Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Wie chronischer Stress und Angst zusammenhängen

Mittwoch, 27. Januar 2016 – Autor:
Jeder fünfte Deutsche leidet an einer Angsterkrankung. Ein Risikofaktor für die Erkrankung ist chronischer Stress. Wissenschaftler haben nun ein Enzym entdeckt, das als Bindeglied zwischen Stress und Angst zu fungieren scheint.
Stress und Angst hängen zusammen

Chronischer Stress kann zu Angsterkrankungen führen – Foto: Kaspars Grinvalds - Fotolia

Angst ist eine normale Reaktion und schützt uns vor Gefahren. Wenn Ängste aber ohne reale Bedrohung auftreten, übermäßig stark sind oder zu lange andauern und mit ausgeprägten körperlichen Beschwerden einhergehen, wird von einer Angsterkrankung gesprochen. Einer der Auslöser für krankhafte Angst kann chronischer Stress sein. Die genauen Zusammenhänge sind allerdings noch nicht bekannt. Nun haben Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München gezeigt, dass ein Enzym namens Dnmt3a einen entscheidenden Anteil daran hat, wie die vordere Hirnrinde durch Stress ausgelöste Angst vermittelt.

Ein Enzym im präfrontalen Kortex vermittelt Angst

Zunächst fanden die Wissenschaftler heraus, dass chronische Stressbelastung oder ein traumatisches Erlebnis zu epigenetischen Veränderungen führen können. Dies geschieht durch die Bindung sogenannter Methylgruppen an die DNA, wodurch die Aktivität von Genen dauerhaft verändert wird. Die Methylierung erfolgt durch eine Gruppe von Enzymen, die als DNA Methyltransferasen (Dnmts) bezeichnet werden. Anhand der durch die Enzymaktivität hervorgerufenen epigenetischen Veränderungen lassen sich nicht nur stressbedingte Erkrankungen ermitteln, sie können auch zur Vorhersage des Behandlungserfolges herangezogen werden.

Die Forscher um Studienleiter Alon Chen konnten zudem zeigen, dass stressbedingte Angstzustände mit einer Verringerung des Dnmt3a-Enzym-Vorkommens im präfrontalen Kortex einhergehen. Dazu manipulierten sie die Menge von Dnmt3a im Gehirn von Mäusen. „Wir haben herausgefunden, dass eine Erhöhung der Dnmt3a-Menge angstähnliches Verhalten im Anschluss an Stress verminderte und eine Reduzierung der Enzym-Menge angstähnliches Verhalten nach Stress erhöhte“, so Choen. Die neuen Erkenntnisse legen die Vermutung nahe, dass Dnmt3a im präfrontalen Kortex an der Auslösung von Angsterkrankungen beteiligt ist.

 

Hoffnung auf neue Therapien bei Angsterkrankungen

Die Forscher hoffen nun, dass sich durch ihre Entdeckung neue Ansatzpunkte für verbesserte Therapiemöglichkeiten von Angststörungen ergeben. In Deutschland ist jeder Fünfte von krankhafter Angst betroffen. Zu den Angsterkrankungen zählen Panikstörung mit oder ohne Agoraphobie, soziale Phobie, spezifische Phobien und die Generalisierte Angststörung. Und obwohl Angsterkrankungen im Allgemeinen sehr gut behandelbar sind, gibt es für etwa ein Drittel der Patienten bisher keine wirksame Therapie. Neue Behandlungsstrategien sind daher dringend erforderlich.

Foto: © Kaspars Grinvalds - Fotolia.com

Hauptkategorie: Medizin
 

Weitere Nachrichten zum Thema Psychische Erkrankungen

03.08.2017

Stressbedingte Krankschreibungen nehmen zu. Weil die üblichen Ausgleichsstrategien offenbar nicht mehr reichen, brauchen immer mehr Deutsche Medikamente. Nach Erkenntnissen der Techniker Krankenkasse hat sich das Volumen der verschriebenen Antidepressiva seit dem Jahr 2007 verdoppelt.

20.07.2017

In Europa sind mehr als zehn Millionen Menschen von einer sozialen Angststörung betroffen. Die Ergebnisse der aktuellen Forschungen zur Frage, welche Therapien am besten wirken, haben nun Mediziner der Universität Gießen zusammengetragen.

 

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten

Husten gehört zu den Symptomen einer virale Atemwegsinfektion. Er kann mehrere Wochen andauern und die Lebensqualität beeinträchtigen. Forscher stellten fest, dass ein Extrakt der südafrikanischen Kapland-Pelargonie gegen Husten hilft.

Finden Sie Krebsvorsorge sinnvoll? Ja, sagen 94 Prozent der Deutschen. Nur: Viele schieben sie dennoch vor sich her. Dabei können die Krebsfrüherkennungsangebote der gesetzlichen Krankenkassen viel Leid verhindern und Leben retten.
 
Kliniken
Interviews
Affenpocken verlaufen in der Regel harmlos. Doch nicht immer. Dr. Hartmut Stocker, Chefarzt der Klinik für Infektiologie am St. Joseph Krankenhaus in Berlin Tempelhof, über die häufigsten Komplikationen, die Schutzwirkung der Impfung und den Nutzen von Kondomen.

Zöliakie kann in jedem Lebensalter auftreten und ein buntes Bild an Beschwerden machen. Bislang ist das wirksamste Gegenmittel eine glutenfreie Ernährung. Gesundheitsstadt Berlin hat mit PD Dr. Michael Schumann über die Auslöser und Folgen der Autoimmunerkrankung gesprochen. Der Gastroenterologe von der Charité hat an der aktuellen S2K-Leitinie „Zöliakie“ mitgewirkt und weiß, wodurch sich die Zöliakie von anderen Glutenunverträglichkeiten unterscheidet.

Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin