die Symptome ließen sich um zwei Drittel reduzieren.

16.01.2021

FFP2-Masken können zu Virenschleudern werden. Doch Wegwerfen muss nicht unbedingt sein. Die Masken können auch desinfiziert und wiederverwendet werden. Bloß auf das richtige Desinfektionsverfahren kommt es an.

 

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
Saubere Hände sind nicht nur in der Corona-Pandemie wichtig. Zahlreiche Erkrankungen lassen sich mit gründlicher Händehygiene vermeiden: Erkältungen, Magen-Darm-Probleme – und sogar Wurm-Erkrankungen. Mit kreativen Ideen kann man Kinder dazu motivieren, dass Hände waschen für sie in bestimmten Situationen des Alltags zum festen Ritual wird.

Seit August ist bekannt, dass die Impfquote in Deutschland höher ist als dem Robert Koch Institut gemeldet. Nun rechtfertigt das RKI die Untererfassung, die nach neusten Schätzungen fünf Prozentpunkte beträgt. Das Digitale Impfquotenmonitoring sei als Mindestimpfquote zu verstehen.

 
Interviews
Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.

Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.

Logo Gesundheitsstadt Berlin